Mi. 7. Februar 1990


In der DDR wird nun auch ein nationales Forschungs- und Entwicklungsprojekt "Ökologie und Umwelt" vorbereitet, teilte Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter-Klaus Budig mit. In seine Ausarbeitung werden kompetente Vertreter der Natur-, Technik-, Geistes- und Sozialwissenschaften verschiedener Institutionen und aus der Industrie einbezogen. Damit befinden sich insgesamt 13 derartige nationale Projekte in der Entstehungsphase.
(Berliner Zeitung, Do. 08.02.1990)

Dem ehemaligen SED-Politbüromitglied Hager hat die Friedrich-Schiller-Universität Jena die Ehrendoktorwürde aberkannt. Sie war ihm 1985 von der Mathematisch-Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät verliehen worden.
(Berliner Zeitung, Mi. 07.02.1990)

Spenden an bundesdeutsche Parteien, die an Parteien oder politische Gruppierungen in der DDR zur "Vorbereitung oder Durchführung freier Wahlen" weitergeleitet werden, sind bei der Einkommenssteuer absetzbar, berichtet der "Tagesspiegel" gestern unter Berufung auf das baden-württembergische Finanzministerium. Voraussetzung sei jedoch, dass sich die Parteien oder Gruppen in der DDR "für eine freiheitlich-demokratische Grundordnung" aussprechen. Nicht steuerbegünstigt sei die Weiterleitung an Parteien, die sich "für den Fortbestand der kommunistischen Herrschaft" einsetzen.
(Berliner Zeitung, Do. 08.02.1990)

Wird Honecker nach Dänemark reisen und sich damit der irdischen Gerechtigkeit entziehen? Diese Frage bewegt seit der gestrigen Meldung über das Vorliegen eines entsprechenden Angebots viele Leser. Antwort: Das kommt nicht in Frage!

Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft erklärte gestern, seine Behörde betrachte es als unvorstellbar, als schlechterdings unmöglich, dass ein unter dem dringenden Verdacht des Hochverrats Stehender das Land verlassen könne. Honecker bleibt hier. Die laut Reisegesetz erforderlichen Gründe, ihm die Ausreise zu untersagen, liegen vor. Zudem handele es sich um reine Spekulation, um das Wunschdenken eines einzelnen Dänen. Von Erich Honecker oder seiner Familie sei ein entsprechender Wunsch nicht geäußert worden.
(Berliner Zeitung, Do. 08.02.1990)

Ein Soforthilfe-Programm für die DDR hat Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht gestern im Landtag in Hannover vorgelegt, berichtet dpa. Das Programm umfasse insgesamt 214 Millionen DM, davon 53 Millionen DM in bar. Die finanzielle Hilfe werde im wesentlichen kleinen, selbständigen Betrieben, dem humanitären Bereich, der Verbesserung der Verkehrsverbindungen im Grenzbereich und dem Umweltschutz in den Bezirken Magdeburg und Halle zugute kommen. Darüber hinaus stelle Niedersachsen für den Aufbau einer mittelständischen Wirtschaft in der DDR Bürgschaften in Höhe von insgesamt 150 Millionen DM zur Verfügung.
(Berliner Zeitung, Do. 08.02.1990)

Die der SPD nahestehende "Junge Sozialdemokraten" gründen sich in Gommern und in Leipzig.

Der Betriebsleiter der Westberliner Gebäudereinigungsfirma B+S, sagt in einem Interview mit RIAS TV zu den neuen Mitarbeitern aus der DDR: "Die Leute sind sehr willig, sehr sehr fleißig und sind einfach noch nicht so von unsern Arbeitsgegebenheiten hier so sehr beeinflusst. Von daher das für uns eigentlich ein Vorteil. Die Leute sind sehr viel arbeitseifriger."

Die Bildung eines Kabinettsausschusses "Deutsche Einheit" unter Leitung des Bundeskanzlers mit sechs Arbeitsgruppen wird in Bonn beschlossen.

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