DDR 1989/90Brandenburger Tor


Sa./So. 10./11. März 1990


Die Schauspielerin Annekathrin Bürger wird auf dem ersten Kongress der nationalen Bürgerbewegung in Berlin zur Vorsitzenden dieser von Parteien unabhängigen und gemeinnützigen Vereinigung gewählt.
(BZ, 12.3.1990)

In Leipzig beginnt die Frühjahrsmesse, die mit 9 000 Ausstellern aus fast 70 Ländern eine Rekordbeteiligung verzeichnet.

Aus eigener Kraft oder mit Unterstützung durch BRD-Prominenz nutzen die 24 Parteien, andere politische Vereinigungen und Listenvereinigungen, die an der Volkskammerwahl teilnehmen, das Wochenende, um sich und ihre Programme den potentiellen Wählern vorzustellen.

Gegen den bedingungslosen Anschluss der DDR an die BRD und für den Erhalt des sozialen Bestandes und Vermögens sprechen sich bei Wahlveranstaltungen Dr. Günther Maleuda (DBD), Manfred Flegel (NDPD) und Gregor Gysi (PDS) aus.

Mit der Devise "Jetzt gerade!" schließt in Dresden der Wahlparteitag des DA. Die Delegierten sprechen trotz aller Beschuldigungen ihrem Vorsitzenden Wolfgang Schnur, der krankheitshalber nicht anwesend war, das Vertrauen aus. "Die deutsche Einheit jetzt" fordert der DSU-Vorsitzende Hans-Wilhelm Ebeling auf einer Wahlveranstaltung in Magdeburg. Die Entscheidung dafür sei längst gefallen. Er selbst habe sich nie als Bürger der DDR empfunden, sondern als Bürger Deutschlands. Scharfe Angriffe gegen das Kabinett Modrow richtet CSU-Vorsitzender Theo Waigel: "Wir investieren in den Wandel, wir helfen den Menschen, aber wir geben keine Mark für ein verkommenes und verrottetes System."

Gegen den "Schmutzwahlkampf" von CDU und CSU in der DDR protestiert Bundesgeschäftsführerin Anke Fuchs in Görlitz.

CDU-Vorsitzender Lothar de Maizière lehnt auf einem internationalen Kolloquium in Berlin zwar eine Vereinigung nach Artikel 23 nicht ab, ergänzt jedoch, dass die Rahmenbedingungen dafür vorher klar sein müssen.

Gegen DDR-Ausverkauf und für die Einheit aller linken Kräfte treten im Zentrum von Karl-Marx-Stadt Vertreter der Vereinigten Linken, der KPD, der Alternativen Jugendliste, der PDS und der NELKEN ein.
(BZ 12.3.1990)

"Deutscher Fernsehfunk" heißt die Fernsehanstalt der DDR wieder. Sie ist Rechtsnachfolger des DDR-Fernsehens und erhält damit ihren Namen zurück, den sie bis 1972 trug. Das geht aus einer Pressemitteilung des Fernsehens hervor. Die Umbenennung erfolgt im Zuge der Umwandlung des Fernsehsenders in eine unabhängige, öffentlich-rechtliche Anstalt.

bis hier aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR, 4./5. Folge, 1. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990, ISBN 3-7303-0604-9

Als eine weitere Berufsorganisation hat sich kürzlich der Verband der Archivare der DDR gebildet. Er will sich u. a. für den Schutz des Archivfonds des Landes einsetzen und wendet sich gegen bürokratische und ideologische Deformationen, die seit Anfang der 70er Jahre zu Rückständen im internationalen Vergleich geführt haben. Bisher wurden der Statutentwurf beraten und ein gewählter Arbeitsausschuss mit der Vorbereitung der ersten Mitgliederversammlung beauftragt. Als geschäftsführender Vorsitzender wurde Oberarchivrat Dr. Werner Gahrig, Direktor des Berliner Stadtarchivs, gewählt.

Kontaktadressen Stadtarchiv Berlin, Breite Straße 30/31, Postfach 660, Berlin 1026; Redaktion "Archivmitteilungen", Berliner Straße 98-101, Potsdam 1561 und Staatsarchiv Leipzig, Georgi-Dimitroff-Platz 1, Postfach 940, Leipzig 7010.
(Neues Deutschland, Sa. 10.03.1990)

Rund 2 000 Menschen demonstrierten am Sonntagmorgen auf dem Berliner Alexanderplatz für den Aufbau einer neuen demokratischen Gesellschaft und gegen ein "Alles-über-Bord-Werfen". Als Veranstalter zeichneten mehrere linke Parteien und Gruppierungen verantwortlich, darunter die Vereinigte Linke, DIE NELKEN, die KPD und die PDS. Für Aufruhr sorgte der Volkskammerkandidat der Spartakist-Arbeiterpartei Toralf Endruweit. Nachdem ihm der Zutritt zur Rednertribüne verwehrt worden war, organisierte er eine kleine Gegendemonstration, bei der er die Politik von Hans Modrow kritisierte. Ergebnis dieser Äußerungen waren heftige Streitgespräche zwischen Zuhörern und Vertretern der Spartakisten.
(Berliner Zeitung, Mo. 12.03.1990)

Willy Brandt besucht im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung in Frankfurt demonstrativ die polnische Westgrenze. Auf der Oder-Brücke zwischen Frankfurt und Slubice sagte er: "Ich bin gekommen, um Ihnen zu sagen, diese Grenze ist endgültig."

Auf Wahlkampfveranstaltungen in Plauen treten Heiner Geißler von der CDU und Hans-Dietrich Genscher von der F.D.P. auf.

Zu einer Fahrraddemonstration hat die Grüne Partei in Magdeburg aufgerufen. Fahrraddemonstrationen gibt es in Karl-Marx-Stadt, in Forst, dort wird gefordert, den Tagebau zu schließen und in Stendal, dort führt der Fahrradkorso zum Kernkraftwerk.

Am Wochenende gründet sich die Deutsche Postgewerkschaft. Etwa 130 000 Beschäftigte und 40 000 Rentnerinnen und Rentner gehören der neuen Gewerkschaft an. Es wird eine neue Satzung und ein Aktionsprogramm beschlossen. Peter Praikow wird Vorsitzender und Uta Pech stellvertretende Vorsitzende. Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Postgewerkschaft im DGB, Albert Stegmüller, begrüßt die Gründung und bietet eine weitreichende Zusammenarbeit an.

Auf der 43. Bundesdelegiertenversammlung des Ringes Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) in Königswinter werden die fünf RCDS Gruppen die bisher in der DDR gegründet wurden in den Gesamtverband aufgenommen.

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