DDR 1989/90Brandenburger Tor

Impressum

Freier Deutscher Gewerkschaftsbund, Gewerkschaften

Mit dem SMAD-Befehl Nr. 2 vom 10. Juni 1945 erfolgte die Zulassung der Gewerkschaften auf dem Gebiet der SBZ. In Aachen wurde bereits am 21. März 1945 die Gründung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes bekannt gegeben. Am 15. Juni 1945 bildete sich in Berlin ein "Vorbereitender Gewerkschaftsausschuss für Groß-Berlin". Mit einem Aufruf trat er einen Tag später an die Öffentlichkeit. Damit begann der Aufbau des FDGB. Der erste Kongress fand vom 9.-11. Februar 1946 im Admiralspalast in Berlin statt. Der letzte ordentliche FDGB-Kongress fand vom 22.-25. April 1987 statt. Die erste Konferenz von Gewerkschafter aus allen Besatzungszonen fand vom 13./14.07.1946 in Frankfurt/Main statt.

Der FDGB in der DDR hatte rund 9,5 Millionen Mitglieder. Davon über 50 Prozent Frauen.

Der FDGB war von der SED gelenkte Massenorganisation. Der FDGB-Kreisvorsitzende war gleichzeitig Mitglied in der SED-Kreisleitung. Ebenso auf Bezirksebene. Auf höchster Ebene saß der FDGB-Vorsitzende auch im Politbüro der SED.

Im FDGB waren folgende 16 Gewerkschaften vereinigt:

- Industriegewerkschaft Bau-Holz
- Industriegewerkschaft Bergbau-Energie
- Industriegewerkschaft Chemie, Glas und Keramik
- Industriegewerkschaft Druck und Papier
- Gewerkschaft Gesundheitswesen
- Gewerkschaft Handel, Nahrung und Genuss
- Gewerkschaft Kunst
- Gewerkschaft Land, Nahrungsgüter und Forst
- Industriegewerkschaft Metall
- Gewerkschaft der Mitarbeiter der Staatsorgane und der Kommunalwirtschaft
- Industriegewerkschaft Textil-Bekleidung-Leder
- Industriegewerkschaft Transport und Nachrichtenwesen
- Gewerkschaft Unterricht und Erziehung
- Industriegewerkschaft Wismut
- Gewerkschaft Wissenschaft
- Gewerkschaft der Zivilbeschäftigten der NVA.

In der Zeit vom 27.02. bis zum 22.04.1989 fanden Gewerkschaftswahlen statt. Schon im Vorfeld hatte sich Unmut über die Politik des FDGB und der SED breit gemacht.

Im Werk für Fernsehelektronik in Berlin sprach sich eine AGO im April 1989 "Für Reformen der Partei- und Gewerkschaftsarbeit im Betrieb" aus. Auch im Tiefbaukombinat Berlin gab es im Zusammenhang mit den Gewerkschaftswahlen die Forderung nach "Reformierung der BGL". Schwierigkeiten alle Funktionen zu besetzen gab es im Kreiskrankenhaus Dresden-Friedrichstadt. Damit einer BGL-Vorsitzender werden konnte, der nicht SED-Mitglied war, musste eine Ausnahmegenehmigung von der Bezirksleitung der SED eingeholt werden.

Die Hauptabteilung II des MfS zitierte am 06.06.1989 Harry Tisch mit den Worten: "Diese Wahlen sind besser gelaufen als wir es erwartet haben, und wir es von den Kommunalwahlen erwarten können". Des Weiteren wird vom MfS berichtet: "Die Unzufriedenheit der Kollegen hat weiter zugenommen". Und: "Trotz intensiver Auswahl der Kandidaten, einschließlich zahlreicher Streichungen bei der Vorauswahl, hätten aber einige die erforderliche Mehrheit von 50 % der Stimmen nicht erhalten. Die Wiederwahl von bereits vorher tätigen Gewerkschaftsvertretern betrug 60 bis 70 Prozent.

Im Bereich der Gewerkschaft der Staatsorgane und der Kommunalwirtschaft sind zum Beispiel 3 aufgestellte Kandidaten für die Funktion eines BGL-Vorsitzenden durchgefallen".

Schon im November 1988 berichtete Harry Tisch über zunehmenden Unmut. So in Greifswald und bei Robotron in Dresden. Auf dem Kongress Bildender Künstler wurde die Beseitigung der Zensur gefordert weiß er zu berichten. Außerdem gebe es Proteste wegen des "Sputnik-Verbotes". Schon bevor die Zeitschrift "Sputnik" aus der Sowjetunion aus dem Postverteiler genommen wurde, traf es ungarische Zeitschriften.

"Zugenommen haben auch Eingaben mit provokatorischen Inhalt", heißt es in dem Eingabebericht des FDGB Bundesvorstandes vom 01.02.1989. Auch die Zahl der Kollektiveingaben hatte stark zugenommen.

Kritik an der FDGB-Führung kam im Herbst 1989 u.a. von Bergmann-Borsig aus Berlin, Boizenburg und Dresden. Vertrauensleute des Stahl- und Walzwerk "Wilhelm Florin" aus Hennigsdorf schicken am 16.10.1989 einen Brief an Harry Tisch. Der BGL-Vorsitzende des VEB Elektrokohle Berlin-Lichtenberg forderte am 28.10. den damaligen FDGB-Vorsitzenden Harry Tisch in einer Fernsehsendung auf sich vor ihm und seinen Kollegen zu verantworten und die Vertrauensfrage zu stellen. Von den Gewerkschaftsleitungen des VEB Rationalisierung Potsdam und des Kreiskrankenhauses Wittstock wird die Forderung nach Zulassung des Neue Forum erhoben.

