Runde Tische

Neben dem Zentralen Runden Tisch in Berlin gab es noch eine Vielzahl von territorialen, örtlichen, betrieblichen und thematischen Runden Tischen. Runde Tische initiierten teilweise wiederum neue Runde Tische. Der Runde Tisch in Güstrow richtete einen "Gesundheitstisch" und einen Runden Tisch für Bildung ein. Auch die bezirklichen Runden Tische in Erfurt, Frankfurt und Halle richteten Runden Tische ein, die sich mit Bildungsfragen befassten.

Die Initiative zur Bildung von Runden Tischen ging u.a. von Gesprächskreisen, Neuen Gruppierungen, Kirchenvertreter, sich gebildete Sicherheitspartnerschaften, SED und Altparteien aus. Hinter dem Gerangel, wer den nun bei der Bildung der Runden Tische die Nase vorn hat, stand auch der Versuch, die inhaltliche Ausrichtung vorzugeben.

In Potsdam fand bereits am 16. Oktober 1989 ein Art "Runder Tisch" mit Vertretern vom Neuen Forum, SED, der Kirche und der örtlichen Staatsmacht statt. Am 06.11.1989 wurde bereits in Güstrow ein Runder Tisch eingerichtet und in Freiberg am 21.11. Zwischen dem Christlichen Friedensseminar Königswalde und der SED-Kreisleitung wurde am 20.11. Gespräche am Runden Tisch vereinbart. Vereinbarungen über die Bildung von Runden Tische gab es danach an vielen Orten. Kingenthal 22.11, Hohenstein-Ernstthal 23.11., Lengenfeld 24.11., Kreis Schwarzenberg 28.11., Meißen 30.11., Görlitz 02.12., Halberstadt 04.12., Dessau 05.12., Guben 06.12.

Selbst in Bautzen bildete sich ein Runder Tisch Bautzen I.

Jugendorganisationen trafen sich am 29.11.1989 in Berlin. Eingeladen hatte der 1. Sekretär des FDJ-Zentralrates. Im Februar 1990 besetzte der Runde Tisch der Jugend das Haus des ehemaligen FDJ-Zentralrates in Berlin.

Der Frauenpolitischen Runde Tisch - angestoßen vom UFV - tagte erst Anfang 1990 zum ersten Mal. Spätzünder waren auch die Grünen Tische.

Der Runde Tisch des Sports trafen sich am 04.01.1990. Einigkeit herrschte darüber, dass es keinen Alleinvertretungsanspruch des DTSB geben darf. "Sport als Recht eines jeden und freie Entfaltung aller Begabungen". "Sport, der keinen ausgrenzt!" Das konnten alle unterschreiben. Vom Neuen Forum Leipzig lag bereits an Schriftstück vor. Debattiert wurde über ein mögliches Sportgesetz.

Bereits am 20.12.1989 wurde ein Runder Tisch der Sorben in Bautzen eingerichtet. Er war als Übergang bis zum Außerordentlichen Kongress der DOMOWINA gedacht.

Außerdem bildeten sich 1990 gemischten Fachkommissionen zwischen BRD-Ländern und den zukünftigen Ländern in der DDR, z.B. Baden-Württemberg und Sachsen. Die Niedersächsische Landesregierung richtete Kontaktbüro in Halle, Leipzig und Magdeburg ein.

Schon vor den Runden Tischen, aber auch danach, bildeten sich Untersuchungsausschüsse. Zunächst zur Untersuchung der Übergriffe staatlicher Organe auf die Demonstranten. Danach z.B. zur Untersuchung von Amtsmissbrauch und Korruption.

Am 21.12.1989 beschloss die Regierung Maßnahmen zur Unterstützung der Runden Tische, u.a. Bereitstellung von Räumen, Freistellung von der beruflichen Tätigkeit und Finanzierung von Aufwendungen.

Die Kompetenzen der Runden Tische waren unterschiedlich und meist nicht sehr weit reichend. Es gelang aber manchen Runden Tischen ihren Einfluss im Laufe der Zeit auszubauen. Neben den örtlichen Themen ging es übergreifend um die anstehende Wahl, die Überprüfung der Kandidaten auf eine Zusammenarbeit mit der Stasi, die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit, Zugang zu den Medien und der Bildung.

Die SED verband mit den Gesprächsrunden und Runden Tischen die Hoffnung auf ein Ende der Demonstrationen und die Einbindung der Protestierenden in die staatlichen Strukturen. Außerdem versuchte die SED Gegendemos zu initiieren. Die entweder nur geringe Resonanz hatten, ganz ausfielen oder wie z.B. in Magdeburg die Kundgebung auf dem Domplatz von den Teilnehmern übernommen wurde. Später hieß es oft, die SED sei sprachlos gewesen. Ihre Stimme war aber nun nur noch eine unter vielen. Zudem wollten viel sie nicht mehr hören oder interessierten sich nicht mehr für deren Ausführungen. Hinzu kam noch, die SED-Herrschaft hatte einen Typus von Funktionären hervorgebracht, die den neuen Anforderungen nicht gewachsen waren.

Die Regierung Modrow betonte, dass die Handlungsfähigkeit der örtlichen Räte nicht durch Runde Tische eingeschränkt werden dürfe. Das Kooptieren neuer politischer Kräfte wurde als gesetzeswidrig abgelehnt. Die Verantwortung liege weiterhin bei den Räten. Die Bezirkstage sollten bis zu den Wahlen funktionsfähig gehalten werden. Durch die rasche Abnahme der Handlungsfähigkeit der "Volksvertreter" sah sich die Regierung im Januar 1990 gezwungen Vertreter von Parteien und Gruppierungen des Runden Tisches in die Parlamente zu kooptieren.

Modrow verpasste die Möglichkeit bei seine Regierungsbildung von Anfang an die Opposition mit zu beteiligen. Was den Verzicht auf wichtige Ministerposten für SED und die übrigen Partei des Demokratischen Blocks bedeutet hätte. Eine solche Regierung hätte gegenüber der DDR-Bevölkerung ein deutliches Signal auf Veränderung setzen können. Auch gegenüber der Bundesregierung wäre ein anderes Auftreten möglich gewesen.

Bei den meisten Teilnehmern an Runden Tischen handelte es sich um Politamateure ohne Verwaltungserfahrung. Auch fehlte oftmals die Sachkunde. Hinzu kam, die Vertreter an den Runden Tischen wechselten recht häufig. Ihnen gegenüber standen Leute mit langjähriger Politik- und Verwaltungserfahrung.

Nach der Volkskammerwahl am 18.03.1990 beanspruchten die siegreichen Parteien Sitze in den Runden Tischen entsprechend ihrem Stimmanteil bei der Wahl. Was von den unterlegenen Parteien und Organisationen aber abgelehnt wurde.

Als sich die Länderbildung immer mehr abzeichnete, versuchten auch die Runden Tische darauf Einfluss zu nehmen. Sie wurden aber meist ausgebremst. Die Runden Tische der Bezirke, die ein Land bilden sollten versuchten eine Zusammenarbeit. Über einen Koordinierungsausschuss wurde versucht bei der Länderbildung mitzureden. Zu einer Länderbildung über die Bezirksgrenzen hinaus kam es nicht.

Im Bezirk Suhl bringt die CDU die Arbeit des Runden Tisches zum Erliegen. An anderen Runden Tischen schmeißen die Vertreter der Wahlsieger die Brocken hin. Vorreiter war die CDU. Die SPD schloss sich an. Der Thüringer CDU-Landesvorstand schlug der Regierung de Maizière im April vor, die Bezirkstage und Runden Tische aufzulösen. Nach der Volkskammerwahl zeigte sich immer deutlicher, dass die Luft aus den meisten Runden Tischen raus war.

Am 2. Mai 1990 erklärt die de Maizière Regierung die Beschlüsse der bezirklichen Runden Tische als nicht mehr verbindlich anzusehen. Der Einfluss der Runden Tische auf die bevorstehende Länderbildung wurde so ausgeschaltet. Auch die sich gebildete gemeinsame Kommissionen wurde ein Einfluss durch die Ernennung von Regierungsbevollmächtigte für jeden Bezirk am 6. Juni darauf abgeschnitten.

Damit trieb die Regierung de Maizière den Zentralismus in der DDR auf die Spitze. Da in der Regel nur die Vorsitzende der Räte durch den Regierungsbevollmächtigten ausgetauscht wurde, kommt es zu Protesten von den Bürgerbewegten und Mitgliedern von Runden Tischen. Die Bürgerbewegten waren zu schwach, um die Runden Tische wenigstens noch bis zur Länderbildung aufrechterhalten zu können.

Berlin

Der Runde Tisch der Stadt Berlin (RTB) tagte ab dem 14.12.1989. Bereits am 04.12.1989 hatte Berlins Oberbürgermeister Erhard Krack ins Rote Rathaus eingeladen. Anwesend waren der Demokratische Aufbruch, Demokratie Jetzt, die Grüne Liga, die Initiativgruppe Frieden und Menschenrechte, das Neue Forum, die Sozialdemokratische Partei in der DDR und die Vereinigte Linke. Die Blockparteien beklagten sich, da sie nicht eingeladen wurden. Allerdings wohnten auch weitere Stadträte dem Treffen bei. Mit dem Stellvertreter des Oberbürgermeisters auch ein Unionfreund.

Auf dem Treffen wurde die Legitimation der jetzigen Volksvertretungen in Frage gestellt.

