DDR 1989/90Brandenburger Tor

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SDP sozialdemokratische Partei in der DDR

Was wollen wir? Worauf kommt es an?

Der real existierende Sozialismus ist gescheitert! Bleibt als Alternative nur der Kapitalismus, und für uns als Deutsche in der DDR nur die schnelle Wiedervereinigung in Form einer Angliederung an die BRD?

Wir sagen - nein!

Die Sozialdemokraten der DDR streben eine europäische Friedensordnung an, in der eine deutsche Konföderation ihren stabilisierenden Platz findet. Es liegt in unser aller Verantwortung, nie wieder egoistisch-nationalistisch zu denken und zu handeln.

Die Entscheidung für unser Land fällt uns mit dem Gelingen der Umstrukturierung unserer Wirtschaftsordnung. Wir suchen nach dem 3. Weg! Wir wissen, es muss eine Marktwirtschaft sein, denn sie ist so alt wie die Zivilisation und hat sich stets neuen Bedingungen angepasst.

Aber es muss auch in Zukunft soziale Gerechtigkeit gewährleistet sein. Weiter ist es unabdingbar für das Überleben der Menschheit nötig, die Priorität der ökologischen Verträglichkeit zu beachten. Die Realisierung einer solchen ökologisch-sozialen Marktwirtschaft muss mit einem Umdenken einhergehen. Unsere Erziehung zum egoistischen Konsumdenken weist uns den falschen Weg. Der sozialdemokratische Weg beginnt mit dem Bewusstseinswandel zu einer Lebensqualität und -erfüllung in geistig-kulturellen und solidarischen Werten, also weit über das rein persönlich Materielle hinaus.

Um überhaupt neue Wege in der Wirtschaft gehen zu können, brauchen wir Kapital aus dem Westen. So paradox es klingt, aber ohne Hilfe aus dem Westen kommt unsere Wirtschaft nicht auf die Beine. Nur wie müssen wir schon selbst wissen. Jeder muss sich einbringen, ganz gleich an welcher Stelle in der Wirtschaft und Gesellschaft und ganz klar entscheiden und bekennen - Was ist gut? - Was wollen wir? - Was wollen wir nicht? Alle Ängste müssen überwunden, alle Demütigungen vergessen sein- wir brauchen hier und heute den persönlichen Mut und Einsatz; die Entscheidung für den guten Neuanfang des Morgen.

Nur so erlernen wir die Demokratie!

Und wir müssen schnell lernen, sonst stolpern wir von einer Diktatur in die nächste Unterjochung. Die Demokratie bedarf der Rechtsstaatlichkeit. Unsere Gerichte haben sich durch die Totalität der SED zu einem Helfershelfer des Machtmissbrauchs entwickelt. Wir brauchen Rechtswege, die die Demokratisierung ermöglichen und die Menschen- und Bürgerrechte garantieren.

Doch was nützen uns die besten Theorien, wenn nicht ehrliche Menschen sie mit Leben erfüllen. Es gibt viel zu tun - auch in Staßfurt, auch in diesem Betrieb - packen wir es an!

Dagmar Heinrich,
2. Sprecher
SDP Staßfurt

aus: Aktueller Bildschirm, Nr. 24, 19. Dezember 1989, 36. Jahrgang, Betriebszeitung des VEB Fernsehgerätewerke "Friedrich Engels" Straßfurt