DDR 1989/90Brandenburger Tor


Di. 1. Mai 1990


Die Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde wurde von bislang unbekannten Tätern geschändet, teilte die Berliner VP am Dienstag mit. Gegen 12 Uhr sei bekannt geworden, daß auf den Gedenkstein, der die Inschrift "Die Toten mahnen uns" trägt, mit weißer Farbe das Wort "Schweinepriester" und ein Judenstern geschmiert worden sind. Grabplatten wurden mit Farbe übergossen. Die Ermittlungen der Kripo dauern an.
(Neue Zeit, Mi. 02.05.1990)

Am Abend des 1. Mai kam es in einer Gaststätte in Neukirchen, Landkreis Eisenach, zu einer Zusammenkunft von rund 100 Neonazis, Skins und ähnlich politisch motivierten Personen aus der DDR und der Bundesrepublik. Das Treffen war als "geschlossene Veranstaltung" deklariert und beim Leiter der Gaststätte als Treffen des "Bundes der freien Gewerkschaften" angemeldet worden.
(Neue Zeit, Do. 10.05.1990)

Erste Gespräche über den deutsch-deutschen Einigungsprozess im Bildungswesen führten gestern der DDR-Minister für Bildung und Wissenschaft, Prof. Dr. Hans-Joachim Meyer, und der bundesdeutsche Bildungsminister, Jürgen W. Möllemann, in Münster.

Hauptinhalt der Gespräche waren die Vorbereitung einer ersten offiziellen Begegnung von Regierungsdelegationen beider deutscher Staaten auf dem Bildungssektor am 16. Mai in Bonn sowie vorbereitende Beratungen über die Arbeit einer deutsch-deutschen Bildungskommission.

Minister Meyer sagte auf einer abschließenden Pressekonferenz, dass die Weiterbildung, insbesondere die berufliche, eines der aktuellsten und brennendsten Probleme in der DDR sei. Bundesminister Möllemann betonte, beide Seiten wollten durch die Konstituierung einer deutsch-deutschen Bildungskommission und mit einem für Ende Juni in Berlin geplanten gemeinsamen Kongress zur Weiterbildung eine enge Verzahnung beider Bildungssysteme bewirken.

Zu den Beschlüssen einiger Bundesländer auf Nichtanerkennung des DDR-Abiturs in der Bundesrepublik erklärte er, diese Position entspreche nicht den Gesetzen der Bundesrepublik und sei rechtswidrig.
(Berliner Zeitung, Mi. 02.05.1990)

Als erstes privates Fahrgastschiff an der DDR-Ostseeküste ist am Dienstag "Nordwind" von der Saßnitzer Mole aus zu seiner Jungfernfahrt in See gestochen. Für jeweils 6,50 Mark können sich jetzt etwa 90 Fahrgäste auf dem 21 Meter langen Motorschiff während einer einstündigen Kreuzfahrt vor Stubbenkammer Seeluft um die Nase wehen lassen.
(Berliner Zeitung, Mi. 02.05.1990)

Das Jugendmagazin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, "ran" wird mit einer um 8 Seiten erweiterten Ausgabe jetzt auch in der DDR vertrieben.