DDR 1989/90Brandenburger Tor


Di. 10. Oktober 1989


Intendant Dr. Fritz Rodel und die Schauspielerin Marion van de Kamp für die Gewerkschaftsgruppe Schauspiel der Volksbühne Berlin haben dem ADN am Dienstag folgende Erklärung übermittelt:

"Als Gastgeber des Treffens von Theaterschaffenden der Hauptstadt zum 40. Jahrestag der DDR am 7.10.89 in der Volksbühne erklären wir: Die Teilnehmer dieses Treffens verständigten sich über ihre Forderungen und Vorschläge zu akuten gesellschaftlichen Problemen unseres Landes. Es wurde verabredet, ein nächstes Treffen durchzuführen. Die Zusammenkunft wurde um 14.30 Uhr mit Einverständnis aller Beteiligten beendet.

Die Behauptung eines Augenzeugen des RIAS, die am 8.10. mehrfach über den Sender ging, es sei ein Brief an Erich Honecker verabschiedet worden und die Versammlung sei durch die Sicherheitsorgane aufgelöst worden, ist frei erfunden. Wir weisen diese Einmischung in unsere Angelegenheiten entschieden zurück."
(Neue Zeit, Do. 12.10.1989)

Auf besorgte Anfragen von Bürgern zu den von westlicher Seite erhobenen Verleumdungen über den Einsatz der Volkspolizei in den letzten Tagen erhielt ADN von der Presseabteilung des Mdl folgende Information:

In mehreren Städten der DDR war es zu Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit gekommen. Zur Auflösung ungesetzlicher Zusammenrottungen hatte die Volkspolizei wiederholt aufgerufen. Erst als alle Ermahnungen zur Gewaltlosigkeit und zur Zurückhaltung nicht fruchteten, war der Einsatz von Ordnungskräften zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung unumgänglich. Wahr ist, dass Randalierer, aufgeputschte Störer und kriminelle Elemente staatsfeindliche Parolen riefen und die im Ordnungseinsatz befindlichen Volkspolizisten tätlich angriffen. Sie warfen mit Steinen, Flaschen und Brandsätzen, schlugen brutal und rücksichtslos mit Stahlstangen und anderen Schlaggegenständen auf die Ordnungskräfte ein. Und nicht zufällig trugen viele der Krakeeler Schutzhelme, was auf vorsätzliche und geplante Handlungen schließen lässt.

Tatsache ist, dass die Volkspolizei äußerst zurückhaltend und erst, nachdem sie angegriffen wurde, gegen Unruhestifter unter Anwendung polizeilicher Hilfsmittel vorging und nicht, wie westliche Medien behaupten, blindlings und rücksichtslos auf unbeteiligte Bürger einschlug.

Wahr ist ebenfalls, dass 106 Volkspolizisten zum Teil erheblich verletzt wurden, 46 der Rowdys kamen zu Schaden. Angebliche Tote sind von den Westmedien frei erfunden. Es ist nachgewiesen, dass westliche Korrespondenten die Volkspolizei nicht nur verleumden, sondern dass sie zu den Organisatoren und Aufwieglern gehörten. So viele "Zufälle", immer gerade dann vor Ort zu sein, wenn sich Randalierer zusammenrotteten, kann es gar nicht geben! Diese „Berichterstatter" gaben den Unruhestiftern Rückhalt und konkrete Anleitung zum Handeln sie wurden sogar selbst zu Störern der gesetzlichen Ordnung. Wegen dieser massiven Einmischung mussten ihnen die Arbeitsmöglichkeiten eingeschränkt werden.

Was westliche Medien auch immer gegen die Deutsche Volkspolizei an Verleumdungen übelster Art vorbringen, wird diese nicht daran hindern, den Dienst zum Schutz der Bürger, für den sozialistischen Staat jederzeit standhaft zu erfüllen.
(Neues Deutschland, Mi. 11.10.1989)

Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR hat Proteste der Chefredaktionen einiger BRD-Medien darunter der ARD und des ZDF wegen „Behinderungen" ihrer Korrespondenten in den letzten Tagen durch Organe der DDR entschieden zurückgewiesen. Die Leitungen dieser Medien wurden darauf aufmerksam gemacht, dass sich ihre Korrespondenten unbefugt in polizeilichen Handlungsräumen aufhielten. Wiederholten Aufforderungen durch die Volkspolizei, ihre Arbeit einzustellen wurde nicht Folge geleistet. In mehreren Fällen traten diese Journalisten sogar als Mitinitiatoren von Krawallen und Zusammenstößen auf und beteiligten sich an der Aufwiegelung von Rowdygruppen.

Verhaltensweise dieser Korrespondenten stellt eine direkte Einmischung in die inneren Angelegenheiten der DDR dar. Sie widerspricht Geist und Buchstaben der KSZE-Schlussakte, verletzt die Rechtsordnung der DDR und steht im Widerspruch zu den Normen sachlicher journalistischer Tätigkeit. Im Gegensatz dazu steht die Arbeit der Mehrzahl der rund 800 ausländischen Korrespondenten aus 50 Ländern, die im Pressezentrum DDR 40 akkreditiert waren und die alle ihnen gebotenen großzügigen Arbeitsmöglichkeiten in der Hauptstadt für ihre journalistische Tätigkeit intensiv nutzten. Bereits am Montag hatte das DDR-Außenministerium einen ähnlichen Protest der Ständigen Vertretung der BRD in der DDR entschieden zurückgewiesen.
(Neues Deutschland, Mi. 11.10.1989)

In der St.-Georgen-Kirche in Halle beginnt eine Mahnwache für die einen Tag zuvor Festgenommenen. Da Autofahrer beim Vorbeifahren ihre Solidarität durch das Betätigen der Hupe bekunden, werden Hubverbotsschilder aufgestellt und Geldstrafen wegen hupens verhängt.

Das Kontakttelefon im Büro der Gethsemanekirchengemeinde in Berlin ist ab diesem Tag durchgehend besetzt.

Stefan Hermlin sagt in einem Interview im BRD-Fernsehen: "Sie rufen zu Tausenden, das Wort wir bleiben hier. Und das ist für mich eine Erklärung für die DDR. Und ich halte es für schlimm, wenn solche Menschen niedergeknüppelt werden, oder wenn man solche Menschen nicht gewähren lässt."

In München teilt die bayerische Grenzpolizei mit, mehr als 50 DDR-Bürger sind aus persönlichen Gründen in die DDR zurückgekehrt.

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