DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Keine Gewalt - am Anfang ging's doch auch

Am Anfang der gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR stand Gewaltlosigkeit; besonders eindrücklich in Leipzig am 9.10.89 durch den Aufruf zur Gewaltlosigkeit der bei den Friedensandachten in den Kirchen verlesen wurde, und durch die Verhinderung des Einsatzes staatlicher Gewalt durch wenige mutige Männer um Kurt Masur. Aber auch an anderen Orten prägte der Aufruf zur Gewaltlosigkeit große Veranstaltungen. Inzwischen hat sich der Umgang der Menschen in unserem Land miteinander verändert. Bis heute wurde wenig Gewalt angewendet; noch gibt es keine Toten. Aber die Menschen werden aggressiver. Gewaltdrohungen nehmen beunruhigend zu. Auch in Zukunft kann die Veränderung in unserem Land in positivem Sinn nur weitergehen, wenn weiter gilt: Keine Gewalt! Darum ruft der Friedenskreis der Evangelischen Kirchengemeinde am Fennpfuhl in Berlin-Lichtenberg auf, durch viele verschiedene Aktionen und Veröffentlichungen Gewaltlosigkeit weiter zu pflegen und so eine Kultur der Gewaltlosigkeit zu entwickeln. Wer auf diesen Aufruf reagiert und etwas dazu tut, kann uns das mitteilen, damit an einer Stelle Aktionen, Vorschläge und Veröffentlichungen gesammelt werden. Wichtiger aber ist, dass etwas in Bewegung kommt und es für viele Bürger unseres Landes zu einer selbstverständlichen Reaktion wird: Keine Gewalt - gewaltlos handeln.

Friedenskreis der Evangelischen Kirchengemeinde am Fennpfuhl, Paul-Junius-Str. 75, Berlin, 1156

aus: Neues Deutschland, 45. Jahrgang, Ausgabe 89, 17.04.1990. Die Redaktion wurde 1956 und 1986 mit dem Karl-Marx-Orden und 1971 mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold ausgezeichnet.