DDR 1989/90Brandenburger Tor

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AUFRUF der Potsdamer Initiative für eine "Vereinigte Linke"

Nach klassischen Begriffen sind es zwei Linksgruppierungen, die zu den Wahlen antreten werden: Die SED/PDS ist arg gebeutelt. Sie erscheint schon kleiner und schwächer als sie es wirklich ist.

Die SPD dagegen plustert sich auf, und ist noch nicht dort, wo sie sich wähnt. Sie importiert ungehemmt und ungeprüft Ideen. Als letzten Schluss politischer Weisheit tischt sie uns Konzepte auf, die von ihrer Mutterpartei über Jahre gegen kapitalistischen Wildwuchs und gegen ein kirchlich-bürgerlichen Mitte-Rechts-Lager entwickelt wurden. Damit sollen nun aber die Restposten aus dem missratenen Versuch, den Sozialismus hinter sicheren Mauern aufzubauen, in die Wirtschaft der Bundesrepublik überführt werden. Ob dabei die DDR gleich mit in die NATO eingegliedert wird, und wir damit zur Manövermasse gegen die Sowjetunion werden, scheint nicht mal eine Erklärung wert. - Oder hat dazu die West-SPD nur noch keine Position bezogen?

Bei allem will man uns weismachen, es sei kein Experiment, auf holprigem DDR-Gelände das westdeutsche Wirtschaftssystem zum Laufen zu bringen. Wenn, dann wird es dort, wo es überhaupt profitabel werden könnte, über uns hinwegrollen, weil nicht wir, sondern andere es lenken. Für den weit größeren, unprofitablen Teil unserer Wirtschaft werden sich kaum westliche Interessenten finden lassen.

Soziale Leistungen sind im Westen noch nie verschenkt worden, sie mussten schrittweise erkämpft werden. Hoffen womöglich viele von uns, die neuen Herren unseres Landes werden zuerst einmal soziale Sicherheit für uns stiften?

Wir brauchen eine neue politische Kraft im Land, die sich allein den Interessen der Werktätigen, der Alten und der sozial Schwachen verbunden fühlt.

Die SED hat ihre historische Mission nicht erfüllt. Eine PDS wird noch lange an den Altlasten tragen und um ein neues Selbstverständnis ringen müssen.

Die Initiative für eine "Vereinigte Linke" im Bezirk Potsdam ruft - unabhängig von der Parteizugehörigkeit - alle auf, die für ihre Zukunft mehr tun möchten als abzuwarten, sich in die Interessenliste für eine "Vereinigte Linke" einzutragen:


(A) persönlich - werktags ab 17 Uhr im Büro der "Vereinigten Linken" in der O.-Nuschke-Str. 53, Potsdam; 1560;

(B) - schriftlich - über die genannte Anschrift;

(C) telefonisch - ab 17 Uhr über (...).

aus: Märkische Volksstimme, Nr. 30, 05.02.1990, 45. Jahrgang, Unabhängige Tageszeitung im Bezirk Potsdam, Herausgeber: Verlag Märkische Volksstimme