Beim RTB bildete sich eine paritätisch besetzte Arbeitsgruppe Sicherheit. Sie gab am 25.01.1990 einen Bericht ab. Der Runde Tisch beschloss in mehreren Anträgen, dass die Verfügungsgewalt über konspirative Wohnungen, Häuser und Grundstücke der Stasi beziehungsweise der Politbürokratie bei den kommunalen Behörden liegen soll, eine Vergabe darf nur in Übereinstimmung mit den Runden Tischen der Stadtbezirke erfolgen.

Ibrahim Böhme von der SDP kritisierte, Ökonomen, die noch vor einem halben Jahr die Stabilität unserer Wirtschaft hergebetet hätten, würden jetzt Horrorgemälde an die Wand projizieren und die Menschen noch mehr verunsichern.

Es wurde gefordert, die Berliner Zeitung, ursprünglich ein Organ des Berliner Magistrats, müsse allen Parteien und Gruppierungen zugänglich gemacht werden. Eine Einflussnahme der SED-Bezirksleitung auf die Zeitung sei zu unterlassen.

Die Einladung zum Runden Tisch des Bezirkes Berlin erfolgte aber von der evangelischen und katholischen Kirche. Die erste Sitzung fand dann auch im Bischöflichen Bildungsheim in Berlin-Prenzlauer Berg statt.

Spätere Sitzungen des Runden Tisches fanden im Roten Rathaus, im Grünen Saal, heute Louise-Schroeder-Saal, statt. Der Runde Tisch verfügte im Roten Rathaus über ein Büro mit Büroleiter. Eine Stadträtin übernahm die organisatorischen und technischen Aufgaben des Runden Tisches. Die Sitzungen wurden im Rundfunk übertragen. Der Runde Tisch gab auch eine Zeitung heraus.

Die neuen Gruppierungen sollten in der Stadtverordnetenversammlung Rederecht erhalten. Allerdings wurde dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung die Legitimation abgesprochen. In einem von einer Kommission erarbeiteten Papier zum Selbstverständnis wurde in der dritten Sitzung die Verbindlichkeit von Beschlüssen auf den Magistrat ausgedehnt. Bei Nichtbefolgung ist sofort die Stadtverordnetenversammlung einzuberufen. Vertreter des Runden Tisches können beratend an den Beratungen der Stadtverordnetenversammlung teilnehmen. Der Geschäftsführer des Runden Tisches nahm an den Sitzungen des Magistrats teil.

Der Runde Tisch beschloss einstimmig, eine Arbeitsgruppe zu bilden, in der auch Interessierte mitarbeiten können.

Wie bei anderen Runden Tischen war auch beim Berliner Runden Tisch das Ministerium für Staatssicherheit ein wichtiges Thema. Die operative Arbeitsgruppe stellte am 22.01.1990 einen Antrag nach vollständiger Auflistung

- der Objekte des MfS auf dem Territorium von Berlin

- aller Kommunikationsmittel

- der Telefonüberwachungsanlagen und ihres Funktionszustandes

- aller Rechenzentren

- aller verwanzten Räume (z.B. in Privatwohnungen, öffentlichen Einrichtungen, Hotels)

In einer Erklärung Anfang Januar 1990 wandten sich die Teilnehmer gegen Antisemitismus, Neofaschismus und Rassismus in Berlin. Im Februar 1990 wurde der Magistrat aufgefordert einen Ausländerbeauftragten zu berufen. Der Behindertenverband protestierte im Februar 1990 gegen die Aufhebung des Grundrechts auf Arbeit für Behinderte. Was dieser versprach zu tun.

Auf seiner Sitzung am 01.03.1990 wurde fast einstimmig beschlossen, der Magistrat solle der Initiativgruppe Schwulen- und Lesben-Haus Berlin ein geeignetes Objekt zur Nutzung anbieten. Der Beschluss konnte aber nicht umgesetzt werden.

Die Moderatoren wurden vom Runden Tisch Anfang Mai gebeten nach der Kommunalwahl bis zur Bildung der Stadtregierung die Leitung weiter zu übernehmen. Die drei Moderatoren lehnen aber ab.

Zur Konstituierung des im Mai 1990 gewählten Magistrats stellte der Runde Tisch seine Arbeit ein. Nach der Einheit bildeten der Magistrat und der Senat von Berlin bis zur Gesamtberliner Wahl am 02.12.1990 den so genannten "Magisenat".

Einen Runden Tisch für gesamt Berlin gab es nicht. Im Februar 1990 wurde unabhängig von Runden Tisch ein Regionalausschuss mit Vertretern aus Ost und West gebildet. Eine Zusammenarbeit gab es auch mit Fachleute aus Potsdam und Frankfurt (Oder). Vertreter des Runden Tisches konnten als Gäste an den Sitzungen teilnehmen.

Der Runde Tisch in Berlin-Pankow (RTP) tagte 19 Mal im Zeitraum 09.12. bis 27.04.1990. Die Einladung zu einem Runden Tisch erfolgte vom Rat des Stadtbezirkes am 01.12.1989. Nach zähem ringen erkämpfte sich der RTP Rechte. U.a. eine Erscheinungspflicht von Ratsmitgliedern und es konnte eine Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung durch den Runden Tisch einberufen werden. Dem RTP gelang es sich ein Bestätigungsrecht für die Wahl des Bezirksbürgermeisters zu sichern. Als dieser das nicht hinnehmen wollte, musste er gehen. Auf seinen Posten wurde ein auf Veränderung drängender FDJler gewählt, der bisher auch Sprecher des Runden Tisches war. Die FDJ bezeichnete sich als Erste am 16.11.1989 als Fraktion in der Stadtbezirksversammlung. Ein Antrag, täglich eine Seite der Berliner Zeitung für Publikationen der neuen demokratischen Kräfte bereitzustellen, wurde am Runden Tisch einstimmig angenommen.

Im November 1989 gab es erste Gespräche zur Bildung eines Runden Tisches in Berlin-Prenzlauer Berg (RTPB). Am 12.12.1989 erfolgte vom Rat des Bezirkes eine Einladung zum 21.12. Der RTPB tagte zwölf Mal bis zum 02.05.1990. Bei der Besetzung wurde sich auf eine Parität zwischen alten und neuen Gruppierungen geeinigt. Beschlüsse des Runden Tisches müssen ohne Verzug zu Entscheidungen des Rates des Stadtbezirkes bzw. der zuständigen Stadtbezirksräte führen. Der Runde Tisch nimmt im Interesse der Bürger eine umfassende Kontrolle wahr. Lautete ein Beschluss des Runden Tisches. Bei Nichtbefolgung musste eine Stadtbezirksversammlung einberufen werden. Der Rat des Bezirkes wurde zur Weiterarbeit aufgefordert. Ab 01.03.1990 wurde ein Mitglied des Runden Tisches Stadtbezirksrat. Wie in anderen örtlichen Runden Tischen, standen unmittelbare Probleme die den Ort betrafen im Vordergrund, z.B. Bauen und Wohnen. Die Forderung, eine Stadtbezirkszeitung herauszugeben, wurde unterstützt. Der beliebte Mauerpark geht auf den RTPB zurück.

Der Stadtbezirksbürgermeister von Berlin-Treptow lud zum 18.12.1989 zum Runden Tisch ein. Die neuen Parteien und Gruppierungen erhielten ein Recht, an den Tagungen der örtlichen Volksvertretung teilzunehmen und dort Vorschläge zu unterbreiten. Empfehlungen des Runden Tisches sollen vom Rat und den Abgeordneten beraten werden. Außerdem wurde eine Sicherheitspartnerschaft vereinbart. Die nächste Sitzung am 15.01.1990 im Treptower Rathaus sollte allen interessierten Bürgern offen stehen. Anfang Februar 1990 folgte die Stadtbezirksversammlung den Empfehlungen des Runden Tisches Rat und Stadtbezirksversammlung bis zur Neuwahl im Amt zu belassen. Freigewordene Stellen im Rat sollen mit Vertretern bisher nicht im Kommunalparlament vertretener Parteien und Bewegungen besetzt werden. NVA-Offizieren wurde vom Runden Tisch bedeutet, dass sie dort unerwünscht seien. Die NVA Militäraufklärung lag in ihrem Bezirk.

Die Einladung zu einem Runden Tisch in Berlin-Weißensee (RTW) wurde durch die Stadtbezirksbürgermeisterin ausgesprochen. Die erste Sitzung fand am 19.12.1989 statt. Der Runde Tisch kam im Rathaus zu elf Sitzungen zusammen. Wie woanders auch verstand sich der RTW als Kontrollorgan. Er beanspruchte ein Mitsprache-, Veto- und Vorschlagsrecht. Ein Vetorecht des RTW mochte aber die Stadtbezirksversammlung nicht akzeptieren. Das Veto wurde dahingehend interpretiert, wird die Zustimmung verweigert, muss noch einmal darüber gesprochen werden. Eine Kooptierung in den Rat und die Stadtbezirksversammlung wird vom RTW abgelehnt. Vom RTW werden Fachabteilungen eingerichtet, die vollen Einblick in alle Vorgänge und Akten beanspruchen. Es wurde eine Kommission zur Kontrolle des Amtes für Nationale Sicherheit in Weißensee ins Leben gerufen. Anfang Januar 1990 sprach sich der RTW für die Herausgabe einer Stadtbezirkszeitung aus.

In Berlin-Hellersdorf hatten die oppositionellen Kräfte zunächst die Mehrheit am Runden Tisch. Was sich dann aber in Parität wandelte.

