Do. 2. November 1989


DDR-Botschafter Helmut Ziebart hat am Donnerstag in Prag erklärt, die geeignetste und normale Verfahrensweise, wenn sich DDR-Bürger schon zum Verlassen der Republik entschlossen haben, sei es, die entsprechenden Formalitäten in der Heimat zu erledigen und erforderliche Antrage bei den zuständigen Behörden zu stellen. Der Weg über Prag liege nicht im Interesse der betreffenden Personen. Der DDR-Botschafter bezog sich auf die Tatsache, dass sich laut CTK auf dem Gelände der BRD-Botschaft in Prag gegenwärtig rund 1 300 Personen befinden, die auf diesem Wege ihre Ausreise aus der DDR bewirken wollen.
(Neues Deutschland, Fr. 03.11.1989)

Das Kur- und Erholungsheim des Bundesvorstandes des FDGB in Graal-Müritz künftig für die Behandlung von Patienten des Klinik-Sanatoriums "Richard Aßmann" zu nutzen, haben die Mitarbeiter der medizinischen Einrichtung in dem Kurort auf einer Vollversammlung gefordert. Auf diese Weise könne die Qualität der Behandlungen von Herz- und Kreislauf-Erkrankungen erhöht und erweitert werden, stellten Oberarzt Dr. Eckhard Lazarus und Dr. Raimund Schulz fest.
(Neues Deutschland, Do. 02.11.1989)

Die Dialogveranstaltung im Kulturraum der Gießerei Ueckermünde muss wegen des großen Andrangs in den Ueckerpark verlegt werden.

In Eisleben findet die Gründungssitzung der SDP-Ortgruppe statt. Auch in Berlin-Pankow gründet sich eine örtliche SDP-Gruppe.

Eine Basisgruppe des Neuen Forum konstituiert sich in Hoyerswerda und in Merseburg.

In den Räumen der Paulsgemeinde in Schwerin wird über die neuen Gruppen und Parteien informiert.

Nach einer Verordnung des Ministerrats soll jährlich ein Umweltschutzbericht vorgelegt werden.

Das Amt des Regierungssprechers wird geschaffen.

In Bussen in Richtung Westdeutschland verlassen ehemalige DDR-Bürger die ČSSR. Zuvor wurden sie in der DDR-Botschaft in Prag aus der DDR-Staatsbürgerschaft entlassen. Dafür wurde zwischen der BRD- und der DDR-Botschaft in Prag ein Pendelverkehr eingerichtet.

"Am 2. November kam Egon Krenz nach Warschau, bereits als SED-Chef. Wir sprachen offen und ehrlich über das, was in seinem Staat geschehen ist. 'Kannst du dir vorstellen', fragte ich ihn, 'dass eines Tages 100 000 deiner Landsleute an die Mauer gehen und sie abzureißen beginnen?' Nach einem Moment des Nachdenkens erwiderte Egon: 'Das ist möglich.' Eine Woche später hörte die Berliner Mauer faktisch auf zu bestehen.
(Mieczyslaw Rakowski in der Wochenzeitung "DIE ZEIT" am Fr. 15.12.1989)

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