DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Kommunistische Partei Deutschlands:

Bernd E(...)

Die Wahrheit haben viele erkannt oder sich um sie bemüht; sie offen zu sagen oder gar daraus die logischen nächsten Schritte abzuleiten, war unserem Volk lange verboten. Anstelle dessen suggerierte uns eine überkommene Führung illusionäre Ideen.

Basis für Demokratie, Rechtlichkeit, ökologisch orientiertes Handeln und Harmonie in den menschlichen Beziehungen ist eine funktionierende Wirtschaft. Das klingt weit hergeholt, aber wir alle werden lernen müssen, dass das Geld, der Markt der universelle Regulator all dessen ist, wofür unser Volk seit dem Herbst 1989 kämpft.

Und das Geld ist kein Importartikel, sondern entsteht unter unseren Händen und in unseren Köpfen. Deshalb unterstützt die KPD alle Maßnahmen, die die Funktionsfähigkeit des Marktes schnell herstellen, jedoch nicht die Einführung der sogenannten sozialen Marktwirtschaft, unter kapitalistischen Bedingungen. Sie ist für die KPD das sozial gefährlichste Experiment, da die materielle Basis für ein enges soziales Netz fehlt und wir nicht glauben, über Jahre Geschenke in Milliardenhöhe zu erhalten - auch nicht als BRD-Bundesland. Lebensnotwendig für unser Volk ist die baldige Teilnahme an der internationalen Arbeitsteilung, am internationalen Markt, Kreditnahme und eine konvertierbare Währung, die letztendlich einen entwickelten, weltoffenen Industriestaat repräsentieren muss.

Das sind entscheidende Voraussetzungen für die gleichberechtigte Vereinigung beider deutscher Völker im Rahmen einer europäischen Konföderation. Andernfalls geht die politische Einheit zu Lasten des Sozialen rechts und links der Elbe. Nur mit rascher Gewinnerwirtschaftung in der Großindustrie eröffnet sich der Weg zu sozialer Sicherheit und Wohlstand, Gesundheit für Mensch und Natur, Humanismus, Kultur, Gleichberechtigung und Mitbestimmungsrecht für alle.

Unsere Wahlkampfposition schätzen wir realistisch ein. Wir hoffen trotzdem, in die neue Volkskammer auch unsere Meinung einbringen zu können. Wenn wir Sozialismus anstreben, so den, den seine Theoretiker vorhersagten, und nicht wieder ein Lügengebäude. Sozialismus heißt für uns eine Leistungsgesellschaft, wie z. B. in der BRD, aber bei Verteilung des Gewinns der Produktion auf das ganze Volk, u. a. zur Unterstützung sozial Schwacher, der Rentner, zur Kindererziehung und -fürsorge und zur Förderung der Kommunen.

Die Umbruchshektik muss nüchterner Überlegung weichen. Demokratie braucht die Sach- und Fachkenntnis aller, so dass auch jeder sein Konzept an denen seiner Partner messen kann und in der Praxis ein gesellschaftliches Optimum erreicht wird.

Die KPD hofft auf Loyalität aller anderen politischen Kräfte und eine gleichberechtigte, demokratische Zusammenarbeit im Interesse des deutschen Volkes.

aus: Sächsische Zeitung, Nr. 64, 16.03.1990, 45. Jahrgang, Tageszeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur, Herausgeber: Verlag Sächsische Zeitung