War Harry Tisch als Politbüromitglied in all den Jahren ein zuverlässiger Garant, die Vorstellungen der SED durchzusetzen, so begann er im September 1989 innerlich auf den "Gorbikurs" einzuschwenken. Nach außen war davon aber nichts zu spüren. Bei einem Besuch beim DGB am 12.09.1989 in Frankfurt/Main verhöhnte er die aus der DDR drängenden Bürger. Sie hätten doch mit ihm reden können.

Nachdem am 11.10.1989 die SED den Dialog entdeckte, sprang auch der FDGB auf diesen Zug auf. Am 13.10. veröffentlichte die Gewerkschaftszeitung Tribüne einen Brief ihres Vorsitzenden Tisch indem er sich für einen Dialog aussprach. "Kritik muss geübt werden, wo Kritik notwendig ist. Kritik muss aber auch zur Kenntnis genommen werden. Widersprüche dürfen nicht zugedeckt, sie müssen in geeigneter Weise produktiv gemacht werden", war dort zu lesen. Er brach danach zu einer Dialogreise zur Elbewerft in Boizenburg und dem VEB Bergmann-Borsig in Berlin auf. Dort sagte er u.a.: "Doch wir haben niemandem ein Paradies versprochen, haben auch immer gesagt, der Sozialismus ist nur so gut, wie wir ihn zu machen verstehen. Alle gemeinsam, meine ich, ich will mich da nicht ausklammern". Was als selbst Schuld interpretiert wurde und gar nicht gut ankam. Obwohl es ein Körnchen Wahrheit enthielt. Im Boizenburger Prämienstreit warf er der BGL mangelnden Einsatz vor. Was Empörung hervorrief. Tisch war durch seine langjährige frühere Tätigkeit und sein ungeschicktes Auftreten verbrannt.

Auf der 10. Tagung des FDGB-Vorstandes am 30. Oktober 1989 stellte der Vorsitzende Harry Tisch die Vertrauensfrage. Vor der Tagung gab es Stimmen, die von einer beabsichtigten Vertrauensfrage abrieten, gleichzeitig auch die Forderung nach Tischs Rücktritt. Das Präsidium des FDGB einen Tag vorher sprach im das Vertrauen aus. Die Tagung sollte nach langer Diskussion am 17. November weitergehen. Die Abstimmung über die Vertrauensfrage wurde ebenfalls auf diesen Tag verschoben. Die Verschiebung stieß an der Basis auf Unverständnis. Bei einer Zusammenkunft des Präsidiums des FDGB nach der Tagung wurde Annelis Kimmel als neue FDGB-Vorsitzende ausgeguckt. Schon am 2. November wurde die 10. Tagung fortgesetzt. Mit zwei Gegenstimmen und einer Stimmenthaltung nimmt der Bundesvorstand den Rücktritt seines Vorsitzenden, SED-Politbüromitglieds Harry Tisch, an und wählt die Vorsitzende des Berliner FDGB-Bezirksvorstandes, Annelies Kimmel, zur neuen FDGB-Vorsitzenden. Zu seinem Rücktritt gab Harry Tisch eine Erklärung ab. Die Einrichtung von acht Arbeitsgruppen wurde beschlossen.

Nachdem die Ostseezeitung am 22.11. über Tischs Jagdrevier berichtet hatte, entschuldigte er sich in der Gewerkschaftszeitung Tribüne.

Neben der beginnenden Abnabelung von der SED begannen auch Reibereien zwischen den BGL und den Leitungen in den Betrieben. Bei manchen gab es Befürchtungen, dass sich die BGL zur Opposition zu den staatlichen Leitern entwickeln könnten. In manchen Betrieben wurde den Gewerkschaftsfunktionären die Abhaltung von Versammlungen untersagt und auch ihre Bezahlung wurde infrage gestellt.

In vielen Betrieben wurden die BGLs zum Rücktritt gezwungen. So z.B. im Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann in Magdeburg. In manchen Betrieben konnten aber keine Nachfolger gefunden werden.

Auf der 11. Sitzung der Volkskammertagung am 13.11.1989, sprach die Abgeordnete Annelies Kimmel. Dort sagte sie: "Wir werden auf unserer 11. Tagung des Bundesvorstandes des FDGB am 29. November den Vorschlag unterbreiten, im Dezember/Januar die Delegierten zum außerordentlichen Gewerkschaftskongress zu wählen, der nicht später als im Februar stattfinden sollte. Dieser Kongress hat dann die Aufgabe, für die weitere Entwicklung starker, freier, unabhängiger Gewerkschaften die neue Satzung und das Programm für die weitere Arbeit zu beschließen sowie den neuen Bundesvorstand zu wählen. Unsere Mitglieder fordern - ich sage das hier ganz offen -, dass in dieser Satzung nicht die führende Rolle der Partei festgeschrieben werden sollte."

Zu diesem Zeitpunkt stand die Führende Rolle der SED noch in der Verfassung. Informell gab es aber bereits Einigkeit sie zu streichen.

Zu einem Treffen zwischen Ministerpräsident Hans Modrow und Annelies Kimmel kommt es am 27.11.1989.

Auf seiner 11. Tagung am 29. November tritt das gesamte Präsidium und Sekretariat zurück. Es wird ein Arbeitssekretariat als neues Führungsorgan beschlossen.

Außerdem wird eine neue Satzung, eine Wahlordnung und das Grundsatzpapier "Was sind, was wollen die Gewerkschaften in unserer Zeit?" vorgestellt.

