DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Vergangenheit bewältigen und den Neuanfang wagen

Was im Umgang mit unserer Geschichte wichtig ist

Ist vom Verhältnis zu unserem Tun und Lassen in der einstigen DDR die Rede, so fallen oft die Worte "Vergangenheitsbewältigung" und "Trauerarbeit".

"Vergangenheitsbewältigung " ist ein problematischer Begriff: Er erweckt den Eindruck, gäbe einen Punkt, wo diese Vergangenheit ein für allemal abgetan, "bewältigt" sei. Das ist aber nicht der Fall. Und einen Grund, dem im Herbst '89 überwundenen Regime nachzutrauern, haben die von ihm oft genug unterdrückten Linken hierzulande ohnehin nicht.

Ihre Aufgabe ist eine andere: Sie haben sich der Frage zu stellen, wie aus Ideen, die auf die Befreiung des Menschen abzielten, ein System allgemeiner Unterdrückung werden konnte. Sind da richtige Gedanken nur in die Hände der falschen Leute geraten? Wie hat dieses System funktioniert, was waren seine wirklichen Ziele, weshalb wurde es von vielen unterstützt und von den meisten lange geduldet? Haben wir genug aufbegehrt?

Wer überwinden will, was uns aufs Neue klein zu machen versucht, auf den Ämtern, im Betrieb, in der Schule, muss die Wurzeln des missratenen "real existierenden Sozialismus" kennen, um nicht ungewollt seine Neuauflage anzustreben.

Wir sollten angesichts der deutlichen Manuel der neuen Ordnung falschen Verklärungen der Vergangenheit vorbeugen und zugleich dagegen ankämpfen, dass westliche Besserwisser im Verein mit frisch gewendeten östlichen Neu-Demokraten die Wünsche und Hoffnung vom Herbst '89 in ihrem Sinne uminterpretieren und damit Anklang finden. Denn wer auf diese Weise die eigene Geschichte verleugnet, wird es nur zum Ja-Sager bringen. Bürgerrechte, die wir zur Bewältigung unserer Zukunft brauchen, werden uns nicht geschenkt, wir müssen sie durch eigenes Engagement erringen.

E(...) W(...)
Vereinigte Linke Berlin

aus: PODIUM - die Seite der und für die BürgerInnenbewegungen, Initiativen und Minderheiten in der Berliner Zeitung, 12.12.1990