Cottbus

In Cottbus preschte die NDPD in Sachen Runder Tisch vor. Am 11.12.1989 war es soweit. Startschwierigkeiten gab es zunächst, nicht alle der neuen Organisationen waren eingeladen worden. Demokratischer Aufbruch und SDP forderten, Stimmrecht sollten nur Parteien bekommen. Was z.B. das Neues Forum vom Stimmrecht ausschloss. Die Forderung nach sofortigem Rücktritt der Stadtverordnetenversammlung wurde abgelehnt. Zu groß war die Angst, die Situation noch weiter zu destabilisieren. Der Runde Tisch der Stadt konzentrierte sich hauptsächlich, wie andere örtlich Runde Tische auch, auf kommunale Belange

Rederecht im Stadtparlament wurde später den neuen Parteien und Organisationen eingeräumt. Auch wurde in Gremien mitgearbeitet.

Der Runde Tisch der Stadt Cottbus tagte auch nach der Volkskammerwahl weiter. In einem Interview sagte ein SPD-Vertreter: "Wir sehen den Runden Tisch als echte Hilfe für den Rat der Stadt und die Verwaltung, um möglichst schnell und unbürokratisch im Interesse der Bürger Beschlüsse fassen und durchsetzen zu können."

Auch bei der Einberufung eines Runden Tisches im Bezirks Cottbus hatte die NDPD die Nase vorn. Für den 05.12.1989 wurde eingeladen. Der erste Versuch scheiterte aber. Die Bürgerbewegungen fühlten sich sich und die Institution Runder Tisch nicht ernst genommen.

Danach, am 13.12.1989, wurde auf der Ratssitzung des Bezirks einen Runden Tisch ins Gespräch gebracht. Die erste Sitzung des Runden Tisches des Bezirkes Cottbus erfolgte am 19.12. Im Mittelpunkt des Runden Tisches standen Probleme wie die Sicherung des gesellschaftlichen Lebens und die Verwaltungs- und Wirtschaftsreform.

Auch die Medienpolitik eine Rolle. Die SED-Bezirkszeitung "Lausitzer Rundschau" und der Sender Cottbus sollten unabhängige Medien werden. Ein Presse- und Medienbeirat wurde beschlossen.

Die Auflösung des Amt für Nationale Sicherheit, früher MfS, war Thema. Ehemalige Mitarbeiter des MfS sollten nicht im Bildungswesen einen neuen Arbeitsplatz finden.

Nach der Volkskammerwahl beantragte die CDU den Runden Tisch aufzulösen. Was abgelehnt wurde.

Dresden

Am 30.11.1989 wurde in Dresden ein Sondierungsgespräch zur Bildung eines Runden Tisches im Bezirk geführt. Eingeladen dazu hatte der Vorsitzende der SED-Bezirksleitung. Eine weitere Einladung zum 08.12. kam vom Ratsvorsitzenden des Bezirkes. Ein gemeinsamer Aufruf "Für die Sicherung des täglichen Lebens" erfolgte. In ihm wird vor Anarchie, Besetzungen, Generalstreik und Selbstjustiz gewarnt. Es gab Einigkeit darüber, Blutvergießen zu vermeiden. Offiziell erfolgte die Gründung am 15.12. In Dresden wurde auf die Parität zwischen "alten" und "neuen" Gruppen geachtet. Stimmberechtigt war auch ein Vertreter des Rates des Bezirks. Auch saßen Wirtschaftsvertreter mit am Runden Tisch.

Vor dem Rat des Bezirks wurde unter dem Motto "Frauen wehrt euch gegen die Diktatur der Männer" für die Mitsprache von Frauen am Runden Tisch demonstriert. Aufgerufen wurde vom DFD und vom UFV.

Der Runde Tisch drängte am 04.01.90 darauf, Diskussions- und Antragsrecht beim Bezirkstag für die Basisgruppen zu erhalten. Zunächst versuchte die Regierung Modrow die Kooptierung als gesetzeswidrig zu verhindern. Es wurde nur ein Angebot auf Mitwirkung ohne Stimmrecht gemacht. Was vom DA, GP und SDP angenommen wurde. Es zeigte sich im Laufe des Januars, dass durch die anhaltenden Proteste und der rasche Zerfall der staatlichen Organe diese Linie nicht durchgehalten werden konnte. Am 25.01. wurde die Teilnahme in der ständigen Kommission des Bezirkstages angeboten. Die Volkskammer beschloss am 29.01., dass Vertreter der Runden Tische als Abgeordneten kooptiert werden können. Der Runde Tisch bemängelte aber weiterhin die zu geringe Kooperation zwischen ihm und dem Bezirkstag. Der Bezirkstag beschloss am 08.02. die neuen Gruppen und Parteien mit vollem Stimmrecht einzubeziehen. Dem Runden Tisch wollte sich aber darauf nicht einlassen. Am selben Tag forderten sie die Auflösung des Bezirkstages. Zu was dieser seinerseits nicht bereit war. Zu einer Mitarbeit in den ständigen Kommissionen des Bezirkstages kam es ab dem 15.02. Auch für die Mitarbeit in der parlamentarischen Gruppe zur Bildung des Landes Sachsen wurden Vertreter gesucht.

Der Runde Tisch beschloss analog zum Zentralen Runden Tisch kein Wahlkampfeinsatz von BRD-Politikern im Bezirk.

Nach der Volkskammerwahl kam die Forderung der Wahlsieger auf, die Zusammensetzung des Runden Tisches entsprechend dem Wahlergebnis zu ändern. Wovon die Wahlverlierer nicht erfreut waren. Der Wahlverlierer Demokratische Aufbruch schlug einen Kompromiss vor. Mehr Sitze für die Gewinner und je einen Platz für die Verlierer.

Am 29.03. brachte die CDU einen Antrag ein, den Bezirkstag aufzulösen. Was mit knapper Mehrheit abgelehnt wurde.

Zu einem Treffen zwischen einer Delegation unter Führung des bayerischen Ministerpräsidenten, mit Vertreter aus den Bezirken Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt, kam es Ende Januar 1990. Die Einrichtung einer Arbeitsgemeinschaft noch im Februar wurde vereinbart.

Wie auf die bevorstehende Bildung des Landes Sachsen Einfluss genommen werden konnte kam immer mehr in den Fokus. Hier kochten viele Köche. Neben Dresden auch die Bezirke Karl-Marx-Stadt und Leipzig. Die Runden Tische, Arbeitsgruppen, die Parteien und Gruppierungen, die gemischte Kommission Baden-Württemberg und Sachsen und nicht zuletzt die Regierung in Berlin.

Vorschläge kamen von Gruppen und Parteien. So den "Gohrischen Verfassungsentwurf" und den der "Gruppe der 20". Der Runde Tisch in Dresden bildete am 19.04. eine Arbeitsgruppe "Land Sachsen". Im April wurde eine Fachgruppe "Verfassungsentwurf" der gemischten Kommission Baden-Württemberg und Sachsen gebildet.

Auch gab es Stimmen, die Gelegenheit zu nutzen, die Länder neu zu gliedern, z.B. Sachsen-Thüringen, Niederschlesien oder Sachsen-Niederschlesien. Oder ein Land Lausitz für die Sorben. Selbst eine freie Reichsstadt Leipzig wurde ins Gespräch gebracht.

Die Grüne Partei favorisierte die Runden Tische und schlug einen Runden Tisch für das Land Sachsen vor. Die Räte der drei Bezirke wollten ein "Kuratorium Land Sachsen" ins Leben rufen mit ausgearbeiteter Verfassung. Daneben tauchte noch eine "Rottenburger Erklärung" auf.

Den Ruf nach einer Koordinierung ließ nicht lange auf sich warten. Von Dresden aus wurde eine Initiative zur Gründung eines Koordinierungsausschusses zur Bildung des Landes Sachsen gestartet. Es gab den Vorschlag ein gemeinsames Plenum zu schaffen und Koordinierungsbüros einzurichten. Gleichzeitig gab es Bemühungen die Bezirkstage nach den Kommunalwahlen am 06.05. aufzulösen. Was aber von einer Mehrheit abgelehnt wurde. Ein "Vorparlamentarischer Ausschuss des Landes Sachsen" und ein Koordinierungsausschuss wurde Anfang Mai beschlossen. Ihr Vorsitzender wurde Arnold Vaatz. Dresden erobert sich von den beteiligten Bezirken eine Führungsrolle bei der Bildung des Landes Sachsen.

Nach der Volkskammerwahl griff die Regierung in Berlin verstärkt in die Länderbildung ein. Bei der Regierung de Maizière wurde ein eigenes Ministerium für Regionale und Kommunale Angelegenheiten eingerichtet. Nach einem Beschluss der Volkskammer vom 17.05. wurde die Legislaturperiode der Bezirkstage zum 31.05. als beendet erklärt. Es wurden Regierungsbevollmächtigte für die Bezirke eingesetzt. Nach einer Richtlinie vom 05.06. war er Exekutive und Legislative in einem.

Auch den Runden Tischen sollte das Leben ausgehaucht werden. Schon am 02.05. beschloss der Ministerrat, Beschlüsse der noch verbliebenen Runden Tische als nicht mehr verbindlich anzusehen. Der Runde Tisch wollte sich aber nicht so einfach das Butter vom Brot nehmen lassen. Er beschloss als Partner des Regierungsbeauftragten weiterzuarbeiten.

Der Vorparlamentarische Ausschuss wurde in "Regionalausschuss Land Sachsen" umbenannt. Arnold Vaatz wurde Stellvertreter des Regierungsbeauftragten.

Als Runder Tisch Nachfolger, wurde auf Beschluss des Runden Tisches vom 12.06. ein "Sächsisches Forum" eingerichtet, welches am 26.06. zum ersten Mal tagte. Nachdem am 22.07. die Volkskammer zum 14.10. die Bildung von Ländern vorsah, übernahm eine Clearingstelle beim Bundesinnenministerium in Bonn. Die Bildung der Länder erfolgte dann aber bereits zum 03.10. Ab diesem Zeitpunkt unterstanden dann die Landesbevollmächtigten dann auch formal der Bundesregierung.

