DDR 1989/90Brandenburger Tor


Mo. 26. Februar 1990


Auf seiner 14. Sitzung verabschiedet der Runde Tisch ein "Positionspapier, zur Lage der Kultur in der DDR sowie zu erforderlichen Maßnahmen". Einig sind sich die Vertreter der 16 beteiligten Parteien, Vereinigungen und Organisationen darüber, dass die besten kulturellen Werte bewahrt und in die neuen gesellschaftlichen Strukturen eingebracht werden müssen. In dem Positionspapier heißt es u. a.:

"Der Runde Tisch vertritt im Sinne auszulösender Sofortmaßnahmen folgende Standpunkte:

Es kann nicht zugelassen werden, dass sich der Staat nach vierzigjähriger Wahrnehmung seiner Rechte aus der Verantwortung für Kultur und Kunst verabschiedet. Der Staat hat die strukturellen und materiellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich das Individuum nach seinen Talenten und Bedürfnissen frei entfalten kann.

Jeglicher Missbrauch der Kultur und Kunst ist auszuschließen. Das uneingeschränkte Recht aller Bürgerinnen und Bürger auf freien Zugang zu Kultur und Kunst muss gesichert sein. Strukturelle und finanzielle Maßnahmen, die den Kulturbereich betreffen, bedürfen der vorherigen öffentlichen Diskussion. Die in den Kommunen bisher für Kultur und Kunst zur Verfügung stehenden Mittel dürfen nicht umverteilt werden. Die betrieblichen Mittel, die auf der Grundlage bisher bestehender Regelungen für Kultur und Bildung bereitzustellen sind, dürfen nicht verringert werden.

Ein nationales Programm zur Erhaltung historischer Stadtkerne und aller anderen Baudenkmale mit Einbeziehung deutsch-deutscher Umweltpartnerschaften ist vorzubereiten.

Die sorbische Kultur und Kunst sind weiterhin mindestens in der bisherigen Höhe über einen zentralen Fonds durch die Regierung zu subventionieren.

Offenlegung des für 1990 beschlossenen Haushalts durch das Kulturministerium. (...)

Einhaltung der geltenden gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz und zur Förderung von Kunst und Kultur durch die dafür verantwortlichen Institutionen.

Die bestehenden Fonds für 1990 auf allen Ebenen (öffentlichen und betrieblichen) müssen weiter in Anspruch genommen werden können.

Empfehlungen an die regionalen Runden Tische, auf ihrem Territorium einen Sachverständigenrat zu bilden und entsprechend die bestehenden Fonds in Anspruch zu nehmen."

In den weiterreichenden Maßnahmen heißt es u. a.:

"Kultur- und Kunstentwicklung folgen einer anderen Logik als die Ökonomie. Deshalb dürfen marktwirtschaftliche Kriterien, wenn sie in der Kultur zur Anwendung kommen, die Rechte der Bürgerinnen und Bürger auf freien Zugang zur Kunstausübung nicht beeinträchtigen.

Deshalb fordert der Runde Tisch die verfassungsmäßige Festschreibung des Bekenntnisses der DDR zum Kulturstaatsgebot."

An diesem Beratungstag wird weiterhin ein gemeinsames Positionspapier zur Militärreform angenommen, indem Platz, Rolle, Auftrag und Entwicklung der NVA sowie Fragen und Probleme ihrer Angehörigen als Bestandteil des demokratischen Prozesses in der DDR gewertet werden.

Entsprechend dem Parteiengesetz, Paragraphen 1 und 2 (4), und dem Wahlgesetz, Paragraph 10 (2), wurde beim Präsidenten der Volkskammer ein Register geschaffen, in das sich die Parteien und politischen Vereinigungen, die an den Wahlen zur Volkskammer der DDR am 18. März teilnehmen, eintragen lassen müssen. Darüber informiert die Pressestelle der Volkskammer den ADN. Die Antragstellung, die umgehend zu erfolgen habe, sei mit der Einreichung des Gründungsprotokolls, eines Statuts, eines Programms und einer Liste der Mitglieder des gewählten Vorstandes. verbunden. Von diesem Recht auf Teilnahme an den Wahlen hätten vorerst Gebrauch gemacht die F.D.P., die DBD, die Vereinigung der Arbeitskreise für Arbeitnehmerpolitik und Demokratie, die Deutsche Jugendpartei (DJP), die NDPD, DIE NELKEN - marxistische Partei, der Sozialistische Studentenbund und die Christlich-Demokratische Volkspartei (CDVP).
(BZ, 27.2.1990)

Seit dem 14. Februar 1990 liegt ein präzises Wirtschaftsprogramm der SPD der DDR vor. Es enthält die konkreten Vorstellungen der Partei zur Schaffung einer Sozial-, Währungs- und Wirtschaftsunion mit der Bundesrepublik im Interesse der Bürger der DDR. Das stellt der SPD-Landesvorstand in einer ADN übermittelten Gegendarstellung zu einer vom Vorsitzenden des Demokratischen Aufbruch, Wolfgang Schnur, dem ADN übermittelten Erklärung fest, die SPD der DDR verfüge über kein Wirtschaftsprogramm.
(BZ, 27.2.1990)