Harry Tisch wird einstimmig aus dem FDGB ausgeschlossen.

Für den 31. Januar und 01. Februar 1990 wird ein außerordentlicher Gewerkschaftskongress einberufen. Der Bundesvorstand bestätigte, dass der FDJ 100 Millionen Mark für ihr Pfingstreffen 1989 aus dem Solidaritätsfonds zugeflossen sind. Die FDJ erklärte sich bereit, 50 Millionen, die nicht verbraucht wurden zurückzuzahlen, so Annelies Kimmel. Am 06.03.1990 lehnte es die Führung der FDJ die Rückzahlung mit dem Argument ab, die FDJ-Veranstaltung sei abgerechnet und überschüssiges Geld an die Staatskasse abgeführt worden. Auch wurde bekannt, 1984 wurden schon ein Mal 100 Millionen der FDJ zugeschanzt.

Weitere Forderungen nach Veränderungen, z.B. den Rücktritt des Bundesvorstandes des FDGB, Transparenz und Teilnahme am anstehenden Zentralen Runden Tisch wird auf einer Kundgebung am 06.12. erhoben. Nachdem bei der Bundesverwaltung des FDGB eine "Schwarze Kasse" mit zwei Millionen gefunden wurde, wurde der Ruf nach Eigenständigkeit der Einzelgewerkschaften immer lauter.

Auf der 12. Tagung des FDGB-Bundesvorstandes am 09. Dezember 1989 tritt der gesamte Bundesvorstand und das bisher von Annelies Kimmel geleiteten Arbeitssekretariat zurück.

Die Finanzhoheit wird den IG/Gew. übertragen.

Es wird ein 33köpfigen "Komitee zur Vorbereitung des außerordentlichen Kongresses", eingesetzt. Ein Ausschuss zur Untersuchung von Amtsmissbrauch und Korruption wurde gebildet. Der Vorsitzende der BGL im Elektrokohlewerk Berlin-Lichtenberg Rainer Schramm übernimmt dessen Vorsitz. Das Komitee verabschiedete eine "Erklärung für eine grundlegende Erneuerung des FDGB als Gewerkschaftsbund freier, unabhängiger Industriegewerkschaften und Gewerkschaften in der DDR".

In der in der Gewerkschaftszeitung Tribüne abgedruckten Erklärung werden als Ziele genannt:

1. Die Bildung starker und selbständiger Einzelgewerkschaften.

2. Die Koordinierung der Einzelgewerkschaften im FDGB als Dachorganisation.

3. Der Schutz der Gewerkschaftsrechte einschließlich des Arbeitskampfrechts in einem Gewerkschaftsgesetz.

Die Kongressvorbereitung übernimmt ein Arbeitssekretariat unter Leitung des Vorsitzenden der IG Druck und Papier, Werner Peplowski.

Unter den Gästen auf der Sitzung des Vorbereitungskomitees des außerordentlichen Gewerkschaftskongresses am 26.01. waren Christa Luft ihres Zeichens stellvertretende Vorsitzende des Ministerrates für den Bereich Wirtschaft und die Arbeitsministerin Hannelore Mensch. Laut Christa Luft schrieb Werner Peplowski ihr einen Tag später einen Brief, indem Zustimmung zu dem Wirtschaftskonzept der Modrowregierung geäußert wurde. Es werde auf dem bevorstehenden Kongress keine Anwürfe gegen die Regierung geben.

Das Vorbereitungskomitee lud FDGB-kritische Gruppen zu einem Runden Tisch unter dem Motto "Starke, freie, unabhängige Gewerkschaften - aber wie?", ein. Auch die Gewerkschaftshochschule in Bernau bei Berlin lud ein. Ziel war es Organisationen außerhalb des FDGB/Gewerkschaften zu verhindern. Da die eingeladenen aber den Braten rochen und ihre kleinen Pflänzchen nicht gefährden wollten, lehnten sie dankend ab.

In der Gewerkschaftszeitung Tribüne wird am 01.02.1990 der vorläufige Bericht des Ausschusses zur Untersuchung von Amtsmissbrauch und Korruption im ehemaligen Bundesvorstand des FDGB veröffentlicht.

Auf einer Pressekonferenz vor dem außerordentlichen Kongress erklärte Werner Peplowski, das FDGB-Vermögen betrage derzeit 4,2 Mrd. Mark. Die Finanzkraft der Gewerkschaft sei ungebrochen. Streikkassen des FDGB gibt es noch nicht und auch noch kein Geld für sie.

Am 31.01./01.02. 1990 findet ein außerordentlicher Kongress satt, auf dem sich der FDGB als "Dachverband unabhängiger Gewerkschaften" konstituiert. Die Mehrheit der Delegierten stellt die IG Metall.

Der Antrag von der IG Metall Dresden, den hauptamtlichen FDGB-Delegierten das Wahlrecht zu entziehen, wird zunächst angenommen. Es kommt zu hitzigen Diskussionen. Der Kongress wird für 90 Minuten unterbrochen, während dessen sich das Vorbereitungskomitee zurückzog. Danach wurde dann der Antrag zurückgenommen und damit die Abstimmung gegenstandslos.

Die Delegierten verabschieden ein Gewerkschaftsgesetz und eine neue Satzung, die bis zum ordentlichen Gewerkschaftskongress im Herbst gelten soll. Die Forderung das Gewerkschaftsgesetz noch vor den Wahlen am 18. März, ohne Abstriche zu verabschieden, soll notfalls mit Streiks erzwungen werden. Der IG Metallvorsitzende, Hartwig Bugiel sagte im Februar 1990: Ich habe auf dem FDGB-Kongress zwar auch die Hand gehoben - nämlich für einen Generalstreik, falls das geforderte Gewerkschaftsgesetz nicht noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet wird. Wir wären doch gar nicht in der Lage, einen Streik durchzuführen. Eine veränderte Fassung, auf das Vetorecht gegenüber der Volkskammer wurde verzichtet, wurde in der Volkskammer am 06.03.1990 angenommen. "Die Regierung kann einen Streik aus Gründen des Gemeinwohls aussetzen", wurde auf Antrag der CDU eingefügt.