Vor dem dritten Rathausgespräch mit der Gruppe der 20 in Dresden am 30.10.1989 wurden in der Dresdner Stadtverordnetenversammlung die Einrichtung "Zeitweilige Arbeitsgruppen" beschlossen. Sie sollten gegenüber der Öffentlichkeit und der Stadtverordnetenversammlung rechenschaftspflichtig sein. Am 22.11.1989 wurden in der Stadtverordnetenversammlung Fraktionen gebildet.

Im April 1990 beschloss der Rat der Stadt Dresden einen Zuzugsstopp für Ausländer, wenn sie eine Wohnung benötigen. Ein Antrag auf Zuzug soll nur noch genehmigt werden, wenn keine Wohnung benötigt wird.

Erfurt

In Erfurt manövrierte die evangelische und katholische Kirche die SED bei der Einladung zu einem Runden Tisch aus. Die Einladung der SED zu einem Runden Tisch vom 05.12.1989 wurde abgelehnt. Stattdessen wurde selbst zu Gesprächen für den 13.12. eingeladen. Ab dem 14.02.1990 war auch ein Vertreter des Rates des Bezirks am Runden Tisch stimmberechtigt.

Mitglieder des Runden Tisches des Bezirks fuhren im März 1990 nach Schönebeck, um dort der Vernichtung der Kampfgruppenwaffen beizuwohnen. Vom Runden Tisch war zuvor in einem Brief an die Regierung nicht nur deren Vernichtung gefordert, sondern auch ein Beweis darüber verlangt worden.

Mitglieder der Bezirkstische von Erfurt, Gera und Suhl sollten zu einem Runden Tisch Thüringen für den 18.04.1990 eingeladen werden. Nachdem sich aber immer mehr abzeichnete, die neue Regierung betrachte alle Runden Tischen als obsolet, gab es für ein solches Vorhaben keine Motivation mehr. Auch das mit Mehrheit vom Runden Tisch angenommene Vorhaben, einen "Regionalausschuss zur Vorbereitung des Landes Thüringen" zu bilden, konnte nicht umgesetzt werden. Stattdessen wurde auf CDU-Initiative am 16.05.1990 ein beratender Ausschuss zur Bildung des Landes Thüringen installiert.

In Erfurt gab es ab dem 20.11.1989 eine paritätische Kommission. Sie ging auf einen Vorschlag der Oberbürgermeisterin zurück. Ein Runde Tisch der Stadt wurde am 04.01.1990 gebildet. Er löste sich am 21.02.1990 zugunsten eines Interimparlaments auf. Der Vorschlag zur Bildung der paritätischen Kommission und des Runden Tisches kamen von der SED bzw. PDS. Als am 11.12.1989 ein Teilnehmer der Bürgerratssitzung in Erfurt vorschlug, den Rat der Stadt zum Rücktritt aufzufordern, wurde ihm entgegengehalten, das würde die gesamte Stadt in ein Fiasko stürzen. Das Bürgerkomitee befürchtete Plünderungen und das Bürgerkomitee müsse den Befehl geben auf Plünderer zu schießen. Die Angst vor chaotischen Zuständen war keine Besonderheit die nur in Erfurt vorhanden war. Was auch den Umwälzungsprozess lähmte.

Frankfurt

In Frankfurt wurde der Runde Tisch des Bezirkes vom Vorsitzenden des Rate s des Bezirkes initiiert. Eingeladen zu einem ersten Gespräch wurde für den 14.12.1989. Die erste Sitzung fand dann am 19.12.1989 statt. Das Selbstverständnis des Zentralen Runden Tisches in Berlin wurde übernommen. Stimmrecht erhielten nur die im Bezirkstag vertretenen Parteien und neue Gruppen und Parteien. Die ebenfalls im Bezirkstag vertretenen Massenorganisationen, DFD, FDGB, FDJ, KB und VdgB erhielten ebenso wie Forumpartei, die KPD, der Rat des Bezirkes, der UFV, die VL/Die Nelken und die Volkssolidarität einen Beraterstatus. Auf der 7. Sitzung am 05.04. wurde beschlossen, die Zusammensetzung des Runden Tisches dem Ergebnis der Volkskammerwahl anzupassen. Einen guten Monat später, am 14.05. wurde mit Mehrheit beschlossen den Bezirkstisch zu beenden. Zunächst die CDU und danach auch die SPD waren nach der Volkskammerwahl den Runden Tisch ferngeblieben. Weiterbestehen bleiben sollten laut Beschluss, der Grüne Tisch und der Runde Tisch Bildung und Kultur.

Gera

Im Bezirk Gera luden CDU-Funktionäre am 25.11.1989 zu einen Runden Tisch ein. Die erste Sitzung fand am 09.12. in den Räumen der CDU statt. Die CDU war der SED mit ihrer Einladung zuvorgekommen.

Vor den Sitzungen des Runden Tisches im Bezirk Gera traf sich eine "Vorbereitungsgruppe", um sich abzusprechen. Worüber die übrigen Teilnehmer nicht informiert waren.

Der Runde Tisch sprach sich im März mit Mehrheit dafür aus, seine Arbeit nach den Wahlen am 18.03. (Volkskammer) und 06.05. (Kommunalwahlen) fortzusetzen. Es wurde argumentiert, auf der mittleren Instanz, den Bezirken, gebe es keine durch Wahlen bestimmte Vertretung. Im April wurde eine Abstimmung über die Weiterarbeit vertagt. Zu einer weiteren Tagung kam es aber nicht mehr.

Halle

Die Idee zur Bildung eines Runden Tisches wurde von Vertretern der neuen politischen Gruppierungen ins Spiel gebracht. Kirchenvertreter griffen das auf und luden im Bezirk und der Stadt zu einem Runden Tisch ein. Auf seiner ersten Sitzung am 21.12.1989 im Gemeindesaal von Heilig Kreuz des Runden Tisches des Bezirkes Halle sicherte er seine Mitwirkung im Operationsstab des Rates des Bezirks bei der Sicherung des Alltagslebens zu. Es wurde eine Geschäftsordnung beraten. In seinem Selbstverständnis legte er fest, der Runde Tisch ist keine parlamentarische Einrichtung. Der Runde Tisch erarbeitet verbindliche Empfehlungen an den Rat des Bezirks und übt Kontrollfunktionen aus. Der Rat des Bezirks hat eine Informationspflicht und ist an die verbindlichen Empfehlungen gebunden.

Alle am Runden Tisch vertretenen hatten zwar Antragsrecht, nicht alle aber auch Stimmrecht. Nur Bürgerbewegungen und Parteien erhielten dieses Recht. Von den neuen Organisationen waren dies DA, DJ, GL, GP, NF, SPD und VL. Auf der Sitzung des Runden Tisches am 05.04.1990 erhielt die DSU Antrags-, Rede- und Stimmrecht. Anträge stellt auch der Runde Tisch der Stadt Halle und Runde Tische andere Städte.

In seiner zweiten Sitzung wird der Vorsitzende des Rates des Bezirks beauftragt, das Selbstverständnis des Runden Tisches der Regierung der DDR vorzulegen und regierungsamtlich bestätigen zu lassen.

Ende Dezember 1989 wurden Empfehlungen des Runden Tisches an den Rat des Bezirkes zur Sicherung der Funktionsfähigkeit der Betriebe und Einrichtungen und Erreichung hoher Leistungen im Interesse der ganzen Gesellschaft beraten. Auch wurde bekannt gegeben, dass die Einwohnerzahl bis Ende Oktober 1989 um rund 16 000 abgenommen hat.

Am 04.01.1990 empfiehlt der Runde Tisch des Bezirks in allen Betrieben und Einrichtungen Kontrollausschüsse zu bilden. Die Bildung eines Verfassungsschutzes soll bis zur Volkskammerwahl ausgesetzt werden. Untersagt wird die Vernichtung der Akten und die Aufarbeitung bis zu einer gesetzlichen Regelung durch das neue Parlament.

Die zunehmende Auflösung von Arbeitsverträgen greift ein Antrag am 08.03.1990 auf. In dem Antrag wird der Anspruch erhoben, den Betriebe dabei Verpflichtungen aufzuerlegen. Ausdrücklich wird in ihm erwähnt, dass dies auch für die ausländischen Werktätigen gilt.

Auf Beschluss des Runden Tisches wird eine "Autorisierte Gruppe des Runden Tisches" gebildet. Sie soll die Auflösung des Bezirksamtes für nationale Sicherheit, zuvor MfS, überwachen. Darüber hinaus soll sie die Akten und Schriftstücke sichern.

Die Anträge der LDPD und der CDU am 18.01. nach Auflösung des Bezirksrates und Bildung eines neuen Rates aus Vertretern der am Runden Tisch vertretenen Gruppen und Parteien wird abgelehnt. Zu groß ist die Angst kein kompetentes Personal stellen zu können, welches die immer schwieriger werdenden Aufgaben meistern könnte. Dass auf "bewährtes" Personal der Blockparteien zurückgegriffen wird kam auch nicht infrage.

Ab Januar 1990 kam es zu einer immer mehr intensivierenden Zusammenarbeit zwischen den Runden Tisch und dem Bezirkstag. Vertreter des Runden Tisches arbeiteten in den Kommissionen des Bezirkstages zusammen. Die Wahl des neuen Ratsvorsitzenden wurde vom Votum des Runden Tisches abhängig gemacht. Nach der Volkskammerwahl erhielten alle Parteien und Gruppierungen nach ihrem dort erzielten Stimmenanteil anteilig Mandate im Bezirkstag. Neben CDU und SPD, die die meisten neuen Abgeordneten stellten, kam auch Bündnis 90, Demokratischer Aufbruch, Deutsche Soziale Union, Grüne Partei, Unabhängiger Frauenverband und die Vereinigte Linke zum Zuge. Auch interessierte Bürger wurden zur Mitarbeit eingeladen. Vertreter des Runden Tisches stellten Ratsmitglieder ohne Geschäftsbereich.

