Verband der Freidenker betont Unabhängigkeit

Berlin (ND). Der Verband der Freidenker der DDR will alles tun, um seine Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Überparteilichkeit weiter auszuprägen. Das ist das Ergebnis einer Beratung des Büros des Zentralvorstandes mit Vertretern aller Bezirksvorstände, die am Mittwoch in Berlin stattfand. Wie in einer Pressemeldung mitgeteilt wurde, soll durch eine basisdemokratische Diskussion ein neues Programm des Verbandes erarbeitet werden. Alle Mitglieder seien gleichfalls aufgerufen, Vorschläge für eine gründliche Überarbeitung der Satzung einzureichen.

Weitgehende Übereinstimmung gibt es bereits zu zwei wesentlichen Passagen. So wurde mit sofortiger Wirkung Artikel 2 der Satzung suspendiert, in dem z. B. die SED als führende Kraft des sozialistischen Staates bezeichnet wurde. Ferner werden die Mitgliedergruppen an der Basis künftig das Recht haben, Bürger ohne nachfolgende Bestätigung übergeordneter Gremien in den Verband aufzunehmen. Entsprechende Beschlüsse soll der VdF-Zentralvorstand auf seiner, nächsten Tagung, voraussichtlich im Januar 1990, fassen. Die Teilnehmer der Beratung unterzeichneten den Appell "Für unser Land", dankten den Initiatoren für ihr Engagement und rufen alle Freidenker der DDR auf, diese Unterschriftensammlung persönlich zu unterstützen.

aus: Neues Deutschland, Jahrgang 44, Ausgabe 283, 01.12.1989. Die Redaktion wurde 1956 und 1986 mit dem Karl-Marx-Orden und 1971 mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold ausgezeichnet.