DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Privilegien

Wir hören Klagen, erhalten Beschwerdebriefe. Über ungleiche Verteilung von Gütern und Dienstleistungen. Reisen, Import-Kfz's, Hotelbetten, Luxuselektronik bis hin zu Dosenbier.

Hierzu ein Wort:

Es kann nicht um Neid und Verpetzen gehen! Vielmehr zeigen die Klagen, wie tief das Gefühl für soziale Gerechtigkeit und Gleichbehandlung in unserer Bevölkerung ist.

Wir müssen uns klarmachen, dass Umverteilung keine Gerechtigkeit herstellen kann. Fünfhundert Krankenhausbetten, zehntausend Bierdosen kann man nicht so verteilen, dass jeder etwas abbekommt. Auch zwanzigtausend Volkswagen werden mehr Zukurzgekommene als Zufriedene erzeugen. Es geht nicht um Konsumspritzen, sondern um gerechte Verteilung unseres Reichtums und unseres Mangels.

Regierungsdienstwagen der Marke "Wartburg", nicht Import-Luxuslimousinen können die Glaubwürdigkeit unserer Führung erhöhen.

Die Abschaffung von Privilegien ist ein moralisches, kein Umverteilungsproblem!

NEUES FORUM, 23.10.1989

aus: Das Neue Forum - Selbstportrait einer Bürgerbewegung, Demokratiebewegung in der DDR, Materialien zur gewerkschaftlichen Bildungsarbeit, DGB-Bundesvorstand, Abt. gewerkschaftliche Bildung, ohne Ort und Datum