Anfang Februar wird der Antrag von der AKTION DIE DREI und Neues Forum, die IM-Akten sofort Offenzulegen abgelehnt. Dies solle erst nach den Wahlen von den gewählten beschlossen werden.

Im Februar wird der Antrag der "Autorisierten Gruppe", sie war für die Auflösung der Staatssicherheit zuständig, einen Standpunkt zur Empfehlung zur Vernichtung bestimmter Akten an den Zentralen Runden Tisch in Berlin weiterzuleiten, abgelehnt.

Der Runde Tisch des Bezirks preschte bei der Bildung eines gemeinsamen Runden Tisches zur Vorbereitung des Landes vor. Die Bezirkstische Halle und Magdeburg und der Runde Tisch von Dessau bildeten ihn. Auch hier grub ihnen die Regierung de Maizière mit der Einsetzung der Regierungsbevollmächtigten das Wasser ab.

Angebote zu einer Partnerschaft für den Bezirk Halle kamen von den Ländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Niedersachsen eröffnete am 09.04.1990 ein Büro in Halle. Während der Beratungen des Runden Tisches erfuhren auch manche, dass Halle und Halle-Neustadt zwei selbständige Städte sind.

Karl-Marx-Stadt

Bereits am 23.11.1989 preschte die LDPD mit einem Vorschlag zur Bildung eines Runden Tisches im Bezirk vor. Einen Aufruf von Gewerkschafter veröffentlichte die SED-Zeitung "Freie Presse" am 05.12. Die Konstituierung eines Runden Tisches erfolgte am 14.12. Auch hier gab es Mitglieder mit Beobachterstatus.

Die Vertretung von Frauen am Runden Tisch war nicht vorgesehen. Dagegen erhob sich Protest und die Forderung Frauenorganisationen am Runden Tisch Platz nehmen zu lassen. So z.B. von der Vereinigten Linken den UFV zuzulassen.

Leipzig

In der Stadt Leipzig war die Etablierung eines Runden Tisches eine etwas zähe Angelegenheit. Gab es im Dezember 1989 bereits Gespräche, so kam man am 03.01.1990 dann zu Potte. Zur ersten Sitzung eines gemeinsamen Runden Tisches für die Stadt und den Bezirk kam es am 1.12.1989. Die am 17.01. verabschiedete Satzung maß sich keinerlei parlamentarische oder Regierungsfunktionen an. Seine Empfehlungen und Vorschläge an das Präsidium der Stadtverordnetenversammlung und an den Rat der Stadt seinen aber zu berücksichtigen. Das politische Gewicht verschob sich allerdings im Laufe der Zeit mehr zum Runden Tisch der Stadt Leipzig (RTSL). Vom RTSL kam am 23.01. die Forderung die Stadtverordnetenversammlung aufzulösen. Die wiederum meinten Vertreter des RTSL sollten stimmberechtigt in der Stadtverordnetenversammlung mitmischen. Der Kompromiss sah dann eine geschäftsführende Weiterarbeit der Stadtverordnetenversammlung bis zu den Kommunalwahlen vor.

Schon drei Tage später kam es zu einem Paukenschlag. Ein ehemaliges SED-Mitglied setze die Abstimmung seines Antrages, das die Stadtverordnetenversammlung als illegitimes Gremium betrachtete, mit einer Gegenstimme durch. Damit war die Stadtverordnetenversammlung aufgelöst. Der Rat der Stadt bekräftigte aber geschäftsführend weiterarbeiten zu wollen. Der RTSL übernehme nach der Auflösung der Stadtverordnetenversammlung alle legislativen Aufgaben bis zur Kommunalwahl, hieß es in der überarbeiteten Satzung. Auch wurden zwei Vertreter des RTSL in den Rat entsandt. Im Gegenzug schickte der Oberbürgermeister einen Vertreter an den Runden Tisch. Um sich arbeitfähige Strukturen zu schaffen wurden 24 Kommissionen gebildet und ein Sekretariat mit Kontaktbüro eingerichtet.

Kurt Masur und andere Leipziger appellierten am 14.02.1990 die kommunale Verwaltung der Stadt zum Wohle ihrer Bürger tatkräftig zu unterstützen. Es wurde empfohlen Mitglieder der fachbezogenen Arbeitsgruppen des Runden Tisches und Experten als Ratsmitglieder zu benennen. Der Runde Tisch stimmte dem Appell zu.

Der Runde Tisch der Stadt Leipzig war durch die Besonderheit nicht nur zahlenmäßig größer als der Zentrale Runde Tisch in Berlin, sondern ihm gehörten auch mehr Parteien und Gruppierungen an. 19 mit Stimmrecht und 20 mit beratender Stimme. Die Auflösung des RTSL erfolgte am 23.05.1990.

Am 01.12.1989 trafen sich Vertreter von Parteien und Gruppierungen in der Karl-Marx-Universität in Leipzig zu Vorbereitungsgespräche eines Runden Tisches des Bezirkes. Eingeladen hatte die SED. Das Vorpreschen der SED in der Form, bei gleichzeitigem hinhalten in der Sache, schmeckte vielen nicht. Nach weiteren Vorbereitungsgesprächen am 12.12. und 19.12. war der Runde Tisch des Bezirkes geboren.

Der Runde Tisch des Bezirkes Leipzig fordere den Bezirktag auf sich aufzulösen. Er bot sich an, deren Rechte und Pflichten zu übernehmen. Im Januar 1990 wurde dem Bürgerkomitee zur Auflösung der Staatssicherheit den Status eines Arbeitsausschusses des Runden Tisches zuerkannt. Das Bürgerkomitee erhielt das Recht zur Aktensicherung. Außerdem sollte es sich mit der Arbeitsweise und den Strukturen des MfS befassen.

Den Runden Tischen der Bezirke in Dresden und Karl-Marx-Stadt wurde der Vorschlag unterbreitet einen Runden Tisch Sachsen zu bilden.

Anfang Dezember 1989 wurde ein Runder Tisch zu "Energiewirtschaft und Ökologie" im Bezirk eingerichtet. Mit dabei waren Vertreter von Kirche, Chemiebetrieben, dem Institut für Energetik und anderen Einrichtungen des Bezirks.

Als Ziel wurde ausgegeben, dem stark gewässer- und luftverschmutzten Territorium durch sofortige und strategische Entscheidungen eine Perspektive zu geben.

Magdeburg

Es gab am 05.12.1989 Gespräche die als Runder Tisch interpretiert wurden. Die erste reguläre Sitzung des Runden Tisches fand dann am 20.12.1989 statt. Am Runden Tisch des Bezirkes Magdeburg war neben einer Vielzahl von Parteien und Gruppierungen auch der Rat des Bezirks vertreten. Der Runde Tisch des Bezirks beschloss, es dürfe kein ehemaliges MfS-Personal in Schulen und Kindergärten übernommen werden. Nachdem ein Unterlaufen des Beschlusses ruchbar wurde, kam es zu hitzigen Auseinandersetzungen.

Ein Runder Tisch Bildung wurde am 13.03.1990 gebildet. Er tagte bis zum 22.05. neun Mal. Zu den Sitzungen des Runden Tisches kamen Lehrer, die sich Antworten auf die Frage, wie es weiter gehen soll, erhofften. Eine der ersten Fragen die aufkamen war die nach der Verwendung der Staatsbürgerkundelehrer und von Mitarbeitern des MfS, die in der Volksbildung untergekommen seien.

Der Runde Tisch des Bezirks beschloss kein MfS-Personal in die Schulen und Kindergärten der Stadt Magdeburg zu übernehmen. Was aber ignoriert wurde. Über das Fehlen einer pädagogische Ausbildung wurde versucht, die Aufhebung der Arbeitsverträge zu erreichen.

Im März verabschieden die Runden Tische der Bezirke Halle und Magdeburg eine Erklärung indem sie sich für die Bildung einer paritätischen Kommission für ein Land Sachsen/Anhalt aussprechen. Der Vorschlag zur Bildung einer paritätischen Kommission kam vom Runden Tisch des Bezirks Magdeburg.

Neubrandenburg

In Neubrandenburg ging die Initiative am 14.11. zu einem Runden Tisch von der SED aus. In einem öffentlichen Aufruf, im SED Parteiorgan "Freie Erde" abgedruckt, rief das Arbeitssekretariat der SED-Bezirksleitung Neubrandenburg zur Bildung eines Runden Tisches auf. Gleichzeitig war von Seiten der Kirche an einer Einladung zu einem Runden Tisch gebastelt worden. Auf der konstituierenden Sitzung am 07.12.1989 wurde beschlossen keine bisherigen Massenorganisationen zuzulassen. Später erhielten sie Beobachterstatus. Der Runde Tisch des Bezirkes war dadurch ein Übersichtlicher.

Auf der ersten Sitzung wurde beschlossen, die Akten der Kreisdienstellen des MfS in das Bezirksamt des MfS zu verbringen. Das Schriftgut sollte gesichert werden. Eine Arbeitsgruppe wurde gebildet. Eine kontrollierte Vernichtung von Unterlagen solle erst nach der Sichtung des Runden Tisches möglich sein.

Die Gebäude der bisherigen Kreisdienststellen sollen den Gemeinden übergeben werden.

