Fr. 29. September 1989


Gewerkschaftsmitglieder im Berliner VEB Bergmann-Borsig wenden sich mit einem Offenen Brief an den FDGB-Vorsitzenden Harry Tisch.

Nach dreitägiger Beratung wurde am Freitag in Berlin die Nationale Gesundheitskonferenz des Zentralkomitees der SED, des Ministerrates der DDR und des Bundesvorstandes des FDGB abgeschlossen.
(Neues Deutschland, Sa. 30.09.1989)

Vom Ministerium für Staatssicherheit wird eine "Übersicht über Personen, die aktiv an der Herausbildung der sogenannten Bürgerinitiative 'Neues Forum' beteiligt sind und mit denen Vorbeugungsgespräche geführt werden sollten", erstellt.

Auf einem Informationsabend in einem kirchlichen Heim in Weimar werden die Gruppen Demokratie Jetzt, Demokratischer Aufbruch, das Neue Forum und die beabsichtigte Sozialdemokratische Partei in der DDR vorgestellt.

In der Wochenzeitung "Die Zeit" wird mehreren Personen die Fragen gestellt:

"McDonald's eröffnet 1990 zwei Schnellrestaurants in Moskau. Hat der Kapitalismus den Sozialismus besiegt?"

"Was wird dieser Sieg die Welt kosten?"

"Was kommt danach?"

Wolf Biermann antwortet darauf:

"Da es in der Sowjetunion nie einen Sozialismus gab, konnte der auch nicht besiegt werden. Ansonsten sind amerikanische Hamburgers immer noch besser als sowjetischer Hunger. Das Elend der SU zeigt sich in schönster Deutlichkeit auch daran, dass die Einrichtung von zwei Fresströgen der Firma McDonald's in Moskau tatsächlich als ein Fortschritt gesehn werden muss.

McDonald's ist ein Gewinn aber auch im weiteren Sinne: Vielleicht kommen die Russen grad beim Verzehr der ungenießbaren Kunstprodukte amerikanischer Pop-art auf den Geschmack, ich meine: Vielleicht kommen sie beim Kauen auf die Idee, dass es einen dritten, einen besseren Weg geben muss, als dem Kapitalismus hinterherzukeuchen.

2. Dieser glanzlose Sieg kostet nur ein paar abgenutzte Lebenslügen.

3. Nu, was soll schon kommen! Entweder nebbich das dritte McDonald's in Moskau oder der dritte Weg."

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