In einem Aktionsprogramm wird u.a. die Mitbestimmung in den Betrieben aller Eigentumsformen gefordert.

Die Einzelgewerkschaften erhalten Finanzhoheit und Tarifautonomie.

Der FDGB nähere seine Struktur dem des DGB an, ohne sie 1:1 zu übernehmen.

Wie oft im Leben werden als Hauptschuldige für frühere Verfehlungen die benannt, die nicht mehr dabei sind. Hier bot sich Harry Tisch an.

Auf dem Kongress wird Modrows Papier für den Weg zu einem einheitlichen Deutschland vom 01.02. verlesen.

Werner Peplowski wird vom Vorbereitungsausschuss als Kandidat für den neuen FDGB-Vorsitz vorgeschlagen. Er unterliegt dem NDPD-Mitglied Helga Mausch. Zu ihrer Stellvertreterin wird Karin Schießl von der Gewerkschaftshochschule in Bernau gewählt. Neben dem gewählten Geschäftsführenden Vorstand waren noch die Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften in der Spitze vertreten.

Der hauptamtliche Apparat soll damals rund 16 000 Funktionäre umfasst haben. 5 600 sollten bis Ende März ausscheiden. Bis zum 31.03.1990 sollen sämtliche bezirks- und Kreisvorstände aufgelöst werden.

Bis zum außerordentlichen Kongress haben fast eine Million Mitglieder den FDGB verlassen.

Die Initiative für unabhängige Gewerkschaften warf dem FDGB vor, dass nicht gewählte Delegierte an dem Kongress teilnahmen. Außerdem gebe es Redebeschränkungen und Abstimmungsmanipulation auf dem Kongress. Dazu wurde auch ein Flugblatt am zweiten Kongresstag verteilt.

Der Finanzpolitische Bericht an den außerordentlichen Kongress (31.01./01.02.1990) weist für die Jahre 1987 bis 1989 Einnahmen von insgesamt 3, 9494 Milliarden Mark aus, davon 2,8852 Milliarden aus Beiträgen. Im ersten Quartal 1990 sank das Beitragsaufkommen des FDGB auf unter 40 Prozent des Vorjahres. Ab 1. April gingen die Beiträge direkt an die Einzelgewerkschaften.

Werner Peplowski von der IG Druck und Papier teilte Anfang Januar in einem Interview den Verlust von 800 000 FDGB-Mitgliedern mit. Manche zahlen ihren Beitrag auf ein Sperrkonto ein. Im Bezirk Halle traten 25 000 aus und 95 000 bezahlten nur einen symbolischen Beitrag, so der hallensische Bezirksvorstand am 08.01.1990. In einem Schreiben vom 08.02. wird den Verfassern von Eingaben mitgeteilt, dass ein Bundesvorstand nicht mehr besteht. Die Zahl der Eingaben hatte 1989 stark zugenommen. Nicht nur von Einzelpersonen, sondern auch von Kollektiven.

Auf seiner Sondersitzung am 23. November 1989 werden von seitens des DGB Überlegungen laut, in den größeren Städten der DDR Beratungsbüros zu eröffnen. Gleichzeitig ging der DGB auf Distanz zur FDGB-Führung. Hatte er doch Angst, in den Strudel der Ereignisse mit hineingezogen zu werden. Bereits auf seiner Sondersitzung am 29. August 1989 wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die konzeptionelle Überlegungen für eine Weiter- oder Neuentwicklung gewerkschaftlicher Politik im Bezug auf die DDR entwickeln sollte. Der DGB ist breit ein breit gefächertes Kooperationsabkommen zu schließen, um zu verhindern, dass die DDR das neue Billiglohnland Europas wird, erklärte DGB-Vorsitzender Ernst Breit im Januar 1990. Zwischen dem FDGB Frankfurt (Oder), Berlin, Potsdam und dem DGB Berlin wurde im Februar 1990 ein gewerkschaftlicher Regionalausschuss gegründet.

Der DGB-Vorsitzende Ernst Breit kritisierte Ende Februar 1990 das Gewerkschaftsgesetz. Ein Vetorecht gegenüber dem Parlament bei Arbeitnehmerrechten darf es nicht geben. Bei den Westgewerkschaftern gab es die Befürchtung durch eine Gewerkschaftsgesetz habe der Staat Einfluss auf die Gewerkschaften. Je nachdem wer in der Regierung am Ruder ist wird das Gewerkschaftsgesetz verändert. Was den DGB nicht daran hinderte 2013 in den Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU/SPD eine Vereinbarung für ein Tarifeinheitsgesetz schreiben zu lassen.

Für die Ostgewerkschafter stellte sich die Situation anders da. Bei ihnen war bisher alles durch den Staat geregelt. Das geltende Arbeitsgesetzbuch wurde immer mehr missachtet, neue, schlagkräftige Gewerkschaften noch nicht da. Um nicht ganz unter zu gehen sollte ein Gesetz her, das den Gewerkschaften Rechte einräumte, die sie in der DDR wenn überhaupt nur auf dem Papier hatten. Formal waren die Werktätigen Besitzer der Produktionsanlagen. Vereinzelt gab es Ansätze formalem reales folgen zu lassen, z.B. in Betriebsvereinbarungen oder das "Sömmendaer Modell".

