Babyjahr für Männer

Juristisch verkündete Gleichstellung von Frau und Mann, sowie Berufstätigkeit der Frauen, wie sie in der DDR in hohem Prozentsatz besteht, bedeuten nicht automatisch Gleichberechtigung. Da Männer aufgrund geringerer familiärer Belastungen als die stabile Arbeitskraft gelten, stehen Frauen in den gegenwärtigen wissenschaftlich-technischen und politischen Umwälzungen hinten an. Die soziale Benachteiligung der Frau in unserer Gesellschaft zeigt sich besonders in der

- Dreifachbelastung durch Beruf, Haushalt, Kindererziehung;

- Ökonomischen und sozialen Lage allein erziehender Mütter sowie Rentnerinnen.

Die differenzierte Entfaltung weiblicher Individualität muss akzeptiert werden, das erfordert die Überwindung der alten Rollenverteilung. Es ist notwendig

- die Überprüfung bzw. der Abbau der Geschlechtsspezifik von Berufen verbunden mit einer gesellschaftsnotwendigen Entlohnung stritt traditioneller (z.B. zu niedrige Löhne typischer Frauenberufe in der Leichtindustrie, Handel, usw.)

- eine Quotenregelung an Entscheidungsstellen in Politik und Wirtschaft anzustreben, d.h. bei gleicher Kompetenz die Bewerberin dem Bewerber (bis 50prozentiger Besetzung) vorzuziehen, um eine höhere Repräsentanz der Frauen zu gewährleisten

- eine auf Partnerschaftlichkeit orientierte Familienpolitik zu entwickeln, d. h. Übertragung der bestehenden sozialen Begünstigungen auf Männer bzw. auf Väter (40-Stunden-Woche, Teilzeitarbeit, Haushaltstag, Babyjahr/e), sowie Aufwertung der Kindererziehung als gesellschaftliche Arbeit

- das Problem sexistischer Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu erkennen, gewaltbegünstigende Strukturen abzubauen und gesetzlich nicht zu begünstigen (z. B. Gewalt in der Ehe)

- Infra- und Wirtschaftsstrukturen frauenfreundlicher zu gestalten

- Frauenbezogene Projekte zur Selbsthilfe sowie Analyse (z.B. Frauenzentren, Frauenforschungsinstitute) zu unterstützen und zu fördern.

Frauengruppe GRÜNE PARTEI LEIPZIG

aus: Leipziger Volkszeitung, Nr. 23, 27./28.01.1990, 45.(96.) Jahrgang, Organ für die Interessen des werktätigen Volkes, Herausgeber: Bezirksleitung Leipzig der SED-PDS