DDR 1989/90Brandenburger Tor

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So. 26. November


Das Initiativkomitee zur Gründung eines autonomen Frauenverbandes der DDR wendet sich mit einem Aufruf an alle Frauen, in dem es u.a. heißt:

"In der gegenwärtigen Situation des gesellschaftlichen Umbruchs spielen die Interessen von Frauen bislang eine untergeordnete Rolle. Wir befürchten

- eine weitere Verschlechterung der sozialen Lage von Frauen

- eine erneute Ausgrenzung von Frauen bei wichtigen politischen und ökonomischen Entscheidungen.

Aber es existiert weder ein öffentliches Bewusstsein darüber noch eine angemessene politische Interessenvertretung von Frauen.

Lasst uns deshalb die Initiative ergreifen!
Frauen, organisieren wir uns!
Schaffen wir uns eine eigene Interessenvertretung!

Unser Vorschlag:

Gründen wir gemeinsam einen Frauenverband, in dem sich alle

- unabhängigen Frauengruppen und -initiativen,

- Frauenvereine und -kommissionen,

- Frauenfraktionen der Parteien und Massenorganisationen

- und jede einzelne Frau

zu einer politischen Interessenvertretung zusammenschließen, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben. (...)"

8 240 FDGB-Reisen stehen den Werktätigen zusätzlich zur Verfügung, nachdem der FDGB die sonst nicht für die allgemeine Öffentlichkeit zugelassenen Gästehäuser der Organisation nunmehr als Erholungs- beziehungsweise Ferienheime freigegeben hat.

bis hier aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR 3. Folge, 1. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990, ISBN 3-7303-0595-6

Eine Internationale Wirtschaftskonferenz, organisiert vom Neuen Forum [Berlin-]Pankow, beschäftigte sich am Wochenende in Berlin-Buch mit Erfahrungen der Reformen in Osteuropa und der Wirtschaftsreform in der DDR. Die Diskussion machte zum einen deutlich, dass der Sozialismus in seiner bisherigen "stalinistischen Gestalt" endgültig ad acta zu legen ist. Zum anderen sind die Vorstellungen von der künftigen Gestalt und dem Inhalt der DDR sehr verschieden. Auf Widerstand im Forum stießen blauäugige Lobpreisungen der kapitalistischen Profitwirtschaft durch Unternehmervertreter aus der BRD und Berlin (West).
(Neues Deutschland, Mo. 27.11.1989)

Der Zentralvorstand der Industriegewerkschaft Metall hat seit Sonntag einen neuen Vorsitzenden. Hartwig Bugiel, der auf der Tagung des Zentralvorstandes in Berlin mit großer Stimmenmehrheit gewählt wurde, war bisher Vorsitzender der BGL des VEB Optischer Gerätebau im Kombinat VEB Carl Zeiss Jena. Zunächst müsse man das Vertrauen der Gewerkschaftsmitglieder wiedererlangen, so der neue Vorsitzende. Schwerpunkte seien die völlige Tarifautonomie und höhere Eigenverantwortung, der Kampf um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen sowie die Klärung von Urlaubs- und Arbeitszeitregelungen.
(Neues Deutschland, Mo. 27.11.1989)

Die Abteilung Feriendienst des FDGB teilt die Auffassung der Werktätigen, dass die Entwicklung des Erholungswesens in der DDR nicht den wachsenden Wünschen und Bedürfnissen standgehalten hat. Das geht aus einer der "Tribüne" und dem ADN übergebenen Mitteilung hervor. Hinzu komme, dass eine Reihe von Kapazitäten nicht effektiv genutzt werden beziehungsweise wenigen als Privileg vorbehalten blieben.

Alle Gästehäuser des FDGB werden künftig als Erholungs- beziehungsweise Ferienheime genutzt und ihren Kapazitäten entsprechend ausgelastet. So wurde festgelegt, die Gästehäuser in Berlin-Schmöckwitz und Rostock-Warnemünde mit insgesamt 102 Bettenplätzen ab 1. Dezember als Ferienheime zu nutzen. Das bedeutet, dass in ihnen im Dezember 187 Familien ihren Urlaub verbringen können.

