DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Wie geht's im Wohngebiet weiter?

Aufruf zur Bildung eines demokratischen Bürgerforums im Suhler Wohnbezirk 25 / Standpunkt des bisherigen WBA

Die heute Zeit des revolutionären Umbruchs fordert zwingend, die Arbeit des Wohnbezirksauschusses der Nationalen Front in unserem Wohnbezirk einer kritischen Wertung zu unterziehen und die Frage zu beantworten: Wie arbeiten wir im Wohngebiet weiter? Grundlage unserer Arbeit im Wohnbezirk war und ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit vielen Bürgern. Wir pflegen den gemeinsamen Dialog und arbeiten gemeinsam - und das zum Wohle aller - an der weiteren Verbesserung unserer Wohnumwelt, der Wohn- und Lebensbedingungen und des gesellschaftlichen Lebens. In der machtvollen Bewegung für dauerhafte Veränderungen hin zu einem erneuerten und demokratischen Sozialismus sehen wir auch die Bereitschaftserklärung, in der praktischen Arbeit an Veränderungen mitzutun und selbst Verantwortung zu übernehmen. Wir erwarten natürlich auch, dass diese Bereitschaft ernst gemeint ist, dass sich Initiativgruppen und Bürgerbewegungen aktiv in unserem Wohnbezirk engagieren. Wir würden sie sehr gern als gleichberechtigte Partner und Mitstreiter sehen! Gemeinsam wollen wir im Sinne des Aufrufes "Für unser Land" wirken.

Deshalb schlagen wir allen Bürgern, Bewegungen, Organisationen und Parteien vor, dass wir uns im gemeinsamen Interesse als demokratisches Bürgerforum formieren. Dazu wollen wir am Dienstag, dem 9. Januar 1990, 19.00 Uhr, in der 11. OS "A. S. Schumawzow" eine öffentliche Sitzung zur Konstituierung des Bürgerforums durchführen und dann die Erarbeitung eines Programms auf die Tagesordnung stellen, welches sich nur an den Bürgerinteressen orientiert. Alle Bürger unseres Wohnbezirkes rufen wir auf, sich mit Hinweisen und Vorschlägen zur künftigen Arbeit an uns zu wenden. Und hier die Anschrift: Interessengemeinschaft zur Bildung eines demokratischen Bürgerforums im Wohnbezirk 25, W(...) B(...), (...ring 4) Suhl, 6018.

Wir sind uns einig darin, dass in unserem Wohnbezirk auf einem soliden Fundament gesellschaftlicher Aktivität aufgebaut werden kann und weiterhin die Bereitschaft zum Mittun besteht. Auf diesem Wege möchte der WBA 25, der nunmehr seine Arbeit einstellen wird, allen Bürgern, die Anteil an den guten Ergebnissen haben, für Ihre teilweise langjährige Aktivität danken. Wir hoffen, dass sie das neue demokratische Bürgerforum als Ihre Interessenvertretung aktiv bei der Arbeit unterstützen.

Erklären möchten wir an dieser Stelle auch, dass der größte Teil unserer Aktivitäten im Wohnbezirk durch Genossen getragen wurde. Sie standen und stehen im Wohnbezirk an der Spitze, das kann keiner zerreden!

Wir fordern den Rat der Stadt auf, solche Strukturen zu schaffen, die das direkte Wirken von hauptamtlichen Mitarbeitern des Rates mit Kompetenz und Sachkenntnis in den Wohngebieten ermöglichen. Wir wollen dem örtlichen Rat Partner, aber nicht sein "Erfüllungsgehilfe" sein. Alle ehemaligen Wohnbezirksausschüsse, Kommissionen und Aktivs rufen wir auf, unter Einbeziehung aller Bürger eine Arbeit in den Wohngebieten zu gestalten, die an den Bürgerinteressen orientiert ist und das ökonomisch Vertretbare auf die Tagesordnung stellt.

aus: Freies Wort, Nr. 293, 12.12.1989, 38. Jahrgang, die Tageszeitung der SED für den Bezirk Suhl