DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Denkansätze grüner Politik

Man muss nicht unbedingt in Leipzig oder Borna wohnen, um den beängstigenden Zustand unserer natürlichen und sozialen Umwelt tagtäglich zu erleben. Zwei Dutzend hochentwickelte Industrienationen sind auf dem besten Wege, die Lebensgrundlagen für kommende, ja bereits für die heute lebenden Generationen irreparabel zu zerstören. Rücksichtslose Ausbeutung der Natur und Vergeudung endlicher Ressourcen, Verseuchung von Wasser, Luft und Boden und die sich bereits abzeichnenden Klimaveränderungen kennzeichnen den Ernst der Situation. Ebenso bedenklich sind der Rückzug in die private Nische, das Verdrängen der Probleme von Alten, Behinderten und Randgruppen oder die Verarmung der Persönlichkeit durch einseitige Orientierung auf materiellen Konsum.

Gründet sich nicht der Wohlstand der einen auf die Armut und den Hunger der anderen, die Freiheit weniger auf menschenunwürdiges Leben vieler?

Der Umbruch in unserem Land eröffnet die Möglichkeit, einen deutlichen Schritt in Richtung auf eine menschlichere Welt und Um-Welt zu tun. Bisher jedoch beeilen sich einige der alten und neuen Parteien, mit Blick auf die anstehenden Wahlen, ihre Programmatik auf das Bedürfnis nach immer größerem Wohlstand auszurichten. Darüber können auch die mittlerweile zum guten Ton gehörenden Punkte zu Ökologie und Umweltschutz nicht hinwegtäuschen. Denn angesichts begrenzter Mittel kommt es heute auf die Setzung von Prioritäten an.

Deshalb setzt sich die Grüne Partei unter anderem ein:

- für den Schutz unserer natürlichen Umwelt durch den ökologischen Umbau der Industriegesellschaft,

- für eine gerechte Weltwirtschaftsordnung und damit eine grundlegende Veränderung der Situation in der dritten Welt,

- für die Entwicklung alternativer Angebote zur Konsumgesellschaft,

- für die volle Einbeziehung gesellschaftlicher Minderheiten und Randgruppen,

- für eine schnelle und drastische Reduzierung der Militärausgaben,

- gegen jede Form von Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Neofaschismus.

Arbeitsgruppe Grünes Denken

ARBEITSTREFFEN am 13.1.1990: 10-18 Uhr; in der Trinitatiskirche Anger-Crottendorf - Interessierte sind herzlich eingeladen!

GEPLANT: Parteitag der Grünen für 9.-11.2. 1990 in Halle. Ab Januar verfügt die Grüne Partei über Arbeitsräume in der Bernhard-Göring-Str. 152.

aus: Leipziger Volkszeitung, Nr. 306, 30./31.12.1990, 45.(96.) Jahrgang, Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes, Herausgeber: Bezirksleitung Leipzig der SED-PDS