Auch fand Breit es nicht in Ordnung, dass gewerkschaftliche Vertrauensleute und nicht Betriebsräte die Interessen der Arbeitnehmer vertreten sollten. Nach dem Arbeitsgesetzbuch hatten die Gewerkschaften viel größere Rechte als ein Betriebsrat nach dem bundesdeutschen Betriebsverfassungsgesetz. Ein Streitpunkt war dann auch BGL oder Betriebsrat. Oder beides. Manche Betriebsleiter favorisierten einen Betriebsrat im der Hoffnung ohne Gewerkschaft und mit Betriebsrat besser die marktwirtschaftliche Runderneuerung bewerkstelligen zu können. Den Vorschlag zu einem Dritten Weg ohne Gewerkschaften wie in kirchlichen Einrichtungen heute noch praktiziert, konnte auch schon mal von einem Pfarrer kommen.

Während die CDU (West) und die FDP die Blockparteien CDU bzw. LDPD einfach übernahmen, warnten ausgerechnet diese Parteien den DGB und seine Gewerkschaften vor einer zu großen Nähe zum FDGB und seinen Gewerkschaften.

Viele FDGB-Mitglieder wollten von ihrer bisherigen Organisation nichts mehr wissen. Als sich nach dem außerordentlichen Gewerkschaftskongress immer mehr abzeichnete, mit dem FDGB ist kein Staat zu machen, schwenkte der DGB und die ihn ihm zusammengeschlossenen Gewerkschaften um. Nun war von Wendehälsen die Rede. Es fehlte ihrer Meinung nach eine ausreichende Bekenntnis zu einer Mitschuld an der bisherigen Politik in der DDR und eine glaubwürdige Distanzierung davon. Den von der SPD dominierten DGB-Gewerkschaften war z.B. daran gelegen, dass die Vereinigung von KPD und SPD zur SED eindeutig als Zwangsvereinigung benannt wurde. Schon, um der konservativen Seite den Wind aus den Segeln zu nehmen, die immer wieder mal die Meinung einstreute, so ganz viel Zwang hätte es damals nicht bedurft. Auch hatte der FDGB noch Schwierigkeiten mit copy & paste das bundesdeutsche Gewerkschaftsmodell zu übernehmen. Was sich in der Forderung nach einem Gewerkschaftsgesetz und dem Vorrang der BGLs vor Betriebsräten zeigte.

Die verbliebenen GewerkschafterInnen in der DDR fühlten sich hauptsächlich ihrer Branchengewerkschaft verbunden und nicht dem FDGB. Hier zeigte sich ein Beharrungsvermögen bei der bisherigen Gewerkschaft zu bleiben. Ein wichtiger Grund die Rechtsnachfolge des FDGB abzulehnen war deren unübersichtliche Finanzlage und die Befürchtung, das schlechte Image des FDGB färbe ab. Es sollte auch vermieden werden ehemalige SED-Mitglieder aus dem Gewerkschaftsapparat zu übernehmen. Auch erschien das finanzielle Risiko einen Apparat, der an die Verhältnisse in der DDR angepasst war, zu groß.

Ein weiteres Problem für den DGB und die Einzelgewerkschaften war die Kompatibelmachung der DDR-Gewerkschaften zum kapitalistischen System und den in der BRD üblichen Verkehrsformen. Gleichzeitig musste die Umwandlung der Gewerkschaften von SED geführten Organisationen in SPD dominierte Organisationen erfolgen. Was für Gewerkschafter aus West und Ost neue Möglichkeiten einen Posten zu erhalten eröffnete. Hinzu kam, der FDGB hatte 1989 mehr Mitglieder als die im DGB zusammengeschlossenen Gewerkschaften.

Auf der Präsidiumssitzung der SPD (BRD) am 02.04.1990 unterstrich Anke Fuchs ihre Sorge vor dem weiterhin großen Einfluss der PDS in den Gewerkschaften. Sie berichtete über ihre diesbezüglichen Gespräche mit DGB-Vertretern.

Die sich in der DDR gebildeten betrieblichen Initiativen wurden vom den DGB-Gewerkschaften links liegen gelassen.

Die FDGB-Funktionäre ihrerseits versuchten noch zu retten was nicht mehr zu retten war. Dazu gehörte ihr formal großer Einfluss in der DDR. Der FDGB hatte nicht nur eine eigene Fraktion in der Volkskammer und war in unzähligen Gremien vertreten, auch an einer Vielzahl von Runden Tischen konnte er mitarbeiten. Auch hatte der FDGB das Monopol in der Interessenvertretung der Werktätigen. Für alle die ihren Arbeitsplatz beim FDGB oder Gewerkschaften hatten, war die Frage was wird aus meinem Arbeitsplatz akut.

Durch die Bildung von Betriebsräten, unabhängige Gewerkschaftsgruppen, den West-Gewerkschaften und der Gesetzgebung zur Eingliederung der DDR in die BRD wurde dieses Monopol gebrochen.

Die Unterstützung der PDS zur Bildung von Betriebsräten ergab eine gute Gelegenheit von ehemaligen SED-Mitgliedern des FDGB auf Distanz zu dieser Partei zu gehen. Gleichzeitig versuchte sich der Funktionärskörper den neuen Herren anzudienen was aber nur zum Teil gelang. Ihr Personal in der DDR rekrutierten die DGB-Gewerkschaften neben West-Importen zum großen Teil über die von ihnen errichteten Beratungsbüros. Auch Einzelpersonen versuchten mit dem Versprechen viele Gewerkschaftsmitglieder mitzubringen, Posten zu ergattern. Ein besonders agiler in Berlin versuchte bei verschiedenen Organisationen seine Möglichkeiten auszuloten. Ein Betriebsgewerkschaftsleiter in Berlin aus dem Dienstleistungsbereich sattelte gleich um und wurde Geschäftführer.

