DDR 1989/90Brandenburger Tor


Di. 1. August 1989


Grenzsoldaten am Berliner Flughafen Schönefeld haben am Dienstag versucht, die DDR-Bürgerrechtler Lotte und Wolfgang Templin nach Polen abzuschieben. Das Ehepaar, das im Januar 1988 zwangsweise für zwei Jahre in den Westen ausreisen musste, war mit einer polnischen Maschine in Schönefeld gelandet und wollte nach West-Berlin weiterfahren.

Nach Augenzeugenberichten versuchte ein Offizier an der Passkontrolle den polnischen Flugkapitän zwei Stunden lang zu nötigen, die Templins wieder mitzunehmen. Vorher dürfe die Maschine nicht starten. Das Paar sei erst nach West-Berlin weitergereist, nachdem es gesagt habe, DDR-Bürger dürften nicht in ein anderes Land abgeschoben werden. Die Templins sind Mitglieder der unabhängigen Ost-Berliner "Initiative Frieden und Menschenrechte".
(Frankfurter Rundschau, Fr. 04.08.1989)

Eine Sprecherin des innerdeutschen Ministeriums teilte mit, vom 1. Januar bis zum 31. Juli dieses Jahres seien insgesamt 55 970 DDR-Bürger in die Bundesrepublik gekommen, davon 46 634 mit einer Ausreisegenehmigung.
(Frankfurter Rundschau, Di. 22.08.1989)

Der Rat des Kreise Zittau fordert den evangelischen Kirchenkreis Zittau auf, bis zum 04.08.1989 die bereits im Umlauf bzw. noch in der Kirche vorhandenen Informationsblätter einzusammeln und dem Rat des Kreises, Abt. Inneres zu übergeben.

Am 02.07.1989 erschien das Informationspapier Nr. 1 der Friedens- und Umweltgruppe Zittau mit dem Vermerk, nur für den innerkirchlichen Gebrauch.

Die Zeitungen des Axel Springer Verlages schreiben die DDR nicht mehr in Anführungszeichen.

In der Zeitung Welt, online, ist am 01.08.2009 zu lesen:

"Die DDR hatte der WELT seit Jahren eigene Korrespondenten vor Ort verwehrt. Als sich in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre in Polen und Ungarn für den Axel Springer Verlag neue Märkte und journalistische Möglichkeiten eröffneten, wurden die 'Tüttelchen' zunehmend zum Problem."

Und: "Erst im Nachhinein erwies sich, dass die Entscheidung genau zur rechten Zeit fiel. Oder hätte man wenig später angesichts der atemberaubenden Erfolge der friedlichen Revolution die DDR noch in Gänsefüßchen schreiben sollen?"