DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Lebensmittel aus dem hungernden Äthiopien für Schulden an den IWF

Währungsfonds hat "Erfahrungen" mit dem Elend der Welt

Es nehmen also die nicht autorisierten Wirtschaftsfunktionäre Beziehungen mit dem Internationalen Währungsfonds auf, zunächst, um seinen großen Erfahrungsschatz zu nutzen, - behaupten sie jedenfalls. Was hat es auf sich mit diesem 'großen Erfahrungsschatz'?

Der IWF, gegründet während des zweiten Weltkrieges, um die Vormachtstellung der Industrienationen gegenüber den sich befreienden Kolonialländern zu sichern, heute seinerseits auf die Erfahrungen, die Nazideutschland bei der wirtschaftlichen Ausplünderung vor allem Osteuropas gesammelt hatte und entwickelte sie weiter.

Bevor ein Staat "Wirtschaftshilfe" vom IWF in Form von Krediten bekommt, hat er dessen Bedingungen anzuerkennen. Das bedeutet, dass Wirtschaftsexperten des IWF die ökonomische Situation des antragstellenden Landes untersuchen und z. B. die Schließung unrentabler Produktionsstätten verfügen.

Hinzu kommt die Auflage, dass der Markt der entsprechenden Länder mit Fertigprodukten aus den Industrieländern überschwemmt werden kann. Meist ist es den 'geholfenen' Ländern nicht möglich, diese Importe sowie die Kredite samt Zinsen zurückzuzahlen. Genau diese Situation haben wir jetzt in Polen und Ungarn. Da gibt es haufenweise Autos, Coca Cola, Videos usw., doch was man zum Leben braucht, Essen, Wohnung oder Medikamente, wird immer unerschwinglicher.

Also wird man sich neu verschulden, staatliche Subventionen streichen, nur um irgendwie bezahlen zu können. Brasilien bezahlt mit Edelhölzern des Regenwaldes, Äthiopien mit Lebensmitteln ...!

Durch ökonomische Erpressung ist es ein leichtes, die Politik der Schuldnerländer zu bestimmen. Als das Junta-Chile 1987 einen 40-Mio-Kredit beantragte, was machte da das sozialistische Ungarn? Es enthielt sich der Stimme, natürlich, denn man will es sich doch mit seinen Geldgebern nicht verscherzen. Das Blutbad im IWF-Mitglied China ist vergessen - 10 000 Tote?, lächerlich. Täglich sterben 10 000 Menschen an Unterernährung, ohne dass ein Hahn nach ihnen kräht.

Trotz Abrüstung und Entspannung, trotz Glasnost und Runder Tisch, die Herren der Welt sind das internationale Finanzkapital, dessen strahlende Chefetage Westeuropa so viele Menschen in der DDR verblendet. Also, lieber Bürger, wenn du hoffst, zu denen zu gehören, die es schaffen werden, mit Mercedes, Kaiser's Kaffee und McDonalds - guten Appetit. Auf deinen Mund starren eine Milliarde (1 000 000 000) hungernde Menschen.

D. M.
Vereinigte Linke

aus: Podium der Berliner Zeitung, Jahrgang 46, Ausgabe 29, 03.02.1990