Anfang März 1990 belebte der Geschäftsführende Vorstand des FDGB eine bereits am 28. Oktober 1946 gegründete Gesellschaft mit dem Namen "Vermögensverwaltung des FDGB GmbH", unter dem Namen "Gewerkschaftliche Vermögensverwaltungsgesellschaft 'Märkisches Ufer' mbH", neu. Spätestens ab diesem Zeitpunkt versuchte der FDGB sein Vermögen in die zu erwartenden kapitalistischen Verkehrsformen zu überführen.

Für den 05.04.1990 rief der FDGB dazu auf, gegen Pläne, einen Umtauschkurs von 2:1 bei der D-Markeinführung vorzunehmen, zu protestieren. Es wurde ein Umtauschkurs 1:1 verlangt. Der stellvertretende DGB-Vorsitzende Fehrenbach erklärte, einen Streikaufruf im Falle einer Währungsumstellung von 2:1 werde nicht unterstützt. Der damalige wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Matthias Wissmann, heute oberster Autolobbiest, mahnt den DGB zu einer wesentlich größeren Distanz zum FDGB.

Kurz vor dem 1. Mai 1990 wurde das FDGB-Emblem verändert. Die beiden reichenden Hände wurden entfernt.

Im Mai 1990 gab sich der FDGB noch einmal kämpferisch. Der Geschäftsführende Vorstand beschloss am 4. Mai Kampfmaßnahmen gegen das Inkrafttreten des Staatsvertrages zwischen der DDR und der BRD. An der Basis gab es allerdings keinen eindeutigen Rückhalt dafür. Auch gegen den am 01.05. verhängte Lohnstopp wird protestiert und eine Erhöhung und schrittweise Anhebung auf Westniveau gefordert.

Der Ministerpräsident Lothar de Maizière (CDU) empfing am 07.05.1990 die FDGB-Vorsitzende Helga Mausch. Die Forderung nach einer 50-prozentigen Lohnerhöhung und der 38 Stundenwoche lehnt er als indiskutabel ab.

Am 9. Mai wurde auf der Sitzung des Dachverbandes der Industriegewerkschaften und Gewerkschaften ein Sprecherrat eingesetzt. Die Einsetzung war einen Tag zuvor zwischen dem DGB und Mitgliedern des Geschäftsführenden Vorstandes besprochen worden. DGB-Chef Ernst Breit hatte bei Gesprächen mit der CDU und SPD versichert, eine Kooperation zwischen den beiden Dachverbänden wird es nicht geben.

Mit dem Sprecherrat wurde der Geschäftsführende Vorstand praktisch entmachtet. Die Orientierung war nun eindeutig auf die Vereinigung mit dem DGB zu seinen Bedingungen und den BRD üblichen Verkehrsformen programmiert. Geplante Kampfmaßnahmen gegen das Inkrafttreten des Staatsvertrages wurden unmittelbar danach abgesagt. Die Entmachtung schrieb sich neben der IG BEW auch die IG Transport auf ihre Fahnen.

Der Sprecherrat sollte die übergreifende gewerkschaftliche Interessenvertretung gegenüber Regierung und Parteien der DDR und des DGB wahrnehmen. Laut einer Erklärung des Sprecherrates wurde er beauftragt, die juristischen Voraussetzungen zu schaffen, die Vermögenswerte des FDGB neu zu strukturieren und auf die IG/Gewerkschaften aufzuteilen.

Um einen Bruch mit dem FDGB deutlich zu machen nannte sich die Organisation fortan "Bund Freier Gewerkschaften" oder "Bundes der IG/Gew.".

Beim FDGB wurde im Mai 1990 ein Betriebsrat gewählt. Es wurde eine Betriebsvereinbarung über einen Sozialplan abgeschlossen. Das Landesarbeitsgericht Berlin urteilte im Januar 1992, es bestehe kein Anspruch auf Abfindung. Betriebsvereinbarungen könnten nicht wirksam sein, da zu dem Zeitpunkt des Abschlusses das Betriebsverfassungsgesetz nicht gegolten habe.

In seiner Entschließung zur deutschen Einheit vom 07.03.1990 erteilt der DGB dem FDGB eine Ansage. Auf dem 14. Ordentlichen Bundeskongress des DGB im Mai 1990 in Hamburg wurde der Anspruch zu einem gesamtdeutschen DGB zu werden bekräftigt. Für den FDGB war darin kein Platz vorgesehen.

Ab dem 14. Mai 1990 waren DGB-Berater für Finanzen, Immobilien, Juristen und Public Relation in der FDGB-Zentrale in Berlin tätig. Im Schlepptau hatten sie ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen. Ab dem 23. Mai 1990 wurde die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG), heute SEB, als Berater tätig.

Die zum 01.07.1990 gültigen Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion hatte einschneidende ökonomische und rechtliche Folgen. Das vorher schon vielfach ignorierte Arbeitsgesetzbuch der DDR war endgültig Geschichte. Es galt nun bundesdeutsches Recht in der Arbeitswelt.

Im Sommer 1990 erhielten die eigenständigen Gewerkschaften des FDGB vom ihm 65 Millionen.

