DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Links, demokratisch, jung und offen:

- DIE NELKEN -

NT sprach mit dem Bezirksorganisator der Partei, P(...) S(...)

An zwei nacheinanderliegenden Wochenenden haben sich nun DIE NELKEN getroffen. Wird das nicht ein bisschen viel des Guten?

Keineswegs, denn die Zeit bis zum Wahltag 18. März [Volkskammerwahl] ist knapp. Um als neue linksorientierte Partei um Sitze in den Volksvertretungen ringen zu können, brauchen wir natürlich ein möglichst starkes Wahlbündnis. Aus diesem Grunde sind an jenem Tag alle die willkommen, die wie wir in einem Aktionsbündnis die einzig reale Chance sehen, unser Land künftig nicht vereinnahmen zu lassen.

Wer sind für Sie potentielle Bündnispartner?

Alle einzelnen Bürger, Parteien und Bewegungen, die ehrlich für eine linke und demokratische Alternative wirken. Aus unserer Sicht sind das natürlich unsere Mitstreiter in der Vereinigten Linken, wir denken auch an den Unabhängigen Frauenverband, die Grüne Partei, die Initiative für Frieden und Menschenrechte, an Demokratie jetzt und verschiedene Basisgruppen des Neuen Forums.

Die Frage einer starken Interessenvertretung gegen den Abbau wichtiger sozialer Errungenschaften kristallisiert sich für viele potentielle Wähler mehr und mehr heraus.

Zu Recht, denn wie viel Erhaltenswertes gibt es doch in unserem Lande: kostengünstige Kindereinrichtungen, Schulwesen zu niedrigen Preisen, ein für alle offenstehender Bildungsweg unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, die Jugendweihe für interessierte junge Leute, den Frauen- und Mütterschutz, eine kostenlose medizinische Betreuung, das Recht auf Arbeit.

Wir befürchten, dass sich nun die Ellenbogengesellschaft der leistungsfähigen Männer formiert, in der die sozial Schwachen, die Kinder, Jugendlichen und Frauen, die Behinderten, die Älteren, die Rentner an den Rand gedrängt werden. Für sie wollen wir energisch eintreten, uns gemeinsam mit ihnen gegen den Verfall wahrer Werte zur Wehr setzen.

Also Ansprechpartner soziale Randgruppen?

Ganz gewiss nicht nur diese, doch gerade sie bedürfen der Rückenstärkung, wird das Wort Leistungsgesellschaft ernst genommen. In gleichem Maße geht es uns jedoch um die Werktätigen.

Wenn wir grundlegendes gesellschaftliches Eigentum bewahren wollen, bedeutet das für uns, es zu einem wirklichen Volkseigentum zu gestalten. Der Artikel 42/1 der Verfassung liegt uns in diesem Zusammenhang besonders am Herzen und damit eine direkte Teilnahme der Werktätigen an der Verwaltung der Betriebe. Starke Gewerkschaften - ja, aber sie müssen unserer Auffassung nach durch entsprechende gewählte Gremien - möglicherweise nennt man sie Räte - ergänzt werden. Diese müssen über reale Mitbestimmungsmöglichkeiten verfügen. Wir wollen schließlich nicht die Herrschaft der Parteibürokratie durch die Herrschaft des Kapitals ablösen.

Damit orientieren Sie auf eine große gesellschaftliche Breite an Mitgliedern.

Als zeitlich gesehen junge Partei nehmen wir Interessierte schon ab 16 Jahre auf, sind aber ebenso offen für Ältere, die sich durch unsere Ziele angesprochen fühlen. Eine Kontaktadresse wäre Strausberg, 1260, PSF (...).

(Es fragte Gabriele Rataj.)

aus: Neuer Tag, Nr. 49, 27.02.1990, 39. Jahrgang, Herausgeber: Verlag Neuer Tag