Programm

des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands

Zielstellung

Der Demokratische Frauenbund Deutschlands tritt für eine gleichberechtigte Teilnahme der Frauen an der Gestaltung aller gesellschaftlichen Prozesse mit dem Ziel der Gleichstellung der Geschlechter ein.

Er fördert eine Politik, die

Der DFD wirkt als eine parteienunabhängige politische Organisation, die Frauen dafür gewinnt und befähigt, in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft selbst Einfluss zu nehmen. Er ist offen für alle Interessierten.

Sein politisches Credo ist eine demokratische Gesellschaft, die von Humanismus, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie getragen und sozialer Gerechtigkeit verpflichtet ist. Der DFD erstrebt die Zukunft Deutschlands durch das Zusammenwachsen beider deutscher Staaten in einem gemeinsamen Haus Europa, in das unsere unverwechselbaren Werte eingebracht werden sollen.

Im Sinne seiner Ziele bekennt sich der DFD zur Zusammenarbeit mit Frauen verschiedener Parteien und Organisationen. Gruppierungen und Initiativen, die auf der Grundlage der Verfassung wirken. Es geht Aktionsbündnisse zur Lösung gesellschaftlicher Aufgaben, zur Wahrung von Fraueninteressen und in anderen Fragen ein.

Der DFD will eine Marktwirtschaft mit der Betonung auf sozial

Der DFD setzt sich für eine radikale Wirtschaftsreform mit dem Ziel der Schaffung einer sozialen Marktwirtschaft ein, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert.

Er ist für den Erhalt der Dominanz des Volks- und genossenschaftlichen Eigentums und hält die Entwicklung anderer Eigentumsformen, die einen ökonomischen Aufschwung garantieren, für notwendig. Eine der dringendsten gesellschaftlichen Aufgaben der Gegenwart und Zukunft sieht der DFD in einer neuen und konsequenten Umweltpolitik, die uns selbst wie unseren Kindern und Kindeskindern den natürlichen Lebensraum erhält.

Der DFD wirkt für Frieden, Abrüstung und Entspannung

Das Streben nach Frieden, Abrüstung und Entspannung in der Welt, konsequenter Antifaschismus und Solidarität sind für den DFD entscheidende Maßstäbe einer neuen Gesellschaftsstrategie.

Konsequent tritt der DFD allen Erscheinungen von Völkerhass, Nationalismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit entgegen. Als Mitglied der Internationalen Demokratischen Frauenföderation arbeitet der DFD aktiv als Teil der fortschrittlichen Frauenbewegung der Welt.

Für die Gewährleistung der ökonomischen Unabhängigkeit der Frauen - gemeinsam mit Gewerkschaften

Der DFD fordert, die ökonomische Unabhängigkeit der Frau als Grundvoraussetzung ihrer Gleichberechtigung zu sichern. Der DFD wirkt in diesem Sinne eng mit Gewerkschaften zusammen.

Schwerpunkte sind dabei:

Der DFD setzt sich für die Teilnahme von Frauen an der Leitung aller gesellschaftlichen Prozesse ein

Die Teilnahme von Frauen an der Leitung gesellschaftlicher Prozesse auf allen Ebenen ist heute wichtiger denn je und darum unabdingbarer Bestandteil gesellschaftlicher Entwicklung. Nur durch eine größere Präsenz von Frauen in den Volksvertretungen ist die Interessenvertretung der Frauen zu garantieren. Deshalb beteiligt sich der DFD mit eigenen Kandidatinnen an den Wahlen zur Volkskammer und auf den kommunalen Ebenen. Der DFD fördert die Schaffung eines Ministeriums zur Entwicklung und Durchsetzung einer neuen Frauenpolitik sowie entsprechender staatlicher Organe auf Kreis-, Bezirks- bzw. Landesebene mit Vorlagen-, Beschluss-, und Vetorecht.

Der DFD setzt sich für soziale Sicherstellung der Frauen und Familien ein.

Er geht davon aus, dass eine Wirtschafts- und Währungsunion mit der BRD nur im Zusammenhang mit einem Sozialverbund möglich ist, der den Bürgerinnen und Bürgern der DDR die bestehenden sozialen Sicherheiten garantiert.

Schwerpunkte dabei sind:

Der DFD wirkt darüber hinaus für eine neue, auf die Familie orientierte Sozialpolitik sowie für gezielte materielle Unterstützung von Familien und Alleinerziehenden mit mehreren Kindern und Kindern mit Behinderungen. Er setzt sich für die Schaffung optimaler Bedingungen zur Integration von Menschen mit Behinderungen ins gesellschaftliche Leben ein.

