Deutsche Forumpartei
(Partei Neues Forum)

Am 13.12.1989 wird in Karl-Marx-Stadt ein Gründungsaufruf einer "Partei Neues Forum" veröffentlichte. "Da die Initiative zur Parteigründung aus dem Neuen Forum hervorging wurde der Arbeitstitel 'Partei Neues Forum' gewählt, dieser soll bis zum Gründungsparteitag gelten", heißt es im Gründungsaufruf.

Ein Gründungsausschuss soll die Initiativen zur Gründung einer Deutschen Forumpartei in den Bezirken Berlin, Frankfurt (Oder), Karl-Marx-Stadt, Neubrandenburg und Suhl koordinieren. Dazu findet am 29.12.1989 ein erstes Treffen in Karl-Marx-Stadt statt.

Zur Delegiertenkonferenz des Neuen Forum am 06./07.01.1990 auf der beschlossen wird, das Neue Forum nicht in eine Partei umzuwandeln, sind die Mitglieder, die die Gründung der Forumpartei vorantreiben gleich gar nicht erschienen. Sie schicken eine Grußadresse.

Einen Tag später erklärt der Gründungsausschuss: Die Deutsche Forumpartei ist die Partei, die aus dem NEUEN FORUM hervorgegangen und den revolutionären Ideen der Bürgerbewegung verpflichtet ist. Die Deutsche Forumpartei vereint alle die Mitglieder, die erkannt haben, dass die Durchsetzung politischer Ziele langfristig nur innerhalb einer Partei möglich ist.

Ein Antrag der DFP im Januar 1990 mit Sitz und Stimme am Zentralen Runden Tisch in Berlin zugelassen zu werden wird abgelehnt. An der Gründung der Deutschen Sozialen Union am 20. Januar 1990 in Leipzig nahmen auch zwei Vertreter der Deutschen Forumpartei teil. Sie hatten aber kein Mandat zur Mitgründung und werden aus ihrer Partei ausgeschlossen.

Auf dem Gründungsparteitag in der Betriebskantine der Hauptpost in Karl-Marx-Stadt am 27.01.1990 wird Jürgen Schmieder, bis 1989 aktives Mitglied der LDPD, zum Vorsitzenden der Deutschen Forumpartei gewählt. Aufgrund eines Terminwunsches des ZDF wird der Bundesvorsitzende und der Bundesvorstand schon vor der Aussprache gewählt. Die DFP bezeichnete sich selbst als "Volkspartei der Mitte". Als Ziel wurde eine Leistungsgesellschaft mit starken sozialen Komponenten ausgegeben. Mit ihnen sollte es Mindestrenten und -löhnen geben. Die staatliche Einheit in den Nachkriegsgrenzen wurde als vorrangiges Ziel ausgegeben.

Gäste aus dem Westen waren die Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und Klaus Landowsky von der Berliner CDU.

Anfang Februar 1990 warb der damalige Bundeskanzler Kohl mehrmals um die Partei. Er wollte sie für die "Allianz für Deutschland" gewinnen. Die DFP lehnte aber ab. Als Grund wurde die Abneigung zur ehemaligen Blockpartei CDU genannt. Die DFP nimmt am 04./05.02.1990 an dem Treffen im Gästehaus der Bundesregierung in Berlin teil, in der die "Allianz für Deutschland" (CDU, DA, DSU) aus der Taufe gehoben wird.

Gegen die ehemalige Blockpartei LDPD war hingegen die Abneigung nicht so groß wie gegen die CDU. Am 11.02.1990 einigt sich die DFP mit der FDP und der LDPD auf ein Wahlbündnis zu der Volkskammerwahl am 18.03.1990 unter dem Namen "Bund Freier Demokraten" (BFD). Beim Zustandekommen half die F.D.P (West) die auch finanzielle und organisatorische Hilfe zusagte. Mit der LDP, so hieß die LDPD inzwischen, wurde eine gemeinsame Liste vereinbart. Etwa ein Fünftel der Sitze für die DFP.

Der sächsische Landesverband vermied in seinem Wahlkampf einen Hinweis auf das Wahlbündnis.

