Sa. 11. November 1989


Zum neuen 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Erfurt wurde am Sonnabend einstimmig Prof. Dr. Herbert Kroker gewählt. Zuvor hatte die Bezirksleitung einem Antrag von Gerhard Müller entsprochen, ihn von dieser Funktion zu entbinden. Gerhard Müller besaß nicht mehr das Vertrauen der Parteibasis und hatte auf der 10. Tagung des Zentralkomitees nicht die erforderliche Stimmenzahl für seine Wiederwahl als Kandidat des Politbüros gefunden. Die Neuwahl wurde auf einer Kundgebung in der Thüringer Bezirksstadt bekanntgegeben, auf der Tausende Erfurter Genossen dem Sekretariat ihrer Bezirksleitung mit ihrem SED-Mitgliedsbuch die "Rote Karte" zeigten.
(Berliner Zeitung, Mo. 13.11.1989)

In der Klosterkirche in Guben führen das Neue Forum und die SDP eine Veranstaltung durch. Sie werben dabei auch für eine Mitarbeit in ihren Organisationen.

Eine Ortsgruppe der SDP wird in Ilfeld gegründet.

Der Kreisverband Schwarzenberg der SDP bildet sich.

SDP-Mitglieder aus Gera treffen in Nürnberg mit der dortigen SPD-Rathausfraktion zusammen.

Während einer Kreisparteiaktivtagung der SED in der Sporthalle in Potsdam versammeln sich Parteimitglieder vor der Halle zu einer Kundgebung. Es kommt zu Missfallensäußerungen gegen den 1. Sekretär der Bezirksleitung Günther Jahn. Auch Gegendemonstranten finden sich vor der Halle ein.

In Hof wird von der Frankenpost die Vogtlandpost als Informationsblatt herausgegeben. Auch am Grenzübergang Ullitz wird das Blatt verteilt.

Ausnahmezustand in den grenznahen Städten der BRD durch den Besucherandrang aus der DDR. Banken, denen das Bargeld zur Auszahlung des Begrüßungsgeldes auszugehen droht, holen sich Bargeldnachschub in den Kaufhäusern.

Vielerorts fällt in der DDR der Schulunterricht aus.

Die Mitglieder des Staatlichen Komitees für Rundfunk erklären kollektiv ihren Rücktritt.

Die seit dem 04. Oktober bestehenden, bis zu 183 Einsatzhundertschaften der NVA und der Grenztruppen, am 06.11. auf 179 reduziert, werden aufgelöst.

Am Morgen zieht die Westberliner Polizei vor der Absperrung am Brandenburger Tor auf, um ein erneutes Erklettern der Mauer zu verhindern. Sie betritt damit Ostberliner Gebiet vor der Mauer.

Am Berliner Grenzübergang Friedrichstr./Zimmerstr. kommt es am Nachmittag zu einem Treffen zwischen dem Kommandeur des Grenzkommandos Mitte und des Polizeipräsidenten von Westberlin. Westberliner Polizei darf den der Mauer vorgelagerten Streifen, der zu Ostberlin gehört, betreten.

Seit dem späten Abend gibt es eine Fernsprechverbindung und einen direkten Funkverkehr zwischen den Polizeipräsidien von Ost- und Westberlin.

Die Zeitung "Junge Welt" veröffentlicht erstmals die Einschaltquoten des Fernsehens.

Verteidigungsminister Heinz Keßler kündigt auf der Parteiaktivtagung eine Streitkräftereform zur Verwirklichung des Aktionsprogramms der SED an.

Das Parteiaktiv der SED des Ministerium für Nationale Verteidigung fordert den Rücktritt des Ministers, den Rücktritt des Chefs des Hauptstabes und den Rücktritt der Politischen Hautverwaltung.

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