Die Auflösung des FDGB wurde am 14. September 1990 auf einem FDGB-Kongress in Berlin, zum 30. September 1990, bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen beschlossen. Der Verbleib und Verwaltung des FDGB-Vermögens wird auf Beschluss der Delegierten einer Gewerkschaftlichen Vermögensverwaltungsgesellschaft "Märkisches Ufer" (GVVG) übertragen. Einer der beiden Geschäftsführer der GVVG kam vom DGB. Das Sagen hatte dann auch letztlich der DGB. Nach der Begleichung aller Schulden sollte das verbleibende Vermögen auf die Einzelgewerkschaften aufgeteilt werden.

Dem machte das Amtsgericht am 26.04.1991 in Berlin-Charlottenburg einen Strich durch die Rechnung. Es kam zu der Auffassung 1956 habe es einen fehlerhaften Gesellschafterwechsel gegeben. Damit waren die Beschlüsse der Gesellschafterversammlungen ab 1990 nichtig.

Nach einer Neubewertung betrug der Buchwert des Immobilienvermögens 828,9 Millionen DM. Sie wurden von der Treuhand verkauft. Mitmischte auch die Unabhängige Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR. Sie legte am 24.08.1998 ihren Abschlussbericht vor. Die Abwicklung erfolgte im Wesentlichen bis zum 30.09.1999. Bereits zum 01.07.1999 wurde eine F.D.G.B. GmbH in Liquidation gegründet. Sie übernahm die restlichen Aufgaben.

Die Gewerkschaften des FDGB und der Dachverband konnten ihren Verfall nie stoppen. Als von der SED gelenkte Massenorganisation waren sie, als ihrem Lenker das Steuerrad weggenommen wurde, nicht in der Lage auf eigenen Beinen zu stehen. Nachdem die SED als den Weg weisend wegfiel, dümpelte die FDGB-Führung vor sich hin. Mit sich selbst beschäftigt hingen die Mitglieder in den Betrieben in der Luft. Plötzlich war das Gewerkschaftsbüro verschlossen. Einbeziehung der Basis, innergewerkschaftliche Demokratie waren Randthemen. Während auf der Straße die Luft brannte, blieb es in den Betrieben lange ziemlich still. Jens Reich, vom Neuen Forum, bemerkte dann auch rückblickend, die revolutionäre Stimmung des Volkes und seiner Bürgervertreter war auf den Feierabend konzentriert. Initiativen, die die Sache selbst in die Hand nahmen waren dann auch die Ausnahme. Auch die Betriebsgruppen vom Neuen Forum, der SDP oder der Initiative für unabhängige Gewerkschaften konnten das nicht ändern.

Während den FDGB-Funktionären oftmals nachgesagt wurde, sie wären darauf bedacht, alte Verhältnisse beizubehalten oder wiederherzustellen, war ihr Augenmerk vor allem darauf gerichtet, einen Platz in dem neuen System zu finden.

Eines der Hindernisse für eine eigenständige gewerkschaftliche Organisation in der DDR war die Existenz der bundesdeutschen Gewerkschaften. Die Gewerkschafter in der DDR mussten nicht notgedrungen eigenständige Gewerkschaften aufbauen. Das bundesdeutsche Modell, dessen rasche Einführung absehbar war, beinhaltete auch deren Gewerkschaften. Der FDGB und die im DGB zusammengeschlossenen Gewerkschaften waren nicht fähig Konzepte die auf die Besonderheiten im Beitrittsgebiet eingingen zu entwickeln. Das bewährte bundesdeutsche Modell wird es schon richten war ein Trugschluss. Das Reagieren auf die Ereignisse in der DDR 1989/90 von den DGB-Gewerkschaften war sozialdemokratisch mitgeprägt, mit DKP Einsprengseln.

Die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen in der DDR bei dem massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen durch die Kolleginnen und Kollegen wäre stark ausbaufähig gewesen.

Der FDGB war nach der SED mit 61 Abgeordneten die zweitstärkste in der Volkskammer vertretene Organisation. In den Bezirkstagen stellte der FDGB 404 Mitglieder, in den Kreistagen 6 003, in den Gemeinden 22 356 und in den Stadtbezirken 1 195.

Nach der Verfassung der DDR leiteten die Gewerkschaften die Sozialversicherung der Arbeiter und Angestellten. Sie nahmen an der Versorgung bei Krankheit, Arbeitsunfall, Invalidität und Alter teil. Der FDGB entschied über die Kuren und die Vergabe von Heilmitteln. Die Zusammenführung der vom FDGB geleiteten Sozialversicherung und der Staatlichen Versicherung zu einer "Sozialversicherung der DDR als Körperschaft des öffentlichen Rechts" zum 01.07. wird am 05.06.1990 beschlossen.

Der FDGB-Feriendienst wurde am 20.03.1947 gegründet. Es sollte an die Tradition des Feriendienstes der Weimarer Republik angeknüpft werden. Von der sowjetischen Besatzungsmacht wurden einige Ferienheime, die in der Weimarer Republik den Gewerkschaften gehört hatten und enteignete Pensionen, Schlösser und Villen dem Feriendienst übertragen.

Der Feriendienst umfasste 695 Ferienheime mit 62 000 Betten hinzu kamen noch 71 800 Betten in Hotels, Vertragshäusern und bei Privatvermieter. Die Zahl der Vertragseinrichtungen belief sich auf 428. Es wurden jährlich rund 2 Millionen Urlaubsreisen vermittelt. Hinzu kamen ca. 3 Millionen Reisen in Erholungseinrichtungen der Betriebe. Nach einer Direktive des XI. Parteitages der SED 1986, sollte bis 1990 die Reisen auf 5,2 Millionen steigen.

