DDR 1989/90Brandenburger Tor


Mi. 2. Mai 1990


Die Gewerkschaft Wissenschaft der DDR (GW) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft der BRD (GEW) wollen eine einheitliche gewerkschaftliche Interessenvertretung im Bildungs- und Wissenschaftsbereich aufbauen und in die weiteren Gespräche auch die BRD-Gewerkschaft ÖTV einbeziehen. Das erklärten die Vorsitzenden beider Gewerkschaften, Dr. Günter Eiselt (GW) und Dr. Dieter Wunder (GEW), nach dem zweiten Treffen von Delegationen der Hauptvorstände in Frankfurt (Main).
(Neues Deutschland, Mi. 02.05.1990)

Die beiden DDR-Kernkraftwerke Greifswald und Rheinsberg sollen bis Ende Juni in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Der neuen Kapitalgesellschaft mit dem Namen Energiewerke Nord AG sollen auch das Endlager für radioaktive Abfälle in Morsleben und der Berliner Forschungsbereich für Kernenergie angehören.
(Neue Zeit, Do. 03.05.1990)

Der bundesdeutsche Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) hat die Schiffbauindustrie der DDR als Vollmitglied in die Organisation aufgenommen. Wie VSM-Vorstandsvorsitzender Norbert Henke am Mittwoch in Hamburg sagte, ist damit die Schiffbauindustrie als erster Industriezweig wieder in einem gesamtdeutschen Verband zusammengefasst. Der VSM forderte für die Werften in der DDR ein auf drei bis fünf Jahre angelegtes Strukturprogramm zur Anpassung an die Bedingungen des Weltmarktes, an dem die bundesdeutschen Werften zur Zeit einen Anteil von 4,5 Prozent halten. 1989 lieferten BRD-Werften 58 Schiffe im Wert von 2,15 Milliarden Mark aus. Ende des Jahres standen insgesamt 152 Schiffe für 7,46 Milliarden Mark in den Auftragsbüchern. Die DDR lieferte 1989 37 Einheiten aus und hatte Aufträge für 61 Schiffe.
(Berliner Zeitung, Fr. 04.05.1990)

Ein "Institut für Europa-Erziehung" wurde an der Pädagogischen Hochschule "Clara Zetkin" in Leipzig gegründet. Sein Ziel ist es, Lehrerstudenten den geistig-kulturellen Reichtum des europäischen Studien- und Lernfeldes erschließen zu helfen. Im kommenden September wird das Institut gemeinsam mit der Europäischen Bildungs- und Aktionsgemeinschaft (EBAG) die Sommerakademie Leipzig ausrichten.
(Neues Deutschland, Mi. 02.05.1990)

Die CSU-Schwesterpartei Deutsche Soziale Union (DSU) will nach den Worten des geschäftsführenden Vorsitzenden Hubertus Nowack ihren politischen Wirkungskreis auf das Gebiet der DDR beschränken. Die DSU sei zwar mit der CSU "fast deckungsgleich", aber kein Ableger der Christsozialen. "Wir sind das, was die CSU in Bayern ist", sagte Nowack. Formen einer engeren Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien in der Zukunft seien derzeit noch nicht absehbar.
(Berliner Zeitung, Mi. 02.05.1990)