Bei der ersten Sitzung war auch der Leiter des Bezirksamtes für Nationale Sicherheit und der Chef der Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei anwesend.

Hier ermöglichte sogleich die Arbeitsgruppe, die sich mit der Auflösung der Staatssicherheit beschäftigte eine Akteneinsicht für Betroffene. Es gab Überlegungen, Betroffene darüber entscheiden zu lassen, welche Akten über sie vernichtet werden sollten. Es wird ein Recht auf Aushändigung von Urteilen und Urteilsbegründungen an an politisch Verfolgte verlangt. Außerdem die Rehabilitierung der Opfer.

Die Arbeitsgruppe zur Untersuchung der nach innen gerichteten Tätigkeit des MfS spricht sich dagegen aus, die Namen der Inoffiziellen Mitarbeiter des MfS zu veröffentlichen. Es wird u.a. Rache und Selbstjustiz befürchtet.

Ende März 1990 formulierte die Arbeitsgruppe zur Untersuchung der Tätigkeit des MfS des bezirklichen Runden Tisches ihre Bedenken hinsichtlich der Veröffentlichung der Namen der IMs. Es müsse unterschieden werden zwischen den IMs, die für die Spionageabwehr und denen, die zur Überwachung Andersdenkender eingesetzt wurden. Diese Unterscheidung ist nicht möglich. Wie soll mit IMs umgegangen werden, deren Werbung unter Druck geschah? Kann es sein, dass aus Gründen der Planerfüllung IMs abgerechnet wurden, die keine IMs waren? Besteht nicht die Möglichkeit, dass als "ganz besonderes Abschiedsgeschenk" an die Opposition besonders brisante Namen in der IM-Kartei auftauchen?

Die Volkskammerabgeordneten sollten auf alle Formen der Zusammenarbeit mit dem MfS überprüft werden.

Der Runde Tisch spricht sich für die Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit aus.

Die Arbeitsgruppe zur Untersuchung der Tätigkeit des MfS stellt auf der Sitzung des Runden Tisches am 08.02.1990 fest, ehemalige Angehörige des Amtes für Nationale Sicherheit sind nicht in Besitz von Waffen und haben auch keinen Zugriff darauf.

Die Beendigung des Runden Tisches wurde zum 10.05.1990 beschlossen. Ein Fortsetzungsgremium, Beratergruppe genannt, sollte gebildet werden. Angesiedelt sollte es beim Rat des Bezirks sein.

Der Vorsitzende des Rates des Bezirks Neubrandenburg schickte am 05.12.1989 ein Fernschreiben an die Räte der Kreise, analog zum Runden Tisch des Bezirks, Runde Tische in den Kreisen, Städten und Gemeinden Runde Tische zu bilden. Es geht um die Rettung unserer Republik.

Potsdam

Im Bezirk Potsdam veröffentlichte die "Märkische Volksstimme" am 28.11.1989 einen Aufruf zur Bildung eines Runden Tisches. Die SDP wollte da nicht nachstehen und brachte einen Aufruf über die Zeitung am 07.12. in Umlauf. Da ließ sich die CDU nicht lumpen und lud für den 20.12. ein. Bei ihrem Treffen am 20.12.1989 in der Heilig-Kreuz-Kirche wurden alle in der Volkskammer vertretenen Parteien und Massenorganisationen und alle die beabsichtigen, sich an der nächsten Volkskammerwahl zu beteiligen, zur Mitarbeit eingeladen. Auf die Parität zwischen "alten" und "neuen" Gruppen wurde geachtet.

Ab Januar 1990 wurden wurde die Zusammenarbeit zwischen dem Bezirkstag und dem Runden Tisch des Bezirks enger. Es wurden vor den Sitzungen die Papiere des Bezirkstages dem Runden Tisch zur Verfügung gestellt. Der Runde Tisch beanspruchte das Recht Anträge an den Bezirkstisch zu stellen und Ratsmitglieder zu seinen Sitzungen einzuladen. Steffen Reiche, Vertreter der SDP am Runden Tisch lehnte eine Mitarbeit in den Bezirksgremien mit der Begründung ab, es könne etwas Illegitimes nicht nachträglich legitimiert werden.

Die letzte Sitzung des Runden Tisches fand am 09.05.1990 statt. Der Bezirkstag löste sich am 14.05.1990 auf.

Obwohl sich in Potsdam bereits am 16.10.1989 ein Treffen von Vertretern vom Neuen Forum, SED, der Kirche und der örtlichen Staatsmacht gab, kam es zur ersten Sitzung des Runden Tisch der Stadt Potsdam erst am 13.12.1989.

In Potsdam gab es ein Bürgerkomitee "Rat der Volkskontrolle". Am 05.12.1989 fand eine Treffen im Sitzungssaal des Stadthauses statt. Dem Bürgermeister, dem Vorsitzender des Rats des Bezirks und anderen Vertretern der Staatsmacht, saßen Vertreter von Argus, des Neuen Forum und der SDP gegenüber. Es wurde die Bildung eines Rats der Volkskontrolle beschlossen. Die Gründungsversammlung war einen Tag später. Alle Gruppierungen und Parteien erhalten eine Stimme. Die Stimmberechtigung war paritätisch zwischen "alten" und "neuen" Gruppen und Parteien.

Der Aufgabenbereich war auf den Potsdamer Bereich beschränkt. Es sollten u.a. Maßnahmen getroffen werden die Vernichtung von Schrift- und Archivgut zu verhindern. Am 12.12.1989 wird eine "Kommission über die öffentliche Kontrolle zur weiteren Sicherung, Sichtung und eventuell teilweisen Vernichtung von Schriftgut des Bezirksamtes für Nationale Sicherheit Potsdam", gegründet.

Die Kontrollblicke beschränkten sich aber nicht auf das MfS. Der Rat der Volkskontrolle richtete am 08.12.1989 ein Bürgerbüro ein.

Zur letzten Sitzung des Rats der Volkskontrolle fanden sich deren Mitglieder am 26.03.1990 zusammen. Einen Tag später wird das Bürgerbüro geschlossen. Ein Abschlussbericht wird am 27.04.1990 vorgelegt.

Rostock

Der Runde Tisch der Stadt Rostock (RTSRo) erhob auf seiner ersten Sitzung, die im Rathaus stattfand, am 09.12.189 den Anspruch den Rat und die Stadtverordnetenversammlung zu kontrollieren und erwartete, dass Entscheidungen nur in Übereinstimmung mit den Positionen des Runden Tisches erfolgen. An den Sitzungen des Runden Tisches nahmen auch der Oberbürgermeister und sein Stellvertreter teil. Nach und nach wurden immer mehr Organisationen zugelassen. Waren zu Beginn 15 Gruppen und Parteien am Runden Tisch vertreten, waren es im Mai 1990 bereits 27. Der Runde Tisch hatte über vierzig stimmberechtigte Mitglieder.

Auf der Sitzung am 29.12.1989 wurde vom Ministerrat der DDR gefordert, ein Amt für Verfassungsschutz erst nach dem Inkrafttreten einer neuen Verfassung einzurichten. Auch sollte das Amt unter Kontrolle der demokratischen Kräfte stehen. Ehemalige Mitarbeiter des AfNS dürften dort nicht beschäftigt werden. Auch solle deren Gebäude nicht für das neue Amt verwendet werden.

Nachdem vom RTSRo der Vorwurf kam, seine Beschlüsse werden vom Rat nicht beachtet, schickte der RTSRo aus seinen Reihen sechs Ratsmitglieder ohne Geschäftsbereich ins Rathaus. Sie sollten den Rat der Stadt kontrollieren und ein Vetorecht ausüben können. Der Sechserkommission gehörte dem DA, DJ, GP, NF, SPD und UFV an.

Nach dem Sturz des Oberbürgermeisters wurde ein Vertreter des Runden Tisches, von Neuen Forum, zum Oberbürgermeister bestimmt. Ab da wurden "neue" 18 Stadträte, genau so viel wie "alte" Stadträte, ins Rathaus entsandt. Wodurch der Runde Tisch an Bedeutung einbüßte.

Alle Kandidaten für die Kommunalwahl am 06.05.1990 sollen auf eine Mitarbeit beim MfS/AfNS überprüft werden lautet eine Forderung des RTSRo Ende März 1990.

Am 15.04.1990 wurde ein Entwurf für eine Kommunalverfassung vorgelegt. Was vor allem bei CDU und SPD auf Vorbehalte stieß, z.B. wegen der vorgesehen Bürgerkomitees.

Es gab Bestrebungen den Runden Tisch auch über die Kommunalwahl hinaus weiter bestehen zu lassen. Er sollte als Kommunikativzentrum des Rates fungieren. Die Bürgerschaft lehnte das aber ab. Der neu gewählte SPD-Bürgermeister mied dann auch die Sitzungen des Runden Tisches. Trotzdem blieb der Runde Tisch bis zum 09.06.1990 bestehen.

Auf seiner Sitzung am 09.06.1990 stellte der Runde Tisch fest: "Der Runde Tisch Rostock ist keine Nebenregierung, er trifft keine Entscheidungen, er hat kein Vetorecht".

Zu einer Kuriosität kam es als die Vertreter von CDU, Bund Freier Demokraten und der SPD am Runden Tisch für dessen Weiterführung stimmten, die Vertreter dieser Parteien in der Rostocker Bürgerschaft das aber ablehnten.

