DDR 1989/90Brandenburger Tor


Sa. 12. Mai 1990


Rund 1 000 Einwohner von Eberswalde-Finow und Umgebung folgten am Samstag dem Aufruf aller örtlichen Parteien und Organisationen zu einer friedlichen Demonstration gegen den sowjetischen Militärflughafen Finowfurt. Der Flugplatz und seine Start- und Landebahn liegen in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten.

In zuvor von der Grünen Partei und Bürgerinitiativen durchgeführten Unterschriftenaktionen hatten sich über 5 000 Anwohner für eine erhebliche Reduzierung des Fluglärms ausgesprochen.
(Neues Deutschland, Mo. 14.05.1990)

Die Ministerin für Arbeit und Soziales der DDR, Regine Hildebrandt (SPD), hat Streiks für die 38-Stunden-Woche und Lohnerhöhungen zum jetzigen Zeitpunkt als "abwegig" bezeichnet. Beim derzeitigen desolaten Zustand der Wirtschaft des Landes müsse versucht werden, "das Wenige, das wir haben, gerecht zu verteilen", sagte sie in einem am Sonnabend von der Wiener Zeitung "Die Presse" veröffentlichten Interview.

Wer heute einen sicheren Arbeitsplatz besitze, könne bei den Tarifverhandlungen im zweiten Halbjahr mit einem angemessenen Lohnzuwachs rechnen. Das treffe vor allem auf jene 40 Prozent der Betriebe zu, "die einigermaßen rentabel arbeiten". Frau Hildebrandt verwies auf die Schwierigkeiten beim Aufbau der Arbeitsämter und angesichts steigender Arbeitslosenzahlen. "Beim massenweisen Zusammenbrechen ganzer Betriebe ist nicht einmal ein Katastrophenmanagement in den Griff zu kriegen", erklärte sie.

Die Ministerin forderte Sofortmaßnahmen gegen die Flut von westlichen Produkten in die DDR. Durch Preiserhöhungen für diese Waren soll auch bis nach dem 2. Juli ein "Schutzgürtel" gebildet werden, damit die lebensfähigen Industriebereiche überleben können. Zum Problem der DDR-Ladenhüter sagte sie: "Nach dem 2. Juli werden in der DDR viele Leute sehr wenig Geld haben. Und diese Leute werden Waren aus der DDR-Produktion kaufen, weil sie eben billiger sind."
(Neues Deutschland, Mo. 14.05.1990)

Betroffenheit noch immer über Schmierereien "Juden raus" und "Saujud", mit denen vorige Woche Unbekannte die letzte Ruhestätte von Bertolt Brecht und Helene Weigel in Berlin geschändet hatten. Viele Kulturschaffende und Künstler kamen nicht zuletzt deshalb am Sonnabend - zum 90. Geburtstag der Weigel - auf den Dorotheenstädtischen Friedhof, um die Schauspielerin und Theaterleiterin mit roten Rosen zu ehren. Manfred Wekwerth, Präsident der Akademie der Künste der DDR, charakterisierte die antisemitischen Parolen als Ausdruck jener infernalischen Intoleranz, die Helene Weigel einst aus Deutschland vertrieben hatte.
(Neues Deutschland, Mo. 14.05.1990)

Die Außenminister der DDR und des Königreichs Dänemark, Markus Meckel und Uffe Ellemann-Jensen, haben am Sonnabend in Berlin ein Abkommen über die Aufhebung der Visapflicht im Reiseverkehr zwischen beiden Staaten unterzeichnet. Danach können ab 15. Mai dieses Jahres Inhaber von Reise-, Dienst- und Diplomatenpässen visafrei in das jeweils andere Land reisen und sich dort bis zu drei Monaten aufhalten.
(Neues Deutschland, Mo. 14.05.1990)

In der DDR gäbt es jetzt offiziell eine "Vereinigung der Freunde Palästinas". Auf der konstituierenden Versammlung am Wochenende in Berlin wurden ein Vorstand gewählt und eine vorläufige Satzung angenommen.
(Neues Deutschland, Mo. 14.05.1990)

In Rostock gründet sich der Landesverband Mecklenburg der Vereinigten Linken.