DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Zwei Meldungen in drei Tagen

Leipzig (ADN). Der SPD-Verband Leipzig übermittelte dem ADN am Freitagabend (19. 1.) folgende Mitteilung:

Pressemittellungen der vergangenen Tage lassen eine unmittelbar bevorstehende Selbstauflösung der SED-PDS erwarten. Ehemalige Mitglieder der SED sind zum Teil seit der Gründungszeit im Oktober 89 in der SPD zu finden und haben durch ihren Einsatz ihre sozialdemokratische Gesinnung bewiesen. Dies ist von SED-Mitgliedern, die erst jetzt aus der im Verfall befindlichen Partei austreten und bei uns um Aufnahme bitten, nicht zu erwarten. Im Gegenteil, eine Unterwanderung mit SED-Gedankengut scheint geplant. Deshalb fordern wir alle SED-PDS-Mitglieder auf, die nach dem 1.1.90 ihre Partei verlassen haben, für mindestens ein Jahr keine Anträge auf Mitgliedschaft in der SPD zu stellen. Die Orts- und Kreisverbände der SPD bitten wir, diesen Personenkreis bis zur endgültigen Klärung auf dem DDR-weiten Landesparteitag nicht aufzunehmen.

Berlin (ADN). Der Leiter der Pressestelle der SPD, Olaf R. Spittel, übergab ADN am Sonntag (21.1.) folgende Erklärung zum Beschluss der SED-PDS, sich nicht selbst auflösen zu wollen, in der es unter anderem heisst:

"Wir fragen die PDS, ob sie es im Interesse unseres Landes noch länger verantworten kann, das Schicksal wichtiger und kompetenter Persönlichkeiten weiterhin am das Schicksal einer untergehenden Partei zu fesseln.

Dieses Land kann es sich nach Auffassung der SPD nicht leisten, aus falsch verstandener Parteiräson und Pflichtgefühl einer falschen Sache gegenüber, auf die Mitarbeit vieler Persönlichkeiten zu verzichten, deren fachliches Wissen auf allen Gebieten der Gestaltung dieser Gesellschaft heute mehr denn je gebraucht wird.

Die SPD will ihrem Wahlkampf nicht gegen Personen, sondern gegen Parteien und Ideologien führen. Wir setzen unsere Hoffnung in die Fähigkeit des Menschen zu lernen und vertrauen auf das Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen."

aus: Leipziger Volkszeitung, Nr. 19, 23.01.1990, 45.(96.) Jahrgang, Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes