DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Vorschlag zur Gründung eines Devisenhilfsfonds

Aufruf des Schauspielers Ezard Haußmann

Der Schauspieler Unionsfreund Ezard Haußmann, des Ensembles der Berliner Volksbühne, hat unserer Redaktion einen Aufruf zur Gründung eines Devisenhilfsfonds übergeben, mit dem er sich an Künstler aller Disziplinen wendet. "Wenn es um tätige Hilfe geht, sollten wir Christen vorangehen", erläuterte der Künstler seine von humanitärem Impuls bestimmte Aktion. Der Appell lautet:

Aufruf zur Gründung eines Devisenhilfsfonds für Bürger, die in dringenden Familienangelegenheiten - Pflege, Erkrankung oder Tod eines Angehörigen - in die BRD oder ins westliche Ausland reisen müssen.

Als christlicher Künstler, der an den revolutionären Veränderungen in unserem Land mit tätiger Hilfe beteiligt sein möchte, wende ich mich mit dem folgendem Aufruf an alle die Künstler der DDR, die, wie ich, seit Jahren das Privileg besitzen, gegen harte Devisen im westlichen Ausland arbeiten zu können.

Ich schlage vor, einen Fonds zu gründen, aus dem Bürger unseres Landes unbürokratisch. schnell und ohne den deutschen Hang zur akribischen Untersuchung eines Notfalles Devisen erhalten, um in dringenden Familienangelegenheiten in die Bundesrepublik oder in andere westliche Länder fahren zu können.

Ich eröffne diesen Fonds mit 10 000 DM.

Außerdem schlage ich vor, dass wir einen Teil der Devisen, die wir als Provision und Pflichttransfer an die Künstler-Agentur der DDR abfuhren müssen, diesem Fonds zufuhren können.

Künstler aller Sparten: Schauspieler, Sänger, Musiker, Schriftsteller und Dichter, Maler und Bildhauer, ich bitte Sie alle, beteiligen Sie sich an meinem Vorschlag! Damit wir mit Hölderlin sagen können: 'Wir, so gut es gelang, haben das Unsere getan.'

Natürlich ist mir klar, dass dieses Vorhaben finanzrechtlich abgesichert und genehmigt werden muss. Ich appelliere daher an Frau Uta Nickel, Minister für Finanzen und Preise, alle dafür nötigen Schritte zu unternehmen, damit betroffenen Bürgern schnell geholfen werden kann.

Sobald das Ministerium für Finanzen und Preise sich dazu geäußert hat, folgen nähere Informationen über Art und Durchführung dieser Spendenaktion, für die ich nochmals dringend um Unterstützung bitte. Es eilt!

Berlin, November 1989.

aus: Neue Zeit, Jahrgang 45, Ausgabe 277, 24.11.1989, Zentralorgan der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands