DDR 1989/90Brandenburger Tor

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6.1.1990

Konzeptionelle Vorstellung eines Studentenrates an der BAF

Die Neuorganisation des Studiums, der demokratischen Mitbestimmungs- und Rechtsverhältnisse und die Veränderung der Hochschulbestimmungen bedeuten überall an den Hochschulen den Aufbau einer wirksamen neuen Vertretung der Studenten. Die Vertretung der Studenten auf Hochschulebene ist der Studentenrat, als gewähltes und basisdemokratisch legitimiertes Gremium an der Hochschule.

Das Grundkonzept bzw. die Aufstellung und der Inhalt von Arbeitsrichtlinien dieses Rates stimmen prinzipiell mit denen anderer Hochschulen überein. Spezifische Modalitäten werden allerdings berücksichtigt (Strukturen der Facheinrichtungen, Anzahl der Studenten usw.). Der Studentenrat der Bergakademie kann auf frühere Traditionen zurückgreifen, so auf Berichte des Studentenrates, der bis 1953 existierte. Der Prozess der Gewinnung der Studenten für diese neuen Strukturen und ihre Vertretung ist allerdings langwierig und wird von vielen Missverständnissen (Rat-Bund) beeinflusst. Hinzu kommt, dass das Verständnis für den Rat, die Handhabung demokratischer Wahlen, die Organisation und Durchführung von Diskussionen - allgemein das Bewusstsein der Studenten, Rechte wahrzunehmen und sie durchzusetzen, äußerst gering entwickelt ist. Die "Handhabung" von Demokratie trat dabei als Hauptschwierigkeit zutage, der Rätegedanke ist aufgrund früherer Erfahrungen (FDJ) vielen nur eine zusätzliche Belastung hinsichtlich individueller Tätigkeit (deren Entfaltung). Die Fähigkeit über diese Räte eigene Interessen wirksam durchzusetzen und durchführbar zu machen, bleibt oft in eigener Bequemlichkeit stecken. Die Bereitschaft bei der Übernahme von Verantwortung und das Selbstverständnis der eigenen Macht ist schwach ausgeprägt.

Notwendig ist aber diese Vertretung jetzt schon, da damit begonnen wird, Entscheidungen, die die Studenten betreffen, zu fällen und somit das entstandene "Loch" des Überganges von FDJ zu Studentenrat ausgenutzt wird, um bestimmte Sachlagen (Wohnheime) und Fakten herzustellen.

Deshalb wird sich im Januar ein provisorischer Studentenrat an der Bergakademie bilden, der bis zur Wahl eines legitimierten Studentenrates (voraussichtlich Februar-März) in den Gremien der Hochschule (wissenschaftlicher Rat, gesellschaftlicher Rat) die Interessen der Studenten vertreten wird.

Die Zielstellung des Studentenrates liegt in der Vertretung der Interessen der Studenten (Wohnheime, Absolventenvermittlung, Lehrplangestaltung, Mitbestimmung über Verwendung von Studentenfonds usw.) und unterliegt somit keiner Einschränkung hinsichtlich weiterer Aufgabenstellungen, die sich aus den Interessen der Studenten ergeben.

T(...) F(...)
Student 3. Studienjahr
Initiativgruppe Studentenrat
Bergakademie Freiberg

aus: gesammelte Flugschriften DDR `90, Heft 3, März 1990, erstellt von der Initiative für eine Vereinigte Linke, Technische Gestaltung, Produktion und Vertrieb: ASTA TU Berlin