DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Beim Wunschkind bleiben

Wir DDR-Frauen sind es gewohnt, über uns selbst zu bestimmen. Die Entscheidung für ein Kind prägt das Leben jeder Frau auf neue Weise. Kinder sollen als Wunschkinder in eine Welt kommen, in der sie erwartet und geliebt werden.

Daher ist es dringend erforderlich, gesellschaftliche Gegebenheiten so einzurichten, dass Frauen ohne Angst vor sozialem und beruflichem Abstieg "ja" zum Kind sagen können. Die Erziehung von Jungen und Mädchen zum verantwortungsbewussten Umgang mit dem Leben tut da ein übriges. Die Kriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und die Zwangsberatung von schwangeren Frauen stellen eine Verletzung der Menschenwürde dar. Wir werten das als Einschränkung unserer persönlichen Freiheit.

Wieso kommen die Anschläge gegen die Freiheit gerade von dort, wo ständig die Freiheit lautstark und bunt proklamiert wird. Über unseren Körper entscheiden wir selbst! Dazu sind wir mündig. Wir müssen auch die Folgen unserer Entscheidung selbst tragen.

Ausdrücklich wenden wir uns auch gegen die finanzielle Beteiligung von Frauen an den Kosten des Eingriffs. Sie träfe die sozial Schwachen am härtesten. Außerdem wäre sie einfach ungerecht: Auch Männer haben ihren Anteil an ungewollten Schwangerschaften.

Frauengruppen Berlin-Hellersdorf

aus: Für Dich, Nr. 25, Juni 1990