DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Kann man's mit den Frauen wirklich machen?

Direktor duldet keine Gewerkschaftsarbeit im Betrieb

Wir sind ein Pharmazeutischer Betrieb mit etwa 700 Beschäftigten, davon sind etwa 70 Prozent Frauen. Letzteres scheint des Pudels Kern der Handlungsweise unseres Direktors und seiner Handlanger zu sein. Sie sind wohl der Meinung, dass man es mit uns Frauen machen kann. Man hat es verstanden, Angst zu verbreiten, den Arbeitsplatz. zu verlieren. Direktor Dr. H(...) F(...) akzeptiert keine gewerkschaftlichen Aktivitäten. Die BGL und das Kollektiv der Vertrauensleute lösten sich auf. Im Moment, wo die Gewerkschaft ein echter Interessenvertreter der Werktätigen sein muss, existiert bei uns nichts. (Drei Kolleginnen der alten BGL halten die Kassierung und das gewerkschaftliche Minimum aufrecht). Aus Angst um den Arbeitsplatz wagt niemand, sich zu engagieren.

Unser Mitspracherecht wird vollkommen ignoriert. Über ein Konzept der Zukunft des Betriebes wird die Belegschaft nicht informiert. Nur der "Buschfunk" bringt ab und an mal einiges unter die Kollegen. So zum Beispiel, dass unser Betriebsferienobjekt als nicht gewinnbringend, abgestoßen werden soll und ein Kinderferienlager 1990 letztmalig durchgeführt wird.

Sind das nicht Errungenschaften, die uns erhalten bleiben sollten? Kann ein Direktor das einfach über die Köpfe der Kollegen allein entscheiden? Er verhält sich so, als sei er der Eigentümer des Betriebes. In allen Abteilungen wird darüber diskutiert und jeder fragt, müssen wir das so hinnehmen, da muss man doch was tun! Die Frage ist jedoch: Wer und was?

Im Namen von 72 Kolleginnen
und Kollegen einer Produktionsabteilung
S(...) G(...)

aus: Tribüne, Nr. 59, 23.03.1990, Zeitung der Gewerkschaften