Insgesamt werden damit jährlich 8 240 Reisen zusätzlich zur Verfügung stehen. Was die Erholungseinrichtungen und Gästehäuser anderer Institutionen und Organisationen betrifft, beispielsweise Gästehäuser verschiedener Ministerien, der Räte der Bezirke und der SED, sollten auch diese zur Erholung der Werktätigen bereitgestellt werden.
(Neue Zeit, Mo. 27.11.1989)

Die Gründung einer "Vereinigten Linken", in der erstmals SED-Mitglieder, Parteilose oder unabhängigen Gruppen Zugehörige ohne jede Diskriminierung und gleichberechtigt miteinander zu arbeiten beginnen sollten, ist am Wochenende in Berlin gescheitert. Insgesamt ging es den Organisatoren, wie Marion Seelig als Mitglied des Sprecherrates erläuterte, um den "Versuch, die für einen Sozialismus der Freiheit und Demokratie eintretenden Menschen in unserem Land zusammenzubringen, um in solidarischer Offenheit den konzeptionellen Streit um die Zukunft unseres Landes zu führen". In 13 Arbeitsgruppen sei zu anstehenden brennenden Fragen von Politik und Wirtschaft konstruktiv gearbeitet worden. Während des Arbeitstreffens kamen auch eine Reihe ausländischer Gäste zu Wort. Das Spektrum dieser Wortmeldungen reichte von links bis linksextrem, von Alternativer Liste bis zu Trotzkisten.
(Berliner Zeitung, Mo. 27.11.1989)

Der Zentralrat der FDJ hat auf seiner 13. Tagung am Wochenende das XIII. Parlament für den 16. bis 18. Februar 1990 einberufen. Dort soll über die weitere Entwicklung des Jugendverbandes beraten und entschieden werden.

Auf der Tagung wurde ein Entwurf des neuen Statuts der FDJ diskutiert. Der Jugendverband wird darin als sozialistisch, demokratisch, antifaschistisch und parteiunabhängig bezeichnet. Er tritt für einen sich stetig erneuernden Sozialismus ein und Ist interessiert, mit allen anderen Jugendorganisationen und Interessengruppen zusammenzuarbeiten. Im Gegensatz zum noch gültigen Statut wird im Entwurf keinerlei Bezug mehr auf die SED und ihr Programm genommen.

Weiterhin verabschiedete der Zentralrat der FDJ einen Aufruf an die Jugend der DDR, in dem unter anderem zu einer Unterschriftenaktion für eine parteiunabhängige Jugendvertretung in den Parlamenten aller Ebenen aufgefordert wird. Zugleich wird vorgeschlagen, einen Öko-Fonds zu gründen und sich an der Menschenkette durch die DDR am 3. Dezember zu beteiligen.

Frank Türkowski, 1. Sekretär des Zentralrates, lud Vertreter der entstandenen oder sich bildenden Jugendorganisationen unseres Landes zu einem Gespräch am Runden Tisch für den 29. November um 18 Uhr in das Haus des Zentralrates in Berlin ein.
(Neues Deutschland, Mo. 27.11.1989)

Der Aufruf "Für unser Land" erhält seine Endfassung.

Auf dem 6. Ökologieseminar in Berlin gründet sich die Grüne Liga.

In Jena wird eine Kundgebung abgehalten, auf der sich neue Gruppen und Parteien vorstellen.

Auf Antrag der "Gruppe der 20" beschließt die Stadtverordnetenversammlung von Dresden die Bildung einer Unabhängigen Untersuchungskommission zu den Handlungen der Schutz- und Sicherheitsorgane im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 03. bis 10. Oktober 1989 in Dresden.

In Rostock wird der Gründungsaufruf der "Vereinigten Bürgerinitiative für einen neuen Sozialismus" veröffentlicht.

Rund 1 500 Bürgerinnen und Bürger besichtigen das Jagdgebiet von Willi Stoph.

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