DDR 1989/90Brandenburger Tor

01.07. Die D-Mark wird alleiniges Zahlungsmittel in der DDR

01.07. Das "Gesetz zur Privatisierung und Reorganisation des volkseigenen Vermögens" (Treuhandgesetz) tritt in Kraft

01.07. Keine Intershops mehr

01.07. Fünf Regionalsender

01.07. Beendigung der Personenkontrollen an der deutsch-deutschen Grenze

03.07. 6. 2+4-Treffen auf der Ebene unterhalb der Außenministerebene in Berlin

06.07. Beginnen die Verhandlungen über den Einigungsvertrag

07.07. Beibehaltung der Fristenlösung beim Schwangerschaftsabbruch gefordert

07.07. Erster Landkreistag konstituiert sich

16.07. Die Sowjetunion gibt grünes Licht für die NATO-Mitgliedschaft Deutschlands nach der Einheit

16.07. Der Verwaltungsrat der Treuhandanstalt konstituiert sich

17.07. 2+4-Gespräche auf Außenministerebene in Paris

22.07. Die Volkskammer beschließt das "Ländereinführungsgesetz"


Mi. 25. Juli 1990


Der letzte Zweitakt-Trabant rollte gestern vom Band des Zwickauer Automobilwerkes. Damit ging die über drei Jahrzehnte währende Ära des umstrittenen DDR-Volkswagens zu Ende. Nachdem die Limousinen-Produktion bereits seit Wochen eingestellt worden war, verließen zuletzt noch "Universal"-Kombis das Werk. Gegenwärtig werden pro Tag etwa 100 Trabant-Limousinen des Typs 1.1. mit VW-Viertaktmotor gefertigt. Auch die Produktion des VW-Polo ist seit Mai in vorerst kleinen Stückzahlen angelaufen. In den vergangenen Wochen war der Zweitakter ausschließlich für den Export produziert worden. Seit 1957 rollten über drei Millionen Trabis vom Band.
(Berliner Zeitung, Do. 26.07.1990)

Den Aufbau einer in Umfang und Struktur dem öffentlichen Dienst in der BRD entsprechenden Verwaltung und die Einführung des Beamtenrechts im Gebiet der DDR forderten der Deutsche Beamtenbund (DBB) der BRD und der Gewerkschaftsverband Beamtenbund (GBB) der DDR am Mittwoch in Bonn.

Die Vorsitzenden Werner Hagedorn (DBB) und Helmut Dänicke (GBB) wandten sich dagegen, Beschäftigungsverhältnisse im Verwaltungsbereich der DDR einfach nach dem "Rasenmäherverfahren" aufzulösen. Sie vertraten die Auffassung, dass eine "einfache Betätigung" innerhalb der SED keine "Zweifel am Eintreten für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes" begründe. Man könne jetzt die Mitarbeiter, die "nur ihre Pflicht getan" hätten, nicht "mit dem großen Besen hinauskehren und damit zu Sündenböcken für alle Übel der Vergangenheit abstempeln".

Gemäß den Vorstellungen beider Verbände werden rund 500 000 DDR-Beamte nach einjähriger Probe fest angestellt. "Die Welt" berichtete hingegen von einem vertraulichen Entwurf des Bundesinnenministeriums, wonach Beschäftigte der DDR-Verwaltung eine mindestens dreijährige Probezeit durchlaufen müssen. Auch könne ihnen leichter gekündigt werden als ihren Kollegen aus dem Westen.
(Neues Deutschland, Do. 26.07.1990)

Die Ostberliner Verfassung ist seit Mittwoch in Kraft. Sie wurde im Gesetz-, Verordnungs- und Amtsblatt des Magistrats veröffentlicht, das am selben Tag erstmals erschien.
(Neues Deutschland, Do. 26.07.1990)

Der BRD-Warenhauskonzern Hertie plant eine Kapitalbeteiligung an fünf CENTRUM-Warenhäusern in der DDR. Nach Angaben eines Sprechers des Konzerns werde über einen Einstieg bei den Warenhäusern in Erfurt, Halle, Neubrandenburg und Schwedt verhandelt. Eine Beteiligung am Kaufhaus neben dem Berliner Hauptbahnhof werde voraussichtlich im kommenden Monat vereinbart.
(Neues Deutschland, Do. 26.07.1990)

Eine wachsende Zahl von Österreichern sucht erneut nach Wegen, ihr nach 1945 auf dem Boden der DDR enteignetes Vermögen zurückzubekommen. Die DDR und Österreich hatten 1987 einen Vertrag über die Regelung der Vermögensangelegenheiten geschlossen. Darin verpflichtete sich Ostberlin zur Zahlung von knapp 20 Millionen DM in mehreren Raten bis 1993. Bis zum Ablauf der Meldefrist 1988 hatten rund 1 200 Österreicher ihre Ansprüche geltend gemacht.
(Neues Deutschland, Do. 26.07.1990)

Die Deutsche Soziale Union (DSU), die sich parallel zur DDR in der Bundesrepublik gebildet hat, darf diesen Namen laut richterlichem Bescheid des Landgerichts Bonn dort nicht tragen. In Kiel, Düsseldorf und Bonn hatten sich politische Gruppen dieses Namens gebildet, die jetzt Berufung einlegen wollen. Die CSU und die DSU in der DDR zeigten sich befriedigt über den Bonner Gerichtsbescheid.
(Neue Zeit, Do. 26.07.1990)

"Wie im Paradies" können Besucher aus der DDR seit der deutschen Währungsunion in der ČSFR leben, schrieb die Zeitung "Rudé Právo" am Mittwoch. Wegen des günstigen Kurses zwischen D-Mark und tschechoslowakischer Krone - er ist von der ČSFR-Staatsbank für Touristen im Verkauf auf rund 1:18 und im Ankauf auf 1:15 festgelegt - müssten sie jetzt nur noch rund ein Fünftel der tatsächlichen Preise entrichten. Die Gäste aus der DDR genössen "Verkehrstarife für'n Appel und'n Ei, Essen für eine Bagatelle, Getränke und Unterkunft fast umsonst". Die Touristenkurse verleiteten die DDR-Bürger förmlich dazu, in der Tschechoslowakei einzukaufen. Andererseits aber könne man sich als "armer ČSFR-Bürger" heutzutage in der DDR nichts zu essen kaufen, weil dort nach offiziellem Kurs ein Kilogramm Wurst umgerechnet 400 Kronen, ein Brot 45 Kronen und ein halbes Pfund Butter 40 Kronen kosten.

Die Tschechoslowakei, heißt es in dem Beitrag, sei keinesfalls so reich, dass sie es sich erlauben kann, dem Nachbarn Millionengeschenke zu machen - ob er nun Mark, Dollar oder Schilling in der Tasche habe.
(Neues Deutschland, Do. 26.07.1990)