DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Sind die neuen demokratischen Kräfte zersplittert?

(Gemeinsame Erklärung)

Durch die Medien geht das Wort von der Zersplitterung der demokratischen Kräfte. Ist das wirklich so?

Wahr ist: wir streiten!

Wie streiten wir? Demokratisch, das heißt öffentlich!

Das ist etwas Neues in diesem Land, um den richtigen Weg zu finden. Wir sind stolz darauf, es nach vierzig Jahren Entmündigung noch zu können!

Genau wie zu unserem Aufbruch im Herbst 1989, einen uns auch heute gemeinsame Ziele:

- Beendigung der Alleinherrschaft der SED mit der Absicht, sie in die Opposition zu schicken

- grundsätzliche Umgestaltung der Wirtschaft von Planwirtschaft zu ökologisch orientierter sozialer Marktwirtschaft

- Schluss mit der Diktatur, statt dessen parlamentarische Demokratie

- wir stehen dem Prozess der deutschen und europäischen Einigung positiv gegenüber.

Durch die Medien geht das Wort der fehlenden Sachkompetenz der neuen demokratischen Kräfte. Ist das wirklich so?

Die bisherige Voraussetzung für leitende Funktionen war das Parteibuch der SED. Drängte das nicht viele vorzügliche Fachleute in den Hintergrund? Jeder sehe sich in seinem persönlichen Bereich um! Genau solche Leute finden sich bei uns.

Durch die Medien geht das Wort von der Erneuerung der SED-"PDS". Ist das wirklich so?

Um des Machterhalts willen übernimmt diese Partei unsere Begriffe und Forderungen, ohne sie tatsächlich zu vertreten!

Verlasst euch auf uns!

Im demokratischen Meinungsstreit werden wir unsere gemeinsamen Ziele verwirklichen - ohne "Befehl von oben"!

Thomas Rudolph, Sprecher der Initiative Frieden und Menschenrechte
Andreas Schurig, Geschäftsführer der SPD-Leipzig
Erika Bächer, Vorsitzende des Demokratischen Aufbruchs - Leipzig
Michael Arnold, Sprecher Neues Forum Leipzig
Steffen, Warzecha, Grüne Partei

aus: Leipziger Volkszeitung, Nr. 17, 20./21.01.1990, 45.(96.) Jahrgang, Organ für die Interessen des werktätigen Volkes, Herausgeber: Bezirksleitung Leipzig der SED-PDS