DDR 1989/90Brandenburger Tor


So. 20. Mai 1990


Radfahrer bestimmten am Sonntagnachmittag für kurze Zeit das Geschehen auf den Straßen Berlins zwischen der Siegessäule und dem Alexanderplatz. Tausende Pedalritter aus beiden Teilen der Stadt hatten sich dem Fahrradkorso innerhalb der Aktion "Mobil ohne Auto", organisiert vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands, dem Allemeinen Deutschen Fahrradclub aus West-Berlin und der Grünen Liga der DDR, angeschlossen.

Von der blinkenden Rennmaschine über eine Fahrradrikscha bis zu Vehikeln aus Omas Zeiten war alles vertreten. Ausgestattet mit Radio, Sirene, Hupe, mindestens zehn Katzenaugen und Nummernschild war mancher Drahtesel kaum als solcher zu erkennen. Zwischen den Radlern, die nicht schneller als Schrittempo fuhren, tauchten ab und zu Rollstuhlfaher oder Rollschuhläufer auf.

Mit ihrer Aktion wollten die Beteiligten Forderungen nach einem raschen Ausbau des Bus- und S-Bahn-Netzes sowie von Fahrradspuren, flächendeckenden Verkehrsberuhigungen und einer autofreien Innenstadt Nachdruck verleihen. Verkehr sollte fußgänger-, fahrrad-, kinder- und behindertenfreundlich sein, Energie sparen und die Umwelt schonen.
(Neue Zeit, Di. 22.085.1990)