DDR 1989/90Brandenburger Tor

Impressum


Gewerkschaft der Eisenbahner

Für die Rechte und Sicherheiten unserer Eisenbahner

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Seit dem 15. Februar sind wir nicht mehr Mitglieder des FDGB, sondern der "Gewerkschaft der Eisenbahner" (GdE). Diese Gewerkschaft ist parteipolitisch unabhängig, hat Streikrecht, Tarifautonomie und Finanzhoheit. Sie ist freiwilliges Mitglied des Dachverbandes. Die enge Zusammenarbeit mit den ausländischen Gewerkschaften, insbesondere der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands - Bundesbahn (GdED), ist in der Satzung ausdrücklich verankert. Damit ist der Rahmen für eine radikale demokratische Erneuerung gesetzt: Jetzt liegt es an uns, was wir daraus machen!

Es gilt, eine starke Gewerkschaft neu aufzubauen. Eine Gewerkschaft, in der unsere Rechte und sozialen Sicherheiten vertreten werden. Ein erster Teilerfolg im Kampf um die sozialen Sicherheiten ist die zwischen dem geschäftsführenden Vorstand der GdE und der Unternehmungsleitung der Deutschen Reichsbahn ausgehandelte Vereinbarung über ein Rationalisierungsschutzabkommen für Beschäftigte der Deutschen Reichsbahn. Diese Vereinbarung ist nachstehend im vollen Wortlaut abgedruckt.

[gemeint ist der Abdruck in der Betriebszeitung "Güterwagen"]

Ich möchte aber an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir in der Diskussion mit unseren Vertrauensleuten über diese Vereinbarung zu einer sehr wesentlich ergänzenden Forderung gekommen sind, die wir in einem gesonderten Schreiben an den geschäftsführenden Vorstand der GdE eingebracht haben. Auch dieses Schreiben ist im vollen Wortlaut oben abgedruckt.

[gemeint ist der Abdruck in der Betriebszeitung "Güterwagen", Schreiben siehe unten]

Ihr steht also, unsere ersten neuen Schritte in einer basisorientierten Richtung. Wir sind aber in der Bewältigung dieser neuen Aufgaben nicht nur auf uns allein gestellt. Wir bekommen Hilfe, Unterstützung und Anleitung von allen Gewerkschaftsfunktionären der GdED. Hier interessieren uns besonders solche Fragen wie zum Beispiel

Gegenwärtig befinden wir uns in unserem Werk in einer sehr wichtigen und entscheidenden Phase: Wir wählen unsere Gewerkschaftsvertreter. Ich hoffe und wünsche uns, dass wir mit dem Erscheinen dieser Zeitung die Wahl der Vertrauensleute abgeschlossen haben. und möchte es an dieser Stelle nicht versäumen, im Namen der BGL allen gewählten Vertrauensleuten unseren herzlichsten Glückwunsch auszusprechen.

Im Anschluss daran treten wir mit allen Vertrauensleuten in die Diskussion für eine neu zu wählende Struktur der AGL und BGL oder vielleicht in die Wahl einer BGL mit paritätischer Zusammensetzung. Auf alle Fälle wird in unserem Betrieb nur so eine Leitungsstruktur installiert, die die Gewerkschafter unseres Werkes zu ihrer Interessenvertretung für die wirksamste ansehen.

Abschließend möchten wir alle Gewerkschafter bitten, die engagiert und willens sind, aktiv bei der Interessenvertretung unserer Eisenbahnerinnen und Eisenbahner mitzuwirken, sich einer Kandidatur zur Wahl zu stellen.

M(...) S(...)

 

Schreiben an die Gewerkschaft der Eisenbahner

Unter den Linden 15,
Berlin, 1086

Werte Kollegen!

Die Gewerkschafter des Reichsbahnausbesserungswerkes Magdeburg begrüßen die abgeschlossene Vereinbarung zum Rationalisierungsschutzabkommen. Sie zeugt vom ersten Erfolg der Gewerkschaft bei der Wahrnehmung der Interessenvertretung unserer Eisenbahner. Beanstandet wird jedoch, dass in dieser Vereinbarung zum Beispiel auch die früheren Angehörigen des Ministeriums für Staatssicherheit Berücksichtigung finden. Da ihnen die volle Dienstzeit angerechnet wird, ist der Sachstand zu verzeichnen, dass diese Kollegen bereits über mehr als 20 Dienstjahre verfügen können. Das steht in einem krassen Verhältnis zu den Kollegen, die in angestrengter, körperlich schwerer Arbeit ihre Dienstjahre bei der Deutschen Reichsbahn erarbeitet haben.

Aus diesem Grund fordern die Gewerkschafter des Reichsbahnausbesserungswerkes Magdeburg mit Nachdruck, dass in diesem Rationalisierungsschutzabkommen nur die tatsächlich geleisteten Dienstjahre bei der Deutschen Reichsbahn berücksichtigt werden und in diesem Sinne der Paragraph 33 des Rahmenkollektivvertrages verändert wird.

S(...),
stellv. BGL-Vorsitzender

aus: Güterwagen, Nr. 5/90, 19. März, 36. Jahrgang, Zeitung der Werkstätteneisenbahner des Reichsbahnausbesserungswerkes Magdeburg, Herausgeber: Werksleitung des RAW Magdeburg

Δ nach oben