Sa. 7. Juli 1990


Künftige Patientenversorgung und dazu erforderliche Sicherung des ärztlichen Berufsstandes waren beherrschende Themen des 1. Ärztetages Sachsen-Anhalt am Sonnabend in Halle. Es gehe darum, an Stelle staatlicher Verwaltung der ärztlichen Tätigkeit die Selbstverwaltung durch die Ärztekammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts zu setzen, sagte deren, Präsident, Prof. Dr. Walter Brandstädter (Magdeburg).

Die Delegierten aus 41 Kreisen des neu zu bildenden Landes bestätigten den geschäftsführenden Vorstand der Ärztekammer, dem vier Mediziner aus dem Bezirk Magdeburg und fünf aus dem Bezirk Halle angehören. Sie verabschiedeten auch "Thesen zur ambulanten und stationären ärztlichen Patientenversorgung" sowie Entwürfe zum Kammergesetz für die Heilberufe in Sachsen-Anhalt und weitere Grundsatzpapiere.

Am Ärztetag Sachsen-Anhalt beteiligten sich Fachkollegen aus Niedersachsen, die unter anderem zu den Aufgaben und zur Arbeitsweise einer Ärztekammer referierten sowie Erläuterungen zur berufsständischen Altersversorgung gaben.
(Neues Deutschland, Mo. 09.07.1990)

Die Löhne und Renten in der DDR werden nach Ansicht von Bundesarbeitsminister Blüm (CDU) in spätestens fünf Jahren die Höhe erreicht haben wie in der Bundesrepublik. Im gleichen Zeitraum könne die Arbeitslosigkeit drastisch vermindert werden. Steuererhöhungen zur Finanzierung der deutschen Einheit halte er nicht für nötig. Andererseits sei die deutsche Einheit eine große historische Chance, die nie wiederkomme. "Da kann ich nicht als Buchhalter drangehen. Unsere Enkel würden sich für ihre Großeltern schämen, wenn wir sagen würden, wir lassen die Einheit sausen, weil sie uns zu viel kostet", meinte Blüm.
(die tageszeitung, Mo. 09.07.1990)

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