Die Mehrheit am Runden Tisch beschloss in seiner letzten Sitzung am 09.06.1990 ein Nachfolgegremium. Das "Konsultativgremium". Es sollte einer besseren Mitwirkung der Bürger an kommunalen Entscheidungen ermöglichen. Mitglieder im Konsultativgremium waren vor allem kleinere Parteien und Bürgerinitiativen. Die Bürgerschaft lehnte eine Zusammenarbeit mit dem Argument ab, nach der Wahl der Bürgerschaft sei ein weiteres Gremium überflüssig. Vorschläge und Forderungen des Konsultativgremiums fanden dann auch keine Beachtung, es sollte das Gremium nicht aufgewertet werden. Am 25.10.1990 wurde an Stelle des Konsultativgremiums ein "Rostocker Bürgertisch" ins Leben gerufen. Auch ihm stand die Bürgerschaft ablehnend gegenüber. Dem Rostocker Bürgertisch gelang es nicht über einen längeren Zeitraum eine politische Tätigkeit zu entfalten. Im laufe der Zeit kam es zu einer schleichenden Auflösung des Rostocker Bürgertisches.

Neben dem Runden Tisch gab es in Rostock noch ein Bürgerrat, der sich am 08.12. bildete und sich am 13.12. konstituierte.

Der RTSRo hatte Kontakt mit dem Runden Tisch des Bezirkes Rostock (RTBRo). Eine Zusammenarbeit mit dem Runden Tisch des Bezirks gab es in der Auflösung der Staatssicherheit. An den Zentralen Runden Tisch in Berlin wurden mehrere Anträge gestellt.

Der Rundes Tisch des Bezirkes Rostock trat am 21.12.1989 zum ersten Mal zusammen. Die Initiative dazu ging vom Vorsitzen des Rates des Bezirkes aus. Der Runde Tisch war paritätisch besetzt.

Der RTBRo versteht sich als ein Organ, das die Arbeit des Rates des Bezirks ergänzt und das mit zur Entscheidungsfindung beträgt, ist im Festlegungsprotokoll zu lesen.

Der Vorsitzende des Bezirksrates verzichtete auf sein Stimmrecht. Der Regierungsbeauftragte für den Bezirk und und Vertreter des Rats haben beratende Stimme.

Die Forderung des Neuen Forums, nach Rücktritt des Bezirkrates fand keine Mehrheit. An den Zentralen Runden Tisch in Berlin wurde wegen des Atomkraftwerkes Greifswald ein Brief geschrieben.

Auf seiner Sondersitzung am 27.12.1989 zum beabsichtigten Aufbau eines Amtes für Verfassungsschutz und eines Nachrichtendienstes beschloss der Runde Tisch des Bezirks die weitere Arbeit der genannten Ämter freizugeben.

Auf seiner Sitzung am 30.01.1990 wird vom Runden Tisch des Bezirks Rostock die Herausgabe der "Mecklenburgischen Volkszeitung" beschlossen.

Die Mehrheit des RTBRo sprach sich am 02.05.1990 dafür aus, den Runden Tisch bestehen zu lassen bis zur Bildung des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Wenn auch unter neuen Namen und veränderter Aufgabenstellung. Der Beschluss war aber nur von kurzer Dauer. Schon Ende des Monats wird dem Runden Tisch der Stecker gezogen.

Eine Zusammenarbeit des RTBRo gab es mit den Runden Tischen der Bezirke Neubrandenburg und Schwerin ab 08.02.1990. Ein "Regionalausschuss Verwaltungsreform der drei Nordbezirke" konstituierte sich im März 1990.

Der Grüne Tisch im Bezirk Rostock warnte im März 1990 vor irreversiblen Schäden bei einer Zunahme des Massentourismus an der Ostseeküste. Schutz und Erhaltung der Küstenlandschaft müssen absoluten Vorrang haben.

Die konstituierende Sitzung des Runde Tisch des Kreises Rostock-Land findet am 22.12.1989 statt. Die letzte Sitzung findet drei Tage vor der Kommunalwahl am 03.05.1990 statt.

Schwerin

In Schwerin waren die waren auf der ersten Sitzung des Runden Tisches die neuen Gruppierungen unter sich. Erst ab der zweiten Sitzung waren auch die Parteien, die im Rat vertreten waren, mit Stimmrecht anwesend. Beobachterstatus bekamen FDGB und VdgB, nicht aber DFD und die VL.

Das Bundesland Schleswig-Holstein und die DDR-Bezirke Rostock und Schwerin bilden gemeinsam einen "vorläufigen Regionalausschuss". Der schleswig-holsteinische Ministerpräsidenten Björn Engholm gab bekannt, die Arbeit soll am 31.01.1990 aufgenommen werden.

Suhl

In Suhl ist der Beginn des Runden Tisches von Revolutionsnebel umwölkt. Es gab mehrere, die den Startschuss geben wollten. Nach Vorgesprächen, kam die erste Einladung am 08.12.1989 von einem Kirchenvertreter. Eingeladen in das evangelische Gemeindeamt Suhl wurden neben den neuen Gruppen auch Vertreter des Bezirkstages. Hintergrund war die um sich greifende Verunsicherung und die Angst vor unkontrollierbaren Aktionen. Neben der CDU wurde auch über die Bezirkszeitung der SED zu einem Runden Tisch eingeladen.

Das erste Treffen fand am 12.12.1989 statt. Stimmrecht erhielten auch Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche.

Ein Bürgerkomitees beim Rat des Bezirkes war nach seinem Statut dem Runden Tisch des Bezirkes zugeordnet und diesem rechenschaftspflichtig. Das Bürgerkomitee bestand aus je 2 Vertretern der am Runden Tisch des Bezirkes vertretenen neuen Parteien und Bürgerbewegungen. Nach seinem Selbstverständnis sollte es beratenden und kritisch begleitenden Charakter gegenüber dem Rat des Bezirkes haben. Die Mitglieder des Bürgerkomitees hatten das Recht in Entscheidungsvorlagen des Rates des Bezirks Einsicht zu nehmen. Gegen Entscheidungen des Rates konnte Einspruch erhoben werden. Allerdings ohne aufschiebende Wirkung. Bei Dissens wurde das dem Runden Tisch vorgetragen. Beim Rat des Bezirkes durften eigene Anträge eingebracht und Anfragen gestellt werden.

Beim Bezirkstag Suhl gab es noch eine zeitweilige Kommission "Amtsmissbrauch und Korruption". Das Bürgerkomitee unterstützte die zeitweilige Kommission. Diese war gegenüber dem Bürgerkomitee rechenschaftspflichtig.

Im April 1990 plädierten Vertreter das Neue Forum dafür, den Runden Tisch bis zur Bildung des Landes Thüringen beizubehalten. Dagegen wandten sich besonders die Vertreter der CDU. Die Landesvorsitzende der CDU-Thüringen schlug der neuen Regierung in Berlin vor, Regierungsbevollmächtigte einzusetzen und die Runden Tische aufzulösen. Wovon die Mitglieder der Runden Tisches erst am 10.04.1990 aus dem "Thüringer Tageblatt" erfuhren. Zu einer Dringlichkeitssitzung des Bezirkstisches wurde zum 24.04.1990 eingeladen.

Beschlossen wurde, ein Regionalausschuss zu bilden. Die letzte inoffizielle Sitzung des Runden Tisches fand am 06.06.1990 statt. Es wurde die Einrichtung eines Reginalausschusses Suhl zu bilden beschlossen. Über die Absicht ist der Runde Tisch aber nicht hinausgekommen.

Ein Runder Tisch der Jugend im Bezirk Suhl trat am 08.01.1990 zusammen. Zehn Tage später konstituierte sich der Grüne Runde Tisch in Suhl.

Neben dem Runden Tisch des Bezirks gab es auch einen Runden Tisch der Stadt und des Kreises Suhl.


In Bautzen wurde der Runde Tisch von Vertretern der evangelisch-lutherischen und der römisch-katholischen moderiert. Es wurde beschlossen, dass der Kreistag vor Beschlussfassung seine Vorlagen dem Runden Tisch vorzulegen habe. Es wurde eine Kommission zur Untersuchung von Amtsmissbrauch und Korruption gegründet.

Breiten Raum bei der Diskussion nimmt das weit über die Region bekannte Gefängnis Bautzen I und II ein. Ab dem 01.12.1989 wurde von den Häftlingen die Arbeit verweigert. Einen Tag später trat eine Mehrheit der Häftlinge in einen Hungerstreik. Es bildete sich ein Streikkomitee. Forderungen waren, eine Amnestie, verbesserte Haftbedingungen, Veränderungen im Strafgesetzbuch und Informationen in Presse, Rundfunk und Fernsehen.

In einem Schreiben an die Regierung in Berlin wird am 23.03.1990 gefordert, alle Volkskammerabgeordnete und Kandidaten für die Kommunalwahl auf eine offizielle und inoffizielle Mitarbeit für die Staatssicherheit zu überprüfen.

Beobachterstatus hatten der Rat des Kreises und ein abgesahnter der Offiziershochschule. Auch der Leiter des Volkspolizeikreisamtes beantragte einen Beobachterstatus.

Die letzte Sitzung des Runden Tisches fand am 18.05.1990 statt.

In Greifswald kam die Einladung zum Runden Tisch vom Oberbürgermeister. Neben den neuen Parteien und Gruppierungen nahm am 11.12.1989 auch Vertreter von Parteien und Organisationen, die in der Stadtverordnetenversammlung Sitze hatten am Runden Tisch platz. Dabei waren auch der Oberbürgermeister und seine zwei Stellvertreter. Es wurde darüber Konsens hergestellt, die Stadtverordnetenversammlung und der Oberbürgermeister richten sich nach den Empfehlungen des Runden Tisches, der Runde Tisch duldet die Stadtverordnetenversammlung. Der Runde Tisch bestand bis zum 04.05.1990.

