DDR 1989/90Brandenburger Tor

01.07. Die D-Mark wird alleiniges Zahlungsmittel in der DDR

01.07. Das "Gesetz zur Privatisierung und Reorganisation des volkseigenen Vermögens" (Treuhandgesetz) tritt in Kraft

01.07. Keine Intershops mehr

01.07. Fünf Regionalsender

01.07. Beendigung der Personenkontrollen an der deutsch-deutschen Grenze

03.07. 6. 2+4-Treffen auf der Ebene unterhalb der Außenministerebene in Berlin

06.07. Beginnen die Verhandlungen über den Einigungsvertrag

07.07. Beibehaltung der Fristenlösung beim Schwangerschaftsabbruch gefordert

07.07. Erster Landkreistag konstituiert sich

16.07. Die Sowjetunion gibt grünes Licht für die NATO-Mitgliedschaft Deutschlands nach der Einheit

16.07. Der Verwaltungsrat der Treuhandanstalt konstituiert sich

17.07. 2+4-Gespräche auf Außenministerebene in Paris

22.07. Die Volkskammer beschließt das "Ländereinführungsgesetz"


Sa. 21. Juli 1990


In den Kali-Bergbaurevieren der DDR steht eine große Entlassungswelle bevor. Nach Angaben der Gewerkschaftsleitung der Südharz-Gruben soll in den drei Revieren Jeder zweite der 31 000 Arbeitsplätze gestrichen werden, 15 000 Kumpels bangen um ihre Arbeitsplätze.

Gegen den drohenden Arbeitsplatzabbau demonstrierten am Samstag in der thüringischen Stadt Sondershausen über 3 000 Kali-Bergleute des Südharz-Reviers. Die Industrie-Gewerkschaft Bergbau, Energie und Wasserwirtschaft (IGBE) forderte von Regierung und Treuhandanstalt Fördermittel bis ins Jahr 1992. um die Arbeitsplätze zu sichern. Außerdem müsse für die Kali-Reviere ein Infrastruktur-Konzept erarbeitet werden.

Bislang war die Kaliindustrie einer der größten Devisenbringer der DDR, die der weltweit drittgrößte Produzent von Kalidünger war. Viele Ostblockstaaten ordern inzwischen aus Devisenmangel kaum noch Kali. Auch der Absatz in der eigenen Landwirtschaft ist zusammengebrochen.

Die Arbeitsproduktivität der DDR-Kaliindustrie erreicht zwischen 25 und 40 Prozent vergleichbarer Anlagen in der Bundesrepublik. Das ehemalige Kali-Kombinat soll in eine Holding-AG umgewandelt werden. Zur Zeit laufen Verhandlungen mit der Kasseler Kali und Salz AG, um mit gedrosselter Produktion in den rentabelsten Südharz-Schächten weiter fördern zu können.
(Berliner Zeitung, Mo. 23.07.1990)

Die Carl-Zeiss-Stiftung Jena ist von der Treuhandanstalt der DDR zum Beauftragten für die vollständig von der Anstalt gehaltenen Geschäftsanteile an dem GmbH Carl Zeiss Jena und Jenaer Glaswerk eingesetzt worden. Die beiden Unternehmen befanden sich bis zu ihrer Enteignung 1948 im Besitz der 1889 vom Mitbegründer der Zeiss-Werke Ernst Abbe geschaffenen Stiftung. Sowohl die Carl Zeiss Jena GmbH wie die 1884 von Otto Schott gegründete heutige Jenaer Glaswerk GmbH bemühen sich seit Frühjahr 1990 um Rückführung in Stiftungseigentum.

Wie ADN von Vertretern der Geschäftsleitungen erfuhr, begannen in den Firmen einige Monate vor ihrer Ende Juni erfolgten Umwandlung aus volkseigenen Betrieben in Kapitalgesellschaften erste Vorbereitungen auf den Übergang zur sozialen Marktwirtschaft. Die Jenaer Glaswerk GmbH, die weiter unter dem Markenzeichen Jenaer Glas verkauft, gliedert sich jetzt in die Geschäftsbereiche Optisches Glas, Technisches Glas, Hauswirtschaftsglas und Infoglas (Glas für die Lichtleiter-Informationsübertragung).
(Neue Zeit, Mo. 23.07.1990)

Das erste Frauenhaus der DDR ist in Neubrandenburg eröffnet worden. Die Mitarbeiter des Hauses, sieben Frauenbund ein Mann als Hausmeister, arbeiten rund um die Uhr im Drei-Schicht-Betrieb. Im Gegensatz zu Frauenhäusern im Bundesgebiet und in West-Berlin, die Männer nicht einmal als Rechtsbeistand der aufgenommenen Frauen zulassen, sollen im Neubrandenburger Haus sogar Besuchszeiten für Ehemänner eingerichtet werden, sofern die Frauen dies wünschen.
(Neue Zeit, Mo. 23.07.1990)

Die vor sechs Monaten gegründete thüringische Zeitung "Die Neue" hat am Wochenende ihr Erscheinen eingestellt.
(Neue Zeit, Mo. 23.07.1990)

Ein Ende des Machtmonopols der KP ihres Landes sowie demokratische Wahlen in ihrer Heimat forderten am Sonnabend in Leipzig auf einer Kundgebung vietnamesische Flüchtlinge, Emigranten, Asylanten und Gastarbeiter. Delegationen und Vereinigungen aus zahlreichen europäischen Ländern sowie aus Asien, Amerika und Australien hatten sich dazu auf dem Karl-Marx-Platz versammelt.
(Berliner Zeitung, Mo. 23.07.1990)

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