DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Neues Forum West

Gründungsaufruf für West-Berlin

DOKUMENTATION

Die DDR ist in Bewegung gekommen, doch die Herrschenden stemmen sich gegen die überfälligen Reformen. Je später diese begonnen werden, um so größer sind die Kosten, um so unsicherer der Erfolg. Die Hoffnungen liegen jetzt bei den in den letzten Wochen entstandenen demokratischen Bewegungen.

Viele ehemalige DDR-Bürger haben in den vergangenen Jahren ihre Heimat aus politischen Gründen verlassen, weil sie die Verhältnisse unter der SED-Herrschaft nicht mehr ertragen konnten und oft auch deren direkte Opfer waren. Häufig war der Weggang sehr schmerzlich.

Die jetzt beginnende demokratische Reformbewegung spricht jene ehemaligen DDR-Bürger ganz unmittelbar an, die sich mit den Menschen, dem Land auch heute noch verbunden fühlen, denen das politische, ökonomische und soziale Schicksal der DDR nicht gleichgültig ist.

Um sich mit der Bewegung "Neues Forum" zu solidarisieren, um die Reformbemühungen in der DDR nicht aus engagierter Distanz zu beobachten, sondern sich nach Möglichkeit in sie einzubringen, schlagen wir vor, umgehend das Neue Forum West zu gründen.

Ziel des Neuen Forums West ist die Zusammenarbeit mit dem Neuen Forum in der DDR, die gemeinsame Diskussion über Wege und Ziele der demokratischen Reformen, die praktische Unterstützung der Arbeit des Neuen Forums.

Wir betrachten uns weder als Exilorganisation noch als ein Hilfskomitee. Wir wollen unseren Beitrag leisten, soweit überhaupt eine Reform von außerhalb unterstützt werden kann. Wir geben uns bewusst den Namen des Neuen Forums, um die Zusammengehörigkeit der Reformkräfte zu betonen. Wir würden uns freuen, wenn das Neue Forum in der DDR uns als ihren Partner begreift.

Viele Kontakte haben auch in den vergangenen Jahren zwischen uns in Ost und West bestanden. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dies klar zu sagen und die Gemeinsamkeiten auch programmatisch auszudrücken.

Die demokratische Erneuerung der DDR braucht auch unsere Kräfte und Erfahrungen.

Guntolf Herzberg, Freya Klier, Lotte Templin

Das erste Informationstreffen für alle Interessierten findet am Mittwoch, 11. Oktober, um 20 Uhr statt. Der Ort ist zu erfragen unter Telefon (...) (...).

aus: taz, Berlin 10.10.89