1989 umfasste der Feriendienst ca. 15 000 hauptamtliche und rund 70 000 ehrenamtliche Mitarbeiter.

Es gab die Forderung alle Ferienheime des MfS/ANS an den FDGB zu übergeben. Um die Forderungen zu unterstreichen, wurde z.B. Unterschriften gesammelt und eine Demonstration durchgeführt zur Übergabe des Ferienheimes "Katzenstein". Im November 1989 werden die den Funktionären vorbehaltenen Gästehäuser in den Feriendienst eingebracht. Der FDGB entschied auch über die Urlaubsplätze der Betriebseinrichtungen. Sie blieben Eigentum der Betriebe.

Der Feriendienst wurde im März 1990 aus dem FDGB ausgegliedert. Es wurde ein selbständiger Gewerkschaftsbetrieb mit dem Namen "Feriendienst" gegründet, der die Aufgaben übernahm. Die Regierung de Maizière subventionierte den Feriendienst 1990. Es wurde sich nicht getraut den Leuten auch noch den Urlaubsplatz zu nehmen. Zumal Ferienplätze schon 1989 vergeben wurden.

Allerdings wurden die angebotenen Ferienplätze des FDGB auch nachträglich reduziert. So im Warnemünder Neptun-Hotel. Der im Mai 1989 ausgehandelte Jahresvertrag für 1990 wurde im Februar 1990 auf ca. die Hälfte der Plätze vermindert. Das Vorgehen wurde vom Runden Tisch Rostock-Warnemünde und dem Rat des Bezirkes mitgetragen.

Die meisten Objekte des Feriendienstes gingen schließlich auf die Treuhand über. Von der Treuhand wurde die FEDI GmbH gegründet. Nach der Bundestagswahl im Dezember 1990 wurde der Geldhahn zugedreht. Die FEDI GmbH anmeldete am 03.01.1991 Konkurs an. Die noch verbliebenen 1 200 Mitarbeiter wurden entlassen.

1990 haben noch viele Werktätige ihren Urlaub über den FDGB-Feriendienst gebucht. Da Ferienplätze für die Zukunft vergeben werden, dauerten die Einlösung der Ferienschecks und damit die Abwicklung des Feriendienstes bis 1991. Der Feriendienst war mit ein Grund die Gewerkschaften nicht sofort zu verlassen. Da die Nachfrage nach Ferienplätzen immer größer war als das Angebot, zogen die Vergeber den Zorn der Nachfrager auf sich. Bei NAVA wurde im Dezember 1989 der Feriendienst als Druckmittel eingesetzt. Die Betriebsgewerkschaftsleitung gedrohte, keine Ferienplätze mehr zu vergeben, sollten die Vertrauensfrage von den Gewerkschaftsmitgliedern gestellt werden.

Die Verwendung der Mittel des Kultur- und Sozialfonds wurde zwischen der BGL und der Betriebsleitung festgelegt.

Nach dem Arbeitsgesetzbuch standen die Kultureinrichtungen des Betriebes, wie Kulturhäuser, Klubs und Bibliotheken, der Betriebsgewerkschaftsorganisation unentgeltlich zur Verfügung. Schon vor dem Verschwinden des Arbeitsgesetzbuches wurden diese Einrichtungen immer mehr "entsorgt". Für die Betriebskindergärten wurde ein weg gesucht, sie so schnell wie möglich an die Kommune abzugeben.

Um sich für die Marktwirtschaft fit zu machen, galt es Kosten zu senken. In Leipzig war das Aus für 18 betriebliche Einrichtungen mit fast 6 000 Plätzen im April 1990 absehbar. Wie vom dortigen Runden Tisch zu hören war.

Die Gewerkschaftshochschule "Fritz Heckert" in Bernau bei Berlin wurde ebenfalls zum 30.09.1990 geschlossen. Sie ging auf die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes zurück, die am 04.05.1930 in Bernau eröffnet wurde. Am 02.05.1933 wurde die Bundesschule von der SA besetzt. Es wurde eine "Reichsführerschule der NSDAP und der Deutschen Arbeitsfront" eingerichtet. Übernahme durch die Reichsführung-SS am 06.06.1936. Ab da "SD-Schule Bernau bei Berlin". Im April 1945 übernahm die Sowjetarmee als Lazarett und Militärunterkunft die Schule. Wiedereröffnung als Gewerkschaftsschule am 02.05.1947. Die Gewerkschaftsschule des FDGB erhielt den Namen "Theodor Leipert". Mit der Umwandlung der Gewerkschaftsschule in eine Gewerkschaftshochschule am 06.09.1956 erhielt sie dann den Namen "Fritz Heckert".

Aus Mitteln des FDGB und der Kultur- und Sozialfonds der Betriebe wurden Betriebssportgemeinschaften finanziert. Zwischen dem FDGB und dem Deutschen Turn- und Sportbund gab es eine Vereinbarung. Im Fußball wurde jährlich um den FDGB-Pokal gespielt. Nachdem Dynamo Dresden wegen der vielen Ausschreitungen in ihrem Umfeld in der Spielzeit 2013/14 von der Teilnahme am DFB-Pokal ausgeschlossen wurde, spielte der Verein 2013 einen eigenen FDGB-Pokal (Für Dynamo gemeinsam blechen) aus.

Der FDGB war eine der größten Auftraggeber für Kunst in der DDR.

Im August 1993 wurde das FDGB-Vermögen auf die ostdeutschen Kommunen und den DGB aufgeteilt. Der DGB erhielt 36 Gewerkschaftshäuser.

In das Gebäude des FDGB in Berlin Unter den Linden zog 1997 die Deutsche Bank ein.

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