DDR 1989/90Brandenburger Tor


So. 22. Oktober 1989


In Rostock demonstrieren nach Angaben des Neuen Forum 18 000 Menschen.

In einem Papier fordert die LDPD u. a. die Zulassung des Neuen Forum und erklärt sich bereit, Mitglieder dieser Bürgerbewegung aufzunehmen und "auf eigenen Listen kandidieren" zu lassen.

bis hier aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR, 2. Folge, 1. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990 ISBN 3-7303-0594-8

Als Auftakt für eine breitangelegte öffentliche Aussprache, die an jedem Sonntag in verschiedenen Sälen um den Leipziger Karl-Marx-Platz herum weitergeführt werden soll, trafen sich gestern Vormittag weit über 500 Bürger im Gewandhaus der Messestadt.

Das Gesprächsforum, das Menschen aller Generationen - Arbeiter, Handwerker, Wissenschaftler, Schüler, Lehrlinge, Studenten sowie Angestellte, Künstler und Funktionäre - vereint, soll als "Dialog am Karl-Marx-Platz" die Ziele der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung in der DDR mitbestimmen helfen. So umriss einleitend Gewandhauskapellmeister Prof. Kurt Masur das Anliegen.

Zusammen finit den Sekretären der SED-Bezirksleitung Dr. Kurt Meier, Jochen Pommert und Dr. Roland Wötzel sowie mit dem Theologen Dr. Peter Zimmermann und dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange war er Einlader zu diesem öffentlichen Disput.

Diese sechs Leipziger Persönlichkeiten hatten sich am 9. Oktober mit einem Aufruf an die Demonstrierenden im Zentrum der Messestadt gewandt, ruhig und besonnen den Dialog über die gegenwärtig zu lösenden Fragen und Probleme zu suchen.

Vielfach wurde begrüßt, dass der Dialog in Gang gekommen ist. Doch nun sei es an der Zeit, konstruktiv aber Ursachen für die entstandene Situation zu reden und im Sinne des gesamten Volkes Lösungen als Ausweg zu finden.
(Berliner Zeitung, Mo. 23.10.1989)

Der Senat von Westberlin will Zahlungen für Aussiedler aus osteuropäischen Staaten und Übersiedler aus der DDR einschränken und damit im kommenden Jahr rund 25 Millionen DM einsparen. Die bislang aus der Stadtkasse gewährten "Umzugsbeihilfen" von bis zu 850 DM sollen gestrichen. Freifahrten bei den Verkehrsbetrieben BVG sollen erheblich eingeschränkt werden. Auch das bisher Aussiedlern gewährte Überbrückungsgeld in Höhe von 55 DM soll künftig nicht mehr gezahlt werden. Der Senat fordert von Bonn "direkte finanzielle Hilfe", da durch den Zuzug von 30 000 Menschen allein bis Ende September zunächst vorgesehene soziale Verbesserungen für die Bürger der Stadt zurückgestellt werden.
(Berliner Zeitung, Mo. 23.10.1989)

In München findet eine Podiumsdiskussion unter dem Motto "Deutschland einig Vaterland" J.R. Becher statt.