DDR 1989/90Brandenburger Tor

Impressum


Initiative Ausländerinnen in der DDR

Wir Ausländerinnen in der DDR begrüßen die selbständige demokratische Frauenbewegung und möchten aktiv die Forderungen aller Frauen nach sozialer Gleichberechtigung und Chancengleichheit unterstützen.

Wir möchten nicht mehr allein gelassen und uns selbst überlassen sein. Wir treten nach langem Schweigen an die Öffentlichkeit.

Wir wollen nicht nur den großen Frieden, wir wollen Frieden in der Familie, Frieden im Haus, Frieden im Wohngebiet, Frieden in den Städten und Gemeinden, Frieden in diesem Land.

Wir Frauen aus verschiedenen Ländern der Welt, die in der DDR wohnen, arbeiten und ihre Kinder erziehen, haben eine Reihe ähnlicher beruflicher und familiärer Probleme wie die DDR-Frauen auch. Außerdem stehen wir vor zahlreichen Schwierigkeiten, die sich vor allem aus einer weit stärkeren gesellschaftlichen Isolation ergeben, die ganz besonders alleinlebende Ausländerinnen trifft. Die Integration in das gesellschaftliche Leben dieses Landes erschweren auch die bestehenden gesetzlichen Regelungen und Verordnungen, insbesondere bei

- der Einstellung in Betrieben und Institutionen entsprechend der Qualifikation;

- der Möglichkeit des Arbeitsplatzwechsels;

- der Sozialisation und der Akzeptanz unserer Kinder in Vorschul- und Schuleinrichtungen sowie im Wohngebiet;

- der Teilnahme am politischen Leben.

Zur Verbesserung unserer Arbeits- und Lebensbedingungen, für ein qualitativ neues Mit- und Füreinander aller Bürger der DDR fordern wir

- gleiche Rechte auf Arbeit, soziale Leistungen und soziale Sicherheit;

- gleiche Rechte im Rahmen des Reisegesetzes;

- Präzisierung, Vervollkommnung und evtl. Erweiterung der vorhandenen Gesetze für Ausländer sowie deren Zugänglichkeit;

- öffentliche Darlegung der Forschungsergebnisse zur Lage der Ausländer und Ausländerinnen in der DDR;

- Integration statt Isolation, Solidarität und Toleranz statt Diskriminierung und Ignoranz bis hin zur Ausländerfeindlichkeit;

- Interessenvertretung in gesellschaftlichen Organisationen und Institutionen sowie politischen Gremien und Parteien.

Wir würden die Einrichtung eines Frauenzentrums, wo auch unsere sozialen, kulturellen und juristischen Probleme beraten werden können, sehr begrüßen.

Die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, den Humanismus und Internationalismus können wir nur durch solidarische Unterstützung aller gesellschaftlichen Gremien erreichen. Nur dann können wir gemeinsam einen würdigen Beitrag zur Schaffung eines europäischen - und weltweiten - Hauses leisten!

Wir rufen alle Frauen der DDR, alle Bürger für ein ausländerfreundliches Land, für eine offene Gesellschaft auf!

Für die Integration aller Randgruppen in die Gesellschaft!