Wer möchte tauschen? Aufgelöste Staatssicherheit gegen Verfassungsschutz? Verbot der Republikaner gegen ihre Legalisierung bei einer Rechtsangleichung? Verkürzung des Wehrdienstes gegen bestehende 15 Monate? Das Recht der Frauen auf unabhängige ökonomische Existenz und selbstentschiedene Schwangerschaft gegen Abhängigkeit und Paragraphen 218?
Nur eine Auswahl dessen, worum Gruppen und Organisationen aus der DDR und Berlin (West) eine Erklärung unterzeichneten, die sie gestern [09.02.] der internationalen Presse übergaben.
Vereinigte Linke, Teile des NEUEN FORUM, der Grünen Partei, NELKEN, Alternative Liste, Grüne, Linker Jugendring und IG Alternative Jugendvertretung warnen, weiter Illusionen zu schüren, was die Lösung der Probleme in der DDR durch einen schnellen Anschluss an die BRD betrifft.
Logisch, dass, wenn man alles aus den letzten 40 Jahren nur als "Schrott" und "marode" bezeichnet, die Resignation wächst und westliche Versprechen damit als einziger Ausweg erscheinen.
Der Vertreter der Alternativen Liste Westberlins meinte: Viele wollen in der DDR kein neues Experiment. Sie sehen nicht, dass das, was jetzt beginnt, eines der größten Experimente der Weltgeschichte wird.
Im Widerspruch zu den Demos, so ein Abgeordneter der NELKEN, wird eine zunehmende Existenzangst deutlich, besonders in ohnehin sozial schwachen Bevölkerungsschichten.
Reinhard Schult vom NEUEN FORUM sagte: "Die realen Ängste der Menschen müssen abgebaut werden. Das Volk der DDR darf sich nicht verkaufen und sich zur Nutte der Nation machen lassen." Vielmehr, so heißt es auch in der gemeinsamen Erklärung, brauche es Zeit und Möglichkeiten einer selbstbestimmten, demokratisch kontrollierten Reform. Finanzielle und wirtschaftliche Hilfe seitens der BRD müsse eine solche Entwicklung unterstützen, "statt der DDR das politische und wirtschaftliche System der BRD aufzupfropfen."
Von unserer Berichterstatterin Kathi Seefeld
(Junge Welt, Sa. 10.02.1990)
Berlin. BZ - L. Schnedelbach Annäherung und Kooperation zwischen beiden deutschen Staaten verlangen Gleichberechtigung und Souveränität beider Partner, soll sie nicht in einer bloßen Einverleibung der DDR durch die BRD enden. Dies teilten gestern auf einer Pressekonferenz im Berliner Haus der Demokratie Vertreter von neuen Parteien und politischen Gruppierungen mit.
Marion Seelig, Sprecherin der Vereinigten Linken, verlas eine gemeinsame Erklärung, die u.a. auch von Vertretern der Alternativen Liste aus Westberlin, den Grünen der BRD, der Grünen Partei sowie der Nelken und einer Minderheitenfraktion des Neuen Forum getragen wird. Unter der Überschrift "Vertrauen in die eigene Kraft" warnen die Unterzeichner angesichts der sich überschlagenden Wiedervereinigungspläne und -euphorie mit allem Nachdruck davor, die nationalen Empfindungen weiterhin hoch zu putschen und die Illusion zu schüren, dass mit der deutschen Einheit die tiefgreifenden Probleme in der DDR schnell zu lösen sein werden. Im Gegenteil, ein schneller Anschluss an die BRD über eine Währungs- und Wirtschaftsunion und die Angliederung an das Rechtssystem der Bundesrepublik würden das Ende der revolutionären Prozesse in der DDR bedeuten. Bemühungen um eigenständige Lösungen hätten dann keine Chance mehr. Wenn die Ergebnisse von 40 Jahren Arbeit in der DDR ausschließlich als "Schrott" und "marode" bezeichnet würden, wüchse die Resignation, und westliche Versprechen erscheinten als einziger Ausweg, heißt es weiter. Die DDR brauche Zeit und die Möglichkeit einer selbstbestimmten demokratisch kontrollierten Reform.
(Berliner Zeitung, Sa. 10.02.1990)
Berlin (ND). Vereinigte Linke, eine Minderheitengruppe des Neuen Forums, die NELKEN, die Grüne Partei, der Linke Jugendring und die IG Alternative Jugendvertretung warnen davor, die Illusion zu schüren, mit der deutschen Einheit seien die Probleme in der DDR lösbar. Auf einer Pressekonferenz am Freitag erklärten sie, ein schneller Anschluss an die BRD über eine Währungs- und Wirtschaftsunion und die Angleichung an das Rechtssystem der BRD bedeute das Ende des revolutionären Prozesses in der DDR. Annäherung und Kooperation beider Staaten verlange Gleichberechtigung und Souveränität. Finanzielle und wirtschaftliche Hilfe der BRD müsse die selbstbestimmte demokratische Reform in der DDR unterstützen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die von der Alternativen Liste Westberlin und den Grünen in der BRD mitgetragen wird.
(Neues Deutschland, Sa. 10.02.1990)
Berlin (ADN). Gegen sich überschlagende deutsche Wiedervereinigungspläne und nationale Euphorie haben sich die Vereinigte Linke, die Grüne Partei, eine Minderheitenfraktion des NEUEN FORUMS, die NELKEN sowie der Linke Jugendring und die Initiativgruppe für eine Alternative Jugendvertretung ausgesprochen. Diese Gruppen und Organisationen warnten am Freitag auf einer Pressekonferenz in Berlin davor, die Illusion zu schüren, dass mit einer deutschen Einheit die tiefgreifenden Probleme in der DDR zu lösen seien. Ein schneller Anschluss an die Bundesrepublik über eine Wirtschafts- und Währungsunion und die Angleichung an das dortige Rechtssystem würden das Ende des revolutionären Prozesses in der DDR bedeuten, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die von der Alternativen Liste Westberlins und den Grünen in der BRD unterstützt wird.
Die Unterzeichner kritisieren die wirtschaftsstrategisch unverantwortliche Position von Ministerpräsident Modrow und der Bundesregierung, "dass ein Direktanschluss an die BRD und die D-Mark als Binnenwährung bundesdeutschen Lebensstandard sichern könnten" und "rufen die Verantwortlichen in Ost und West auf, diese abenteuerliche Politik zu stoppen". Eine Wirtschafts- und Währungsunion in einer Vertragsgemeinschaft sei kurzfristig nicht machbar, ohne sofort zwei Drittel der DDR-Betriebe zu ruinieren. Wenn die Ergebnisse von 40 Jahren Arbeit in der DDR ausschließlich als "Schrott" und 2marode" bezeichnet werden, wachse die Resignation. Die realen Ängste unter den Menschen müssten abgebaut werden, sagte Reinhard Schult vom NEUEN FORUM. Das Volk der DDR dürfe sich nicht verkaufen, um noch ein Minimum an Standard überhaupt zu erhalten. Dies würde nicht nur in der DDR, sondern auch in einem vereinigten Deutschland zu einer nationalen Katastrophe führen.
Die DDR brauche Zeit und die Möglichkeit einer selbstbestimmten demokratisch kontrollierten Reform, heißt es weiter in der Erklärung.
(Bauern-Echo, Sa. 10.02.1990)