DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Neues Forum will mittun

Am 23. 11. 1989 fand die erste öffentliche Versammlung der Mitglieder und Interessenten der Betriebsgruppe des Neuen Forums im Stammbetrieb statt. Über 20 Werktätige waren nach Arbeitsschluss gekommen, um zu beraten und zu diskutieren, wie es weitergehen soll in, unserem Land und speziell in unserem Betrieb. Man war sich einig, bei der Lösung der Probleme im Betrieb tatkräftig mitzuwirken und die teilweise Schlamperei auf ökonomischen und ökologischen Gebiet in Zukunft zu verhindern.

Durch die derzeitige Unfähigkeit der Gewerkschaft zur Wahrnehmung der Interessen aller Werktätigen wurde es notwendig, eine gesellschaftliche Kraft ins Leben zu rufen, die konkret an der Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in unserem Tand und speziell im VEB GISAG arbeitet. Wir betrachten die Betriebsgruppe des Neuen Forums als Übergangslösung, bis die Gewerkschaft wirklich so stark geworden ist, um ihre Forderungen gegenüber der staatlichen Leitung auch wirklich durchsetzen zu können. Unsere Forderung, dass außer einer starken Gewerkschaft keine andere gesellschaftliche Organisation oder Partei im Betrieb etwas zu suchen hat, bleibt bestehen.

Nachdrücklich wurde auf folgendes hingewiesen:

- Auf den Gebieten der Arbeitsökonomie, der Durchsetzung des Leistungsprinzips und des dringend benötigten Umweltschutzes muss schnell etwas passieren, denn die Zeit rennt uns davon!

- Wir wollen nicht nur fordern, sondern selbst etwas tun! (z. B. sollten Spendengelder des FDGB dem Umweltschutz in Leipzig oder speziell unserem Betrieb zu Gute kommen)

- Alle, denen etwas an der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen liegt, sind aufgefordert, selbst mit Hand anzulegen!

In der nächsten Zeit müssen folgende Fragen geklärt und gelöst werden:

- Ergibt sich durch ausländisches Kapital die Möglichkeit zur industriellen Kooperation in unserem Betrieb?

- Wie können in Zukunft Fehlinvestitionen verhindert werden?

- Wie kann man durch Abschaffung der Bürokratie und Auslastung aller technischen Möglichkeiten (z. B. Computer) Arbeitszeit und -kräfte einsparen?

- Wie kann man aktuelle Umwelttechnologien auch bei uns im Betrieb anwenden um speziell die schlechte Wasser- und Luftqualität zu verbessern und den Energieverbrauch zu senken?

- Wie kann man unnötige Millionen Ausgaben an Vertragsstrafen, Standgeldern, Lieferverzug und Verspätungszinsen verhindern?

- Wie können noch bestehende administrative Barrieren angebaut werden? Und wie kann der Betrieb über seine finanziellen Fonds und Valuta-Beziehungen selbst entscheiden?

- Wie erreichen wir das richtige Verhältnis zwischen der Rolle der Planung und der Rolle des Marktes?

Weiterhin wurde Rechenschaft von der zurückgetretenen BPO und BGL sowie vom Generaldirektor, auf einer Belegschaftsversammlung im Klubhaus, gefordert. Zu diesen Forderungen wird sich die Betriebsgruppe in einem offenen Brief an den Generaldirektor wenden. Auch wir haben kein "Allheilmittel" für das, was in den letzten Jahren versäumt wurde, aber nur wir alle können gemeinsam aus dieser Krise kommen. Das nächste Treffen des Neuen Forum GISAG wird schon in den nächsten Tagen stattfinden und es ist wieder jeder herzlich eingeladen.

Betriebsgruppe Neues Forum
Remo M(...), S 8

aus: Der Former, Nr. 23, 7. Dezember 1989, 39. Jahrgang, Organ der Leitung der BPO der SED im VEB GISAG "Juri Gagarin", Leipzig - Stammbetrieb des VEB Kombinat baukema, Herausgeber: Leitung der Betriebsparteiorganisation der SED im VEB GISAG "Juri Gagarin", Leipzig - Stammbetrieb des VEB Kombinat baukema

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