Es wurde ein Runder Tisch Bildung gebildet. Er arbeitet noch über die Kommunalwahl hinaus weiter.

Der Rat des Kreises Heiligenstadt in Eichsfeld befürwortete eine Volksabstimmung der Einwohner des Kreises über einen Beitritt des Kreises zur Bundesrepublik Deutschland. Der Runde Tisch des Kreises stoppt im März 1990 das Ansinnen.

In Neuruppin wurde im Februar 1990 der Opposition eine ehrenamtliche Ratsmitgliedschaft angeboten. Für das Neue Forum war das zu wenig. Es forderte daraufhin den Posten eines hauptamtlichen Ratsmitglieds und den Rücktritt des Kreistages. Der Runde Tisch solle dessen Amtsgeschäfte übernehmen. Als dies abgelehnt wird, verlässt das Neue Forum den Runden Tisch. Die Sitze des NF werden zwischen SPD und UFV aufgeteilt. Die SPD entsendet ein ehrenamtliches Ratsmitglied. Mitte März kehrte das Neue Forum an den Runden Tisch zurück. Der Runde Tisch initiierte die Gründung des Ruppiner Anzeigers im Juni 1990. Der Ruppiner Anzeiger wurde später vom Oranienburger Generalanzeiger übernommen.

"Montagsrunde" nannte sich der Runde Tisch des Kreises in Oschatz.

Für die Gespräche mit dem Oberbürgermeister und der Stadtverwaltung am 12.10. bildete sich in Plauen nach Dresdner Vorbild eine "Gruppe der 25". Für das zweite Rathausgespräch am 08.11. wurde die Gruppe auf 20 reduziert. Rücktritt des Oberbürgermeisters am 23.11. Die Teilnehmerinnen am Runden Tisch treffen sich zum ersten Mal am 14.12. im Rathaus. Die Leitung des Runden Tisches hatte die Gruppe der 20 inne. Es wurde die Leitung der Stadt übernommen. Der Runde Tisch bestand bis zur Kommunalwahl am 06.05.1990. Die Liste Bürgerinitiative/Gruppe der 20 errang drei Mandate bei dieser Wahl. Bereits nach der Demonstration am 07.10.1989 hatte sich die Bürgerinitiative Plauen gebildet. Forderungen waren u.a.
1. Der Führungsanspruch der SED soll nicht in der Verfassung festgeschrieben sein.
2. Durchführung freier Wahlen.
3. Weitreichende ökonomische und ökologische Entscheidungen, um die Umweltsituation in der Stadt zu verbessern.

Der Runde Tisch des Kreises Plauen trat am 17.01. zum ersten Mal zusammen.

In Werdau wurde vom dortigen Runden Tisch am 18.01.1990 Wahlen zu einem Bürgerrat organisiert. Der Bürgerrat blieb im Amt bis zu den Kommunalwahlen am 06.05.1990.

In Wismar wurde dem Runden Tisch ein Kontroll-, Stimm- und Vetorecht gegenüber dem Rat der Stadt eingeräumt. Dort beschloss der Runde Tisch im Februar 1990, die völlige Entmilitarisierung der Stadt- und Landkreises. Außerdem sollten BRD-Bürger kein Grund und Boden in Wismar erwerben dürfen.

Spät, erst am 07.02.1990 konstituierte sich der Runde Tisch in Wurzen. Angeregt vom Kreis. Am 12.12.1989 bildete sich bereits ein Bürgerkomitee.

Der Runde Tisch in Zwickau stimmte dem Vorschlag zu, noch vor den Wahlen eine unabhängige Wochenzeitung für die Stadt und den Kreis herauszugeben.

Auf seiner ersten Sitzung des Runden Tischs des Gesundheits- und Sozialwesens in Berlin im Dezember 1989 wurden 14 Arbeitsgruppen gebildet. Eingeladen hatte Vertreter aller Parteien, Organisationen, demokratischer Bewegungen und von wissenschaftlichen Verbänden und Institutionen der Minister Klaus Thielmann.

Am Runden Tisch des Sports brachte das Neue Forum im Februar 1990 einen Antrag ein, indem sich zur Einheit des deutschen Sports und zu einer deutschen Olympiamannschaft für 1992 bekannt werden sollte.

Der Grüne Tisch wurde am 24.01.1990 in Berlin gebildet. 22 Vertreter aus Naturschutzverbänden, Wissenschaft, Wirtschaft sowie aus Ministerien der BRD und der DDR trafen sich am 07.03.1990 in Berlin, um den deutsch-deutschen Grüne Tisch zu konstituierten.

In Absprache mit der Schiedskommission des Runden Tisches beim Fernsehen wurde beschlossen den Werbespot der Organisation "Bund der sozialistischen Arbeiter" zur Volkskammerwahl nicht ausgestrahlt. Beanstandet wurde laut taz die Passage: "Jetzt ist es Zeit zu handeln. Die gesamte Stärke der Arbeiterklasse muss eingesetzt werden, um die kapitalistische Restauration zu verhindern. Verhindert das Eindringen der kapitalistischen Konzerne und Banken! Verhindert alle Preiserhöhungen, Mietsteigerungen und Lohnsenkungen! Organisiert Streiks und Betriebsbesetzungen! Baut Arbeiterräte auf! Das ist der Weg, die Bürokraten aus allen Positionen in Staat und Wirtschaft zu entfernen."

Der Runde Tisch beim Militär hieß "Konsultativrat". Er bildete sich am 22.01.1990 in Berlin. Eine Regierungskommission "Militärreform der DDR" gab es zu diesem Zeitpunkt schon.

Am Entwicklungspolitischen Runden Tisch nahmen auch Vertreter der "Dritte-Welt-Bewegung" aus der BRD teil.

Angesicht der Fülle der Komplexität der Themen und der Notwendigkeit schnell entscheiden zu müssen, ohne die möglichen Folgen überschauen zu können, griffen die Teilnehmer auf Berater zurück. Der Runde Tisch in Wismar hatte Berater aus ihrer Partnerstadt Lübeck. Beim Runden Tisch der Verkehrsbetriebe in Dresden, in dem Betrieb gab es die Betriebsgewerkschaftsleitung und einen Betriebsrat, saß eine ÖTV-Beraterin mit am Tisch.

In vielen Runden Tischen wurde auf eine Stimmenparität zwischen alten und neuen Kräften geachtet. In kleineren Städten gab es oftmals aber nur wenige der neuen Organisationen. Hier spielte das Stimmenverhältnis keine so große Rolle. Zumal überall auf Sachdiskussionen und Konsensbildung großen Wert gelegt wurde und Probleme vor Ort gelöste werden sollten. An den Runden Tischen saß auch unsichtbar die BRD mit am Tisch. Nicht nur durch ihre Partnerparteien in der DDR. Auch die bevorstehende Einheit und damit die Übernahme des bundesdeutschen Systems wirkten sich aus.

Die Runden Tische erwiesen sich auch für den einen oder anderen als ein Sprungbrett für die politische Bühne. Für die SED, später PDS waren die Runden Tische eine Gelegenheit sich als politische Kraft neu auszurichten und für die bundesrepublikanische Ordnung fit zu machen.

Die Vielzahl von Runden Tischen war eine Besonderheit, die es 1989/90 nur in der DDR gab. Ein Grund war sowohl die Schwäche der bisher Herrschenden als auch die der neuen Kräfte. Beide brauchten sich, da die einen nicht mehr weiter konnten und die anderen sich nicht stark genug fühlten ohne sie den Laden zu schmeißen. Auch unterschied sich die DDR in ihrer Perspektive grundlegend von den anderen Staaten des ehemaligen Herrschaftsbereiches der Sowjetunion. Sie hatte einen auf sie ausgerichteten exklusiven Westpartner. Die Option, die Übersiedlung in die BRD, konnte jederzeit wahrgenommen werden. Die Existenz der Bundesrepublik Deutschland hatte in der Deutschen Demokratischen Republik eine explizit auf den Westen ausgerichtete Opposition verhindert.

Es gab Bestrebungen Runde Tische als demokratische Bestandteile zu etablieren. Was aber größtenteils abgelehnt wurde, da es nur eine Einrichtung für eine Übergangszeit seien könne, wurde dagegen argumentiert. Heute werden Runde Tische oftmals für bestimmte, meist örtlich begrenzte Probleme einberufen.

Aus dem Runden Tisch des Sportes ging nach der Volkskammerwahl der Demokratische Jugendbund hervor. Seine Mitgliederversammlungen nannten sich "Runder Tisch".

Die Hochburg der Runden Tische in der ehemaligen DDR war nach 1990 wahrscheinlich Güstrow. Hier gab es gleich eine Vielzahl von Runden Tischen. Zurückzuführen ist es auf die unermüdliche Arbeit von Heiko Lietz. Er stand dem "Runden Tisch Ausländer", der sich 1991 bildete vor. Auch im "Runden Tisch Kultur" und im "Runden Tisch Soziales" stand er an vorderster Stelle. Dem Runde Tisch Soziales gelang es ab 1992 eine Arbeit über mehrere Jahre auf die Beine zu stellen. Ab 1996 tagte ein "Runder Tisch Soziales - Obdachlosigkeit".

Die Runden Tische nach 1990 beanspruchten kein Beschluss- und Kontrollrecht, wie die Runden Tische zuvor. Zwar sollte auch hier Einfluss genommen werden, aber hauptsächlich durch Artikulation von Interessen, außerparlamentarische Aktionen, Erfahrungsaustausch, Öffentlichkeit, Sensibilisierung für Probleme und Einbeziehung der Verwaltung. Der Vorwurf antiparlamentarisch zu sein, schlug den Runden Tischen immer wieder entgegen.

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