DDR 1989/90Brandenburger Tor

Impressum


Streiks März 1990


Mo. 12.03.
Die Auflösung des VEB Verkehrs- und Tiefbaukombinat Frankfurt (Oder), die Absetzung des Direktors und die Selbständigkeit der Betriebsteile forderten gestern rund 400 Bauarbeiter während eines Warnstreiks vor dem Gebäude des Rates des Bezirkes Frankfurt (Oder).

Mi. 14.03.
Früh um 8 Uhr blieben an der Ackerhalle in [Berlin-]Mitte die Tore zu. Mit einem Warnstreik wollten die 170 Mitarbeiter der traditionsreichen, mehr als 100 Jahre alten Halle auf ihre Probleme aufmerksam machen. Den Anlass erläuterte uns Belegschaftssprecher Ralf Wolf: "Die westdeutsche Handelsgenossenschaft Coop wird sich finanziell und materiell an der bevorstehenden Rekonstruktion unserer Halle beteiligen. Anschließend will Coop hier einen 'Frischmarkt' einrichten. Für Industriewaren und viele private Händler wäre dann jedoch kein Platz mehr. Ob wir das wollen oder unsere Kunden - danach fragt keiner."

Kein Streik, "nur" ein Meeting vereinte am Nachmittag rund 1 000 Mitarbeiter des Getränkekombinates auf dem Hof der Kindl-Brauerei in der Indira-Gandhi-Straße. Die Gewerkschaftsleitung hatte dazu aufgerufen und warb mit kämpferischen Worten für eine starke Interessenvertretung der Werktätigen.

Beifall brandete jedoch erst auf, als Arbeiter das Mikrofon ergriffen und Fragen stellten: Wie sicher sind unsere Arbeitsplätze? Wird das Kombinat aufgelöst? Mit welchen Unternehmen verhandelt man über unsere Zukunft? Überführung in GmbH, Brauereienverbund, unverbindliche Gespräche mit Coca-Cola, Arbeitsplatzerhaltung anstreben - die Antworten des amtierenden Kombinatsdirektors Heilig taten die Arbeiter als Beschwichtigung ab. "Das Schlimme ist: Bei uns geht die Angst um, und da oben interessiert das offenbar niemanden", meinte ein Anlagenfahrer von "Spreequell".

Mi. 28.03.
Der Streik der Belegschaft der Exportbierbrauerei Berliner Bürgerbräu wurde am Mittwoch um 13.10 Uhr beendet. Nach Schlichtungsverhandlungen zwischen Streikkomitee und Leitung des Getränkekombinates teilten beide Seiten mit, dass die Forderungen der Belegschaft erfüllt werden. Mit der Umwandlung des Getränkekombinats in eine Kapitalgesellschaft soll die Brauerei ein ökonomisch selbständiges Unternehmen werden. (...)

Wie die Belegschaftsvertreter informierten, haben sich die Mitarbeiter dazu verpflichtet, die Verluste, die etwa eine halbe Million Mark ausmachen, in zusätzlicher unbezahlter Arbeitszeit wieder aufzuholen.

Die Bierfahrer haben sofort ihre Fahrzeuge beladen und mit der Auslieferung an die Gaststätten begonnen, hieß es weiter. Alle Kunden erhalten umgehend die bestellten Biermengen, versicherte die Brauerei.

Link zum Hungerstreik der Erfurter Bürgerwache


Alle Angaben sind Auszüge aus den Chronikseiten März 1990 www.ddr89.de. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben.