DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Do. 31. August 1989


Zwischen den Ministern für Auswärtige Angelegenheiten der DDR und der Ungarischen Volksrepublik, Oskar Fischer und Gyula Horn, fand am Donnerstag in Berlin ein freundschaftliches Gespräch statt. Dabei führten die Minister einen Meinungsaustausch über Fragen der Beziehungen DDR/UVR.

In dem Gespräch wurde auf die langjährige freundschaftliche Verbundenheit und Zusammenarbeit zwischen der DDR und der UVR verwiesen, die sich auf der Grundlage des Vertrages über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand gut entwickle. Die vier Jahrzehnte enger Zusammenarbeit seien angefüllt von einer Vielzahl gemeinsamer und erfolgreicher Bemühungen zur Sicherung des Friedens und zur Stärkung des Sozialismus. Es bestünde ein enges Netz von Beziehungen zwischen beiden Seiten. Das langfristige Programm bis zum Jahre 2000 sei für die künftige ökonomische und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit eine solide Grundlage. Oskar Fischer brachte zum Ausdruck, dass einige Fragen des Reiseverkehrs dadurch entstanden seien, weil die BRD unter Berufung auf ihre sogenannte Obhutspflicht für alle Deutschen und unter Missachtung der Staatsbürgerschaft der DDR Bürgern der DDR den Aufenthalt in ihren Vertretungen gestattet und an Bürger der DDR widerrechtlich Passe der BRD ausgibt. Von DDR-Seite wurde darauf hingewiesen, dass der Gedanke immer mehr Raum greift, dass der Weg, sich über diplomatische Vertretungen anderer Staaten Ausreisemöglichkeiten erzwingen zu wollen, nicht gangbar ist. Oskar Fischer betonte, dass alle Versuche, die Ausreise über den Aufenthalt in diplomatischen Vertretungen der BRD oder in von der BRD betreuten Lagern erzwingen zu wollen, nicht hingenommen werden können, da die gesetzlichen Regelungen der DDR für alle ihre Bürger in gleicher Weise verbindlich sind. Der Außenminister brachte anschließend zum Ausdruck, dass die DDR die Pflege und weitere Vertiefung der engen, freundschaftlichen Beziehungen und der vielfältigen Direktkontakte sowie den Meinungs- und Erfahrungsaustausch als besonders wichtig betrachtet. Sie lasse sich davon leiten, dass auch fürderhin alle Probleme auf der Grundlage der bewährten Prinzipien zum Nutzen beider Staaten und Völker unter Berücksichtigung der gegenseitigen Interessen einer Lösung zugeführt werden können.
(Neues Deutschland, Fr. 01.09.1989)