DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Kongress für einen Generalstreik

Der außerordentliche FDGB-Kongress hat vorige Woche fast 30 Tagungsstunden eine radikale Erneuerung der Gewerkschaften geschafft. Dass es dabei zeitweise sehr turbulent zuging, war zu erwarten, aber es wurde auch konstruktiv gearbeitet.

Der alte FDGB wurde begraben! Ob der Name bleibt wird die Basis entscheiden. Starke, unabhängige Einzelgewerkschaften unter einem Dachverband werden für die Interessen der Belegschaft kämpfen.

Der Apparat wird um 80 Prozent reduziert! Bis zum 31. 3. 1990 werden alle FDGB-Kreis- und -Bezirksvorstände aufgelöst.

Der Kongress hat Aktionsprogramm, Satzung und Grundsatzanträge verabschiedet. Schwerpunkt war jedoch das Gewerkschaftsgesetz, das zusammen mit einer Verfassungsänderung die Rechte der Interessenvertretung sichern soll (Streikrecht und Aussperrungsverbot), gegen Sozialabbau und Unternehmerwillkür!

Dieses Gesetz muss noch vor dem 18. März 1990 durch die Volkskammer verabschiedet werden! Dafür mit allen Mitteln zu kämpfen, beschlossen die 2 500 Delegierten einstimmig!

Unsere neue Vorsitzende, Helga Mausch, und der ganze Kongress fordern alle Gewerkschaftsmitglieder auf, in einer Urabstimmung die Bereitschaft zum Generalstreik für das Gewerkschaftsgesetz zu erklären.

Vertrauensleute!

Sprecht darüber mit den Kollegen. Das Gesetz steht in der "Tribüne" vom 5.2.1990. Hängt es an eure Wandzeitungen!

Die Urabstimmung müssen wir bin zum 28. 2. 1990 organisieren. Helft mit bei der Vorbereitung! Es lohnt sich, für unsere soziale Sicherheit zu kämpfen, wenn notwendig mit Generalstreik!

R(...) K(...), F(...) P(...)
Delegierte des außerordentlichen FDGB-Kongresses
VEB Fischfang Rostock

aus: plattFORM, Nr. 6, 13. Februar 1990, Freies Wochenblatt für mündige Bürger, auf der Rostocker "Plattform" stehen: Neues Forum, SPD, DA, Grüne Partei, Demokratie Jetzt und Vereinigte Linke)