Den Wahlkampf für den Bund Freier Demokraten managte eine westdeutsche Werbeagentur.

Zwei Tage nach der Volkskammerwahl - 608 935 Stimmen, 21 Mandate - schlagen die Vorsitzender der DFP, der FDP und der LDP eine Vereinigung ihrer Parteien unter dem Namen "Freie Demokratische Partei - Die Liberalen" vor. Die Forum Partei war mit sieben Abgeordneten in die Volkskammer eingezogen. Ihr Chef, Jürgen Schmieder, wird zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt.

Eine Delegiertenkonferenz des BFD am 27.03.1990 in Berlin verließen die DFP-Vertreter. Die LDP-Delegierten gründeten dann den "Bund Freier Demokraten - Die Liberalen". Im trat die DFP nicht bei. Der Bezirksverband Chemnitz der DFP trat statutenwidrig am 26.06. dem BFD geschlossen bei.

Zu den Kommunalwahlen am 6. Mai 1990 trat die DFP aber ohne Partner an. Mit geringem Erfolg. Listenverbindungen mit anderen Parteien war erlaubt. Örtlich gab es aber Wahlbündnisse mit dem BFD. In Dresden wurde ein Wahlbündnis mit der CDU und dem Demokratischen Aufbruch eingegangen.

Auf ihrem Parteitag am 26.05. wird beschlossen, am Vereinigungsparteitag der liberalen Parteien teilzunehmen.

Am 11. August 1990 schloss sich die Deutsche Forumpartei in Hannover der Freien Demokratischen Partei an. Die DFP stellte auf dem Parteitag 45 Delegierte. Wurde im Frühjahr 1990 noch von 50 000 Mitgliedern gesprochen, schrumpfte dann die Zahl auf 5 000 im Juni, um dann im August auf 500 reduziert zu werden.

Die DFP stellte gemessen an ihrer Mitgliedszahl die meisten Delegierten. Was an der maßlosen Übertreibung ihrer Mitgliedszahlen lag. Alle Zahlen über die Anzahl der Mitglieder bei den 1989 entstandenen neuen Gruppierungen und Parteien in der DDR sind mit Vorsicht zu genießen. An der Übertreibung ihrer Mitgliederzahl war die DFP einsame Spitze.

Die an Mitgliedern kleinere F.D.P.-West stelle mehr Delegierte als die vier Ost-Parteien, DFP, F.D.P.-Ost, LDP und NDPD nach dem Motto, es muss alles demokratisch aussehen, aber wir müssen die Sache in der Hand haben. Hinzu kam noch, die DFP und die F.D.P.-DDR bekamen überproportional mehr Delegierte als die weit mehr Mitglieder zählende BFD.

Der Delegiertenschlüssel sah für den BFD 160, für die F.D.P. der DDR 55 und für die DFP 45 Delegierte vor. Zusammen 260. Für die F.D.P. der BRD 402 Delegierte.

Nicht alle Mitglieder gingen diesen Weg mit. Sie machten unter dem Namen Deutsche Forumpartei weiter. In Brandenburg wurden sie zur Landtagswahl zugelassen.

Bereits am 28.07.1990 hatte sich der sächsische Landesverband abgespalten und die die DFP Sachsen gegründet. Ziel war es, für die Landtagswahl eine "Allianz für Sachsen" zu bilden. Dem Wahlbündnis sollte der Demokratischen Aufbruch, die DFP Sachsen und die DSU angehören. Durch den sich abzeichneten Beitritt des Demokratischen Aufbruch zur CDU wurde der Plan hinfällig.

Der LDPD ihre Vergangenheit in der DDR vorzuhalten kamen sowohl von der DFP als auch von der F.D.P. der DDR. Von Teilen der F.D.P. der DDR wurde versuchte die DFP bei sich einzugliedern und den BFD hinauszudrängen.

Alle Zahlen über die Anzahl der Mitglieder bei den 1989 entstandenen neuen Gruppierungen und Parteien in der DDR sind mit Vorsicht zu genießen. An der Übertreibung ihrer Mitgliederzahl war die DFP einsame Spitze.

Die "F.D.P. - Die Liberalen" war die erste gesamtdeutsche Partei nach 1989.

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