DDR 1989/90Brandenburger Tor

Impressum


Sa. 11. November


Partei- und Staatschef Egon Krenz und BRD-Kanzler Helmut Kohl telefonieren erneut. Kohl begrüßt die DDR-Regelungen im Reiseverkehr. Krenz nennt sie Ausdruck der Politik der Erneuerung und eine Vorleistung. Jedoch stehe die Wiedervereinigung nicht auf der Tagesordnung. Die beiden Politiker stimmen überein, praktische Schritte einer Zusammenarbeit zwischen DDR und BRD in einer sachlichen Atmosphäre beraten zu wollen.

Wegen mangelnden Vertrauens in der SED-Parteibasis entbindet die Bezirksleitung Erfurt ihren 1. Sekretär Gerhard Müller von seiner Funktion. Müller war auf der 10. ZK-Tagung nicht wieder zum SED-Politbüro-Kandidaten gewählt worden.

8 000 EinwohnerInnen von Fürstenwalde demonstrieren u. a. für freie Wahlen, ein erneuertes Bildungssystem und die Zulassung demokratischer Bürgerinitiativen.

bis hier aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR, 2. Folge, 1. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990 ISBN 3-7303-0594-8

In seinem Diskussionsbeitrag auf dem Plenum führte Eberhard Aurich, 1. Sekretär des Zentralrates der FDJ, aus, dass die Frage der Neubestimmung der Position der FDJ zur SED, zu anderen Parteien und Massenorganisationen zu stellen sei. Die sektiererische Einengung der FDJ, "Helfer und Kampfreserve der SED" zu sein, ihre Ausrichtung auf kommunistische Erziehung, auf den Zwang der engen Parteidisziplin ihrer Kader stünden mehr und mehr den Interessen ihrer Mitglieder entgegen, habe die FDJ in Verruf gebracht und ihren Masseneinfluss geschmälert. Natürlich wolle man um den einheitlichen sozialistischen Jugendverband kämpfen, es werde darüber diskutiert, wie die Organisation ein Dach für die vielen Interessen sein könne, offen für Mitglieder, gleich welcher Partei, welcher Weltanschauung oder welchen religiösen Bekenntnisses. Ob es künftig neben der FDJ noch andere Organisationen gibt, hänge davon ab, wie es gelinge, diese Frage produktiv zu beantworten.
(Neue Zeit, Sa. 11.11.1989)

Auf Initiative einer kirchlichen Gruppe fand am Sonnabend in Fürstenwalde eine friedliche Demonstration für demokratische Erneuerung statt. Etwa 8 000 Teilnehmer, darunter auch Mitglieder der SED und der LDPD, forderten auf Transparenten unter anderem freie Wahlen, eine Erneuerung des Bildungssystems und die Zulassung demokratischer Bürgerinitiativen.
(Berliner Zeitung, Mo. 13.11.1989)

Auch in Plauen demonstrieren Tausende.

In der Klosterkirche in Guben führen das Neue Forum und die SDP eine Veranstaltung durch. Sie werben dabei auch für eine Mitarbeit in ihren Organisationen.

In Hof wird von der Frankenpost die Vogtlandpost als Informationsblatt herausgegeben. Auch am Grenzübergang Ullitz wird das Blatt verteilt.

An mehreren Stellen werden neue Grenzübergangsstellen errichtet. Privatpersonen brechen als sogenannte "Mauerspechte" in Berlin mit mitgebrachtem Werkzeug Teile aus der Mauer. Manche behalten Stücke als Erinnerung. Beginn der Portionierung der Mauer in verkaufsfähige Größe. Zum Schutz der DDR-Grenzposten vor Randalieren fährt in Berlin auf der Westseite der Mauer die Polizei auf.

Ausnahmezustand in den grenznahen Städten der BRD durch den Besucherandrang aus der DDR. Banken, denen das Bargeld zur Auszahlung des Begrüßungsgeldes auszugehen droht, holen sich Bargeldnachschub in den Kaufhäusern.

Vielerorts fällt in der DDR der Schulunterricht aus.

In den Räumen der Christusgemeinde in Berlin-Oberschöneweide findet ein DDR-weites Koordinierungstreffen des Neuen Forum statt. Diskussionsthemen waren Reformen in der DDR. Bärbel Bohley meinte, wir bewegen uns auf dem Boden der Verfassung. Die Verfassung ist zu ändern und wir wollen die Verfassung auch ändern. Es wird ein Landessprecherrat und eine Kommission für die Erarbeitung von Programm und Statut bestimmt.

Vor der Bezirksleitung der SED Neubrandenburg findet eine Kundgebung statt. Veranstalter ist die BL/KL der SED. Gefordert wird u.a. die Einberufung eines Parteitages.