DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Für Freiheit der Medien

Aus einer Erklärung der Film- und Fernsehschaffenden

In einer neunstündigen, leidenschaftlichen und kontroversen Debatte beschäftigte sich der Vorstand des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden mit der aktuellen politischen, insbesondere medienpolitischen Situation und fasste, wie es in einem Kommuniqué heißt, u.a. Beschlüsse zu folgenden Gegenständen:

"Die Dynamik der gegenwärtigen gesellschaftlichen Prozesse und die unumgänglichen Veränderungen in der Medienpolitik unserer Gesellschaft machen es notwendig, einen außerordentlichen Kongress einzuberufen.

Die Gleichsetzung der Interessen von Staat und Gesellschaft und von Partei und Gesellschaft in der Informations- und Medienpolitik hat entscheidend zur gegenwärtigen Vertrauenskrise geführt. Deshalb sind rechtliche Grundlagen, die von einer Trennung der Interessen ausgehen, zu erarbeiten. Sie sollen die Freiheit der Medien und die politische Unantastbarkeit der in ihnen Arbeitenden sichern, die Verantwortlichkeit eines jeden für sein Produkt herstellen sowie Instrumente einer Kontrolle über die Medien schaffen.

Das Fernsehen der DDR und alle Medien werden aufgefordert, einen direkten und offenen Dialog mit allen gesprächsbereiten, auch informellen Gruppen, die auf dem Boden der Verfassung der DDR stehen, zu führen. Das Fernsehen der DDR wird darüber hinaus aufgefordert, seine Kanäle ab sofort für die Dokumentarfilme der nationalen und internationalen Produktion zu öffnen und dafür ständige Sendeplätze einzurichten.

Das Fernsehen der DDR wird aufgefordert, ab sofort seine Einschaltquoten zu veröffentlichen.

Der Verband fordert die Bildung eines Instituts für Meinungs-, Wirkungs-, Zuschauer- und Medienforschung und die laufende Veröffentlichung seiner Arbeitsergebnisse.

Der Vorstand beschließt die Bildung einer Arbeitsgruppe aus Mitgliedern aller Sektionen, die alle noch nicht aufgeführten Filme und Fernsehwerke aller Gattungen und Genres unserer nationalen Produktion daraufhin prüft, welche, von ihnen in die Kinos und auf den Bildschirm gelangen sollten.

Dem Fernsehen der DDR wird empfohlen, baldmöglichst eine Konferenz einzuberufen. Sie soll die gesellschaftliche Funktion des Mediums unter den neuen Bedingungen definieren.

Der Vorstand beschloss die Wiederbelebung eines internationalen Dokumentarfilmsymposiums in der DDR."

aus: Neue Zeit, Jahrgang 45, Ausgabe 258, 02.11.1989, Zentralorgan der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands