DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Grüne Liga

Die ersten Anhänger eine Ökologiebewegung traten Ende der siebziger Jahre auf.

Ende der siebziger Jahre wurde von Schwerin ausgehend Baumpflanzaktionen durchgeführt. Rostock folgte. Hier gab es Kontakte zur GPG Baumschule und dem VEB Gartengestaltung.

Baumpflanzaktionen gab es republikweit. Zusammen mit dem VEB Grünanlagenbau wurden Bäume in der Nähe des Dresdner Hauptbahnhofs gepflanzt.

In Altenburg wurden 1984 von der Gruppe Öko-Solidarität 1 500 "rauchfeste" Lärchen gepflanzt. Auch die ÖKO-PAX Aue führte Baumpflanzaktionen durch.

Anfang noch von den staatlichen Organen unterstützt, endete die Unterstützung aber, als sich die entstanden Umweltgruppen nicht in den gewünschten staatlichen Rahmen einbinden ließen.

In Berlin fanden im Juli 1982 die ersten innerstädtischen Radlerdemo statt. Am Weltumwelttag am 05.06.1983 startete eine Fahrraddemo zu den Buna Werken. Fast alle Teilnehmer wurden aber schon in Halle abgefangen. Um ein Demoverbot zu umgehen wurden Tarnnamen gewählt. So hieß die Demo am 04.06.1989 in Leipzig "Pleißepilgerweg".

Nach dem Umwelttag 1981 wurde in Leipzig die erste Arbeitsgruppe Umweltschutz gegründet.

Hauptkritikpunkt waren die schweren Umweltschäden in den Gebieten der kohleverarbeitenden Industrie.

1984 kann sich die Forderung nach einem Dachverband aller Ökologiegruppen nicht durchsetzen. Ebenfalls 1984 legte Petra Kelly (BRD-Grüne) bei einem Besuch in Ostberlin Gedanken einer Sektion der DDR-Grünen als Teil der internationalen Grünen Bewegung da. Wobei für sie die DDR-Grünen mit den BRD-Grünen verbunden seien könnten.

Die Umweltbewegung stellte vor der Wende im Wesentlichen weder den politische noch die wirtschaftliche Mainstream in Frage. Da sie für die Staatsmacht von ihren Anliegen her nicht als so bedrohlich wie andere Bewegungen angesehen wurde, war sie auch für weniger mutige attraktiv. Zumal auch viele der handelnden Personen darauf achteten, die Staatsmacht nicht zu sehr zu "reizen". Allerdings hatten die Umweltgruppen Kontakte zu ausländische Umweltgruppen wie sonst keine anderen Gruppen. Was sie für die staatlichen Organe wiederum verdächtig machte. Eine Zusammenarbeit der staatlichen Gesellschaft für Natur und Umwelt (GNU) fand verschiedentlich statt. In den Jahren 1988 und 1989 gab es Gespräche zwischen Umweltgruppen und staatlichen Vertretern.

In der Berliner Zionsgemeinde wurde im September 1986 die ersten Umweltbibliothek (UB) eröffnet. Sie gab ein Mitteilungsblatt, die Umweltblätter, heraus. UBs gründeten sich danach noch in verschieden anderen Städten der DDR. Laut Wolfgang Rüddenklau soll die UB in Berlin bis 1989 zu etwa 200 Gruppen in der DDR Kontakte gehabt haben. Von denen aber nicht alle Umweltgruppen waren. Im November 1987 ging die Staatsmacht massiv gegen die UB in Berlin vor. Aufgrund der Proteste konnte die Schließung verhindert und die Inhaftierten mussten freigelassen werden.

In der Folgezeit kristallisiert sich der Teil der Umweltbewegung heraus, die eine "projektbezogene" Umweltpolitik betreiben wollen, ohne gleich die Staatsorgane auf den Plan zu rufen. Nicht das politische und wirtschaftliche System solle beseitigt, sondern ökologisch verbessert werden. Dazu gehörte eine mit Fakten untermauerte Umweltpolitik, größere Professionalität und sogenannte Fachkompetenz.

Um die Ziele zu erreichen, wurde auch eine bessere Vernetzung, inhaltliche und thematische Kooperation sowie verbindliche Organisationsstrukturen angestrebt.

Den Umweltblättern warfen sie Unseriosität vor. Außerdem spielte der Umweltschutz in ihnen nur eine Rolle unter anderen.

Im Jahre 1988/89 soll es rund achtzig bis neunzig Umweltgruppen gegeben haben.

Im Januar 1988 wurde in der Wohnung von Carlo Jordan die "ARCHE Grün - ökologischer Bund", später "Grünes Netzwerk 'Arche'" genannt, gegründet. Es wurde die Zeitung ARCHE NOVA herausgegeben außerdem Arche-Infos. Erste Pläne dazu wurden auf dem 4. Berliner Ökologieseminar im November 1987 diskutiert und verworfen. Den Gründern wurde Profilierungssucht vorgeworfen und sie wurden als Funktionärsclique bezeichnet, weil sie sich über das Votum vom November 1987 hinweggesetzt haben und warfen ihnen die Abkehr vom basisdemokratischen Prinzip vor. Schon vor und nach der Gründung der Arche gab es erhebliche Spannungen innerhalb der UB - die Gründer waren auch UB-Mitglieder. Die in Ausschlüssen und einem Unvereinbarkeitsbeschluss der UB gegenüber Mitgliedern der Arche gipfelte.

Am 13.04.1988 informierten die Arche in Bitterfeld über ihre Arbeit. Ende 1988 bildete sich innerhalb der Arche-Projektgruppe "Ökologie und Menschenrechte" die Arbeitsgruppe "Kommunalwahlen". Es wurde versucht Kandidatinnen auf der Liste der Nationalen Front zu platzieren. Was aber misslang. Daraufhin wurde in Halle im April 1989 beschlossen zur Volkskammerwahl 1991 mit einer eigenen "Grünen Liste" anzutreten. Auch grenzüberschreitende Kooperation nach West wie Ost wurde gesucht.

Unterstützung aus dem Westen wurde der ARCHE vom Bundesnachrichtendienst angeboten, die aber abgelehnt wurde, so eine Arche-Aussage. Unterstützung erhielt sie von ehemaligen DDR-Bürgern im Westen, "Arche-West".

ARCHE-Mitglieder waren an der Gründung der Grünen Partei beteiligt.

Anfang 1989 gab es Bestrebungen aus der Nische der Kirche herauszutreten. Wobei die VertreterInnen dieser Position auf starke Vorbehalte trafen.

Auf dem Menschenrechtsseminar vom 24. bis 28. August 1989 bildete sich der Vorläufer der "Grünen Liste" beim sich im September 1989 gründenden Neuen Forum.

Auf einem Delegiertentreffen zahlreicher Umweltgruppen am 05. November 1989 traten TeilnehmerInnen mit der Gründung einer Grünen Partei an die Öffentlichkeit. Es kam zu massiven Protesten dagegen, derer, die eine Sammlungsbewegung ins Leben rufen wollten. Die Mehrheit der Anwesenden sprach sich für einen Umweltdachverband aus.

Einen Aufruf zur Bildung eines Dachverbandes der Grünen Liga erfolgte am 18.11.1989. In dem Aufruf heißt es u.a. "Das Wissen um den Ernst und die Dringlichkeit der globalen und lokalen ökologischen Probleme führt uns zusammen. Die Mitverantwortung, die jede und jeder von uns für die Lösung der anstehenden, schier unbewältigbaren Aufgaben des Umweltschutzes in der DDR in sich spürt, drängt uns zum Handeln. Dieses Handeln kann nur ein gemeinsames sein. Ungeachtet unterschiedlicher Erfahrungen und Weltanschauungen wollen wir uns zusammenschließen zur Aktionseinheit aller umweltbewussten Kräfte. Wir rufen daher zur Gründung einer 'Grünen Liga' auf. Sie soll unser gemeinsames Dach zur Rettung unserer natürlichen Lebensgrundlagen, zur Stimulierung alternativer Denk- und Verhaltensweisen und zur Überwindung des ökologischen Handlungsdefizits in unserer Gesellschaft sein." Er wurde von 36 Vertretern verschiedener Gruppen unterzeichnet. Am 21.11.1989 ruft die Argus-Gruppe Potsdam zur Bildung der Grünen Liga auf.

Während des 6. Berliner Ökologieseminars am 24.-26.11.1989 wurde dann die Gründung vorbereitet. Gleichzeitig konstituierte sich vor dem Seminar die Grüne Partei. Was lautstarke Proteste hervorriefen. "Die Gründung einer Grünen Partei zum gegenwärtigen Zeitpunkt, noch dazu ohne Konsultation der gesamten grünen Basis des Landes, mit dilettantischer und unausgewogener Programmatik und auf die von den Initiatoren praktizierte unfaire, egoistische Art und Weise spaltet objektiv die grüne Bewegung", meinte die Grüne Liga zur Grünen Parteigründung.

Einen ersten Aktions- und Informationstag der Grünen Liga findet am 07.01.1990 in Berlin im Haus der Jungen Talente statt. Verbunden mit der obligatorischen Fahrraddemo. Bekräftigt wird der Aufbau der Grünen Liga als Netzwerk. Ein Sprecherrat soll nicht weisungsgebunden sein.

Am 03.02.1990 findet der Gründungskongress der Grünen Liga im Clubhaus der Bunawerke Schkopau statt. Um 20.13 Uhr wird die Gründung der Grünen Liga verkündet. Es wird das Selbstverständnis als parteiübergreifender Dachverband bekräftigt, ein Programm und Statut angenommen, sowie ein zentraler Sprecherrat gewählt. Klaus Schlüter aus Schwerin erhält ein Mandat Minister in der Regierung Modrow zu werden. Mit Matthias Platzeck stellt die Grüne Liga auch den Minister in der Regierung Modrow für die Grüne Partei.

Standesgemäß wurde ein Fahrradkorso veranstaltet.

Auf dem Kongress wurden Ängste vor einem "grünangestrichenen Politbüro" mit Sitz in Berlin geäußert. Von der Arche wurden Vorbehalte gegen eine Zusammenarbeit mit der staatsgenehmen Gesellschaft für Natur und Umwelt vorgebracht.

Gründungsmitglieder der Grünen Liga waren u.a. Ingo Ludwig, Leif Miller, Matthias Platzeck, Heidrun Rottenbach, Klaus Schlüter, Mathias Voigt, Iri Wolle.

Als Gäste nahmen u.a. der BUND-Vorsitzende Hubert Weinzierl und Eva Quistorp von den BRD-Grünen daran teil. Als Gast sprach Rudolf Bahro. Er sagte: "Es gibt keinen tieferen Gegensatz als Kapitalismus und Ökologie. Weltmarkt und Weltzerstörung sind identisch". Weitere Gäste kamen aus den Niederlanden, der Schweiz und Abgeordnete des Europaparlaments.

Mathias Voigt, rief die Grüne Partei und das Neue Forum auf, sich unter dem Namen "Grünes Forum" zusammenzuschließen.

Ihr Selbstverständnis formulierte die Grüne Liga so:

Die Grüne Liga ist ein Aktionsbündnis von Arbeitsgruppen, die in der DDR für Natur- und Umweltschutz tätig sind. Sie bildete sich auf der Grundlage eines gemeinsamen Aufrufs von Umweltschützern des Grünen Netzwerks Arche, Ökologiegruppen der Gesellschaft für Natur und Umwelt und einigen unabhängigen Gruppierungen. Ausgangspunkt dafür war die Erkenntnis, daß die Umweltprobleme in der DDR ein solches Ausmaß angenommen haben, daß eine starke Gemeinschaft nötig ist; um die Probleme in Angriff zu nehmen. Um das zu ermöglichen, hat sich die Grüne Liga eine Satzung gegeben, die Basisdemokratie und Eigenständigkeit aller Gruppen gewährleistet. Die Grüne Liga ist eine unabhängige, nichtstaatliche und parteienübergreifende Vereinigung, in die sich alle Natur- und Umweltschutzgruppen und -verbände und darüber hinaus die Umweltfraktionen von Parteien einreihen können. Als Verband organisiert, strukturiert sich die Grüne Liga als Netzwerk.

Im selben Monat erfolgte die Gründung des Grüne Liga Bundesverbandes. Der erste Rundbrief des Bundesverbandes erschien im August 1990. Vorläufer des ALLIGATOR. Im Dezember 1990 erschien die erste Ausgabe der Berliner Umweltzeitung "Der Rabe Ralf". Christian Morgensterns Morgenlieder stand für den Titel Pate. Die Grüne Liga betreibt mit NATOUR einen eigenen Reiseveranstalter.

Die Grüne Liga nahm an der erste Umweltkonferenz Dresdner und Hamburger Ökogruppen im Februar 1990 in Dresden teil. Das Motto der Konferenz lautete: "Umwelt braucht Bewegung". In einer Erklärung wurde die Sorge geäußert, dass angesichts der Dynamik des Vereinigungsprozesses der beiden deutschen Staaten die Gefahr bestehe, dass die ökologischen und demokratischen Impulse, die die Umwälzung in der DDR im Oktober 1989 getragen haben, auf der Strecke bleiben.

Der Grünen Liga schlossen sich die Umweltbibliothek und der Ökologischer Arbeitskreis der Dresdner Kirchenbezirke an.

Die Grüne Liga nahm nicht an der Volkskammerwahl am 18.03.1990 teil. Es wurde ein Beschluss gefasst, sich nur an den Kommunalwahlen zu beteiligen.

Materielle Unterstützung bekam die Grüne Liga von den West-Grünen.

Die Grüne Liga war ein Mitinitiator des gesamtdeutschen Grünen Tisches im März 1990 in Berlin. Es wurde ein Mitspracherecht bei allen umweltrelevanten Entscheidungen verlangt. Zugang zu Informationen und Daten. Den Ausbau des Schienennetzes im Nah- und Fernverkehr und den flächendeckenden Ausbau des bleifreien Tankstellennetzes in der DDR.

Auf dem Kongress in Leipzig im Mai 1990 wurde den Basisgruppen freigestellt, bei Wegfall der selbständigen Körperschaft DDR sich für andere Verbände zu entscheiden.

Ein "Wurzeltreffen" fand im Oktober 1990 in Potsdam statt.

Zu den gesamtdeutschen Wahlen ging die Grüner Liga mit dem Neue Forum, Demokratie Jetzt, Die Grünen (DDR), Initiative Frieden und Menschenrechte, Unabhängiger Frauenverband, Einzelpersonen der Vereinigte Linke und Die Grünen (BRD) eine Listenverbindung unter dem Namen "Die Grünen/Bündnis 90-BürgerInnenbewegungen" ein.

Auf der Bundesdelegiertenversammlung wird 1994 eine neue Satzung verabschiedet. Neben allgemeinen Grundsätze der Grünen Liga wurden Grundsätze zu fachlichen Themen verabschiedet.

Seit 1995 veranstaltet die Grüne Liga jedes Jahr das "Umweltfestival" in Berlin. Im März 2010 feierte die Grüne Liga mit einem Fest in Berlin ihr 20jähriges bestehen.

Die Grüne Liga ist organisatorisch auf das Gebiet der ehemaligen DDR beschränkt und fest in Männerhand. Eine Ausweitung auf das gesamte Bundesgebiet ist nicht vorgesehen. Die Grüne Liga hat auch ein Büro im Haus der Demokratie und Menschenrechte in Berlin. Dort liegt von verschieden Organisationen Werbematerial aus. Keine andere Organisation legt dort so viel bedrucktes Papier aus wie die Grüne Liga.

Im Dezember 1989 trafen sich VertreterInnen von Umweltgruppen mit dem damaligen Bundesumweltminister Töpfer (CDU) in Bonn.

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