Der DFD will die Verbesserung der Lebensbedingungen der Frauen auf dem Lande

Dazu gehören vor allem der Abbau schwerer körperlicher Arbeit in der Pflanzen- und Tierproduktion sowie eine gerechtere Entlohnung und Rentenfestlegung für die Bäuerinnen und Landarbeiterinnen: Dringend erforderlich ist die Entwicklung einer effektive, Infrastruktur in ländlichen Gebieten sowie des Handels und der Dienstleistungen, die echte Erleichterungen für die Frauen auf dem Lande bieten.

Der DFD wirkt für Gerechtigkeit und Achtung gegenüber älteren Bürgerinnen und Bürgern

Der DFD setzt sich für eine gerechtere Verteilung der Rentenmittel ein, die insbesondere den Mindestrentnerinnen, die unser Land aus Trümmern aufgebaut haben, einen von materiellen Sorgen freien Lebensabend sichert.

Der DFD fördert Achtung und Fürsorge in allen Bereichen der Gesellschaft gegenüber älteren Bürgern. Er engagiert sich dafür, dass ihnen durch Nachbarschaftshilfe und Bereicherung der Freizeit das Leben angenehm gemacht wird.

Der DFD setzt sich für eine entsprechende Erziehung junger Menschen ein.

Der DFD will Vereinsamung von Menschen entgegenwirken

Er will mithelfen, Solidarität, Toleranz und Freundlichkeit in unserer Gesellschaft zur bestimmenden Art und Weise des Umgangs miteinander zu gestalten. Als Voraussetzung dafür sieht er die Schaffung vielfältiger Kommunikationsmöglichkeiten und Einrichtungen zur Lebenshilfe, besonders für Alleinstehende. Bisher dabei bestehende Defizite in unserer Gesellschaft müssen abgebaut und überwunden werden.

Der DFD ist dafür, unterschiedliche Formen des Zusammenlebens der Menschen zu respektieren.

Ein besonders wichtiges Anliegen besteht darin, Kinder und Jugendliche vor Gefahren wie Kriminalität, Drogen und Prostitution zu bewahren und hierzu entsprechende Aufklärung zu leisten.

Verstärkt setzt sich der DFD dafür ein, Erscheinungen von Gewalt gegenüber Frauen und Kindern und sexistische Verhaltensweisen gegenüber Frauen und Minderjährigen öffentlich zu machen und entschieden zu bekämpfen.

Der DFD tritt dafür ein, dass Kultur und Bildung für alle erreichbar bleiben

Die Umgestaltung des gesellschaftlichen Lebens erfordert eine Kultur- und Bildungspolitik, die auch künftig den Zugang zu Bildung, Kunst sowie Kultur und Sport für alle gewährleistet.

Ein neues Bildungskonzept muss von humanistischen und antifaschistischen Werten getragen sein und die individuelle Entfaltung der Persönlichkeit zum Ziele haben. Gleiche Chancen für Mädchen und Jungen in Bildung und Ausbildung müssen gesichert und Begabungen weitaus stärker als bisher gefördert werden.

In Kunst und Kultur sieht der DFD wichtige Möglichkeiten, die Interessenvielfalt der Frauen, ihr Schöpfertum und ihre Individualität zu fördern und ihnen eine größere Selbstverwirklichung zu ermöglichen.

Das kulturelle Erbe gilt es neu zu erschließen. Der DFD wendet sich dabei besonders der Geschichte der Frauenbewegung zu und fördert alle fortschrittlichen, humanistischen Traditionen.

Der DFD trägt durch sein Wirken dazu bei, dass ein reales Bild der Frau und ihrer Lebensbedingungen in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Er wendet sich gegen jede Deformation des Frauenbildes im Sinne der Reduzierung auf die Frauenrechte der Vergangenheit, aber auch im Sinne der Vermarktung und Diskriminierung der Frau durch pornographische Darstellungen.

Der DFD arbeitet vielgestaltig in Städten und Dörfern

Er arbeitet basisdemokratisch für und durch seine Mitglieder. Seine kleinste Organisationseinheit ist die Gruppe. Sie bestimmt selbständig über Inhalt, Formen und Methoden ihres Wirkens. Auf Kreisebene strebt der DFD an, Frauen- und Familienzentren zur Bildung. Information und Kommunikation von Frauen, zur Selbsthilfe sowie Freizeitgestaltung zu schaffen, und organisiert Veranstaltungen, Seminare und Aktionen. Die von der Basis gewählten Vorstände und Vertreterinnen des DFD setzen sich in den Kommunen sowie auf allen Ebenen für die Interessen und Forderungen der Frauen gegenüber staatlichen Organen bis hin zur Regierung ein.

Das Programm wurde auf dem außerordentlichen Bundeskongress des DFD am 3. März 1990 beschlossen.

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