Der Leipziger Gewandhauskapellmeister Kurt Masur appelliert, sich der DDR so zu nähern, dass deren Bürger sich in ein einiges Deutschland "mit Würde einbringen können". Gegenüber den in Hannover erscheinenden "Lutherischen Monatsheften" spricht sich Masur dafür aus, die zur Modernisierung der Industrie und zur Lösung ökologischer Probleme erforderlichen Mittel der DDR in einer Art Marshall-Plan vorbehaltlos zur Verfügung zu stellen. Er wendet sich dagegen, das Parteiensystem der BRD einfach auf die DDR zu übertragen. Die Vielfalt der Meinungen in der DDR spiegelt sich gegenwärtig besser in den demokratischen Gruppierungen wider, die für kühne Ideen offen seien. Aus dem Pluralismus der Meinungen dürfe nicht ein bloßer Parteienpluralismus werden, warnt Masur.
(BZ, 27.2.1990)

In Berlin bildet sich eine Interessengruppe, die sich der Anliegen von DDR-Bürgern annehmen will, die nach der Befreiung 1945 von sowjetischen Organen unrechtmäßig inhaftiert wurden.
(BZ, 27.2.1990)

bis hier aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR, 4./5. Folge, 1. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990, ISBN 3-7303-0604-9

Der Vorsitzende des Landesverbandes Berlin der Deutschen Sozialen Union (DSU), Stefan Sabottka, erklärte in einer Pressemitteilung seines Landesverbandes, dass die SPD-Ost planmäßig an die unrühmliche Vergangenheit der SPD-West anknüpfe. Sie etabliere sich immer mehr zu einer Ersatzpartei für die gescheiterte SED. Die Äußerungen des SPD-Vorsitzenden Böhme seien dafür eindeutiger Beleg.

"Statt sich klar von der SED/PDS abzugrenzen und auf die noch existierenden stalinistischen Kräfte in der SED/PDS zu verweisen, kündigt Böhme großspurig Versöhnung mit der alten Staatspartei an. Offensichtlich wollen die SPD-Ost und Herr Böhme besonders die noch in den Apparaten sitzenden kommunistischen Funktionäre in sozialdemokratische Regierungsarbeit, nach einem eventuellen Wahlsieg der SPD, integrieren.

Resultat einer solchen Praxis wäre die Verschleppung des deutschen Einigungsprozesses, der Aufschub dringender Wirtschaftsreformen und die weitere Destabilisierung der innerdeutschen Verhältnisse."
(Neue Zeit, Di. 27.02.1990)

In Leipzig hat sich die Ausländerfeindlichkeit verschärft. Während der traditionellen Montagsdemo ist die Leipziger Innenstadt faktisch für Ausländer gesperrt. Mehrere lateinamerikanische Studenten mussten nach tätlichen Angriffen von DDR-Bürgern ins Krankenhaus eingeliefert werden. Schon am Tage kommt es vereinzelt - nach Aussagen von Studenten - zu üblen Beschimpfungen und Rempeleien. Abendliche Aufenthalte in öffentlichen Diskotheken, Restaurants oder Bahnhöfen gelten als derzeit sehr gefährlich. Ausgegangen wird deshalb nur gruppenweise. Die VP erklärte sich nicht in der Lage, alle Ausländerwohnheime durch spezielle Patrouillen abzusichern, obwohl dort schon Randalierer eingedrungen seien. Die Sicherheit der Bürger sei gewährleistet.
(Berliner Zeitung, Mo. 26.02.1990)

Auf mehreren der Montagsdemonstrationen im Lande griffen gestern bundesdeutsche Politiker in den Wahlkampf von DDR-Parteien ein.

Auf einer Kundgebung der DSU in Potsdam wurde der Generalsekretär der bayerischen CSU, Erwin Huber, am Sprechen gehindert und von empörten Demonstranten zum Verlassen der DDR aufgefordert. Weiterhin ergriffen die SPD-Politiker Herbert Schnoor, Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, und Dietrich Stobbe, ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin (West), sowie Eberhard Diepgen, Vorsitzender der Westberliner CDU, das Wort.

Für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze, soziale Sicherheit und gegen Baustopp demonstrierten Werktätige des Wohnungsbaukombinats Dresden sowie zahlreiche der über 30 000 Wohnung suchenden der Stadt vor dem Dresdner Rathaus. Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer wurde aufgefordert, endlich ein Konzept für den weiteren Wohnungsbau vorzulegen.

"Zum Ernst der Politik gehört auch närrische Kritik" war eine Losung auf der jüngsten Leipziger Kundgebung, zu der sich am Rosenmontag nur noch einige Tausende Menschen zusammenfanden. Sie äußerten sich in karnevalistischen Anspielungen zum Stand der jetzigen Demokratisierungsversuche. Ein Pfeifkonzert erntete ein Redner, der auf Missstände bundesdeutscher Realität aufmerksam machte und für deutsch-deutsche Annäherung, gegen Einverleibung der DDR eintrat. Während der Kundgebung wurde außer Wahlkampfmaterialien auch die Zeitung der Reps, "Der Republikaner" verteilt. Danach begaben sich zahlreiche, vor allem deutsch-konservative Demonstranten, zum Marsch auf den Innenstadtring.
(Berliner Zeitung, Di. 27.02.1990)

Nach den Worten des Ministers für Naturschutz, Umweltschutz und Wasserwirtschaft der DDR, Dr. Peter Diederich, spielte der Umweltschutz in der Vergangenheit in der DDR keine Rolle. "Das Plansoll musste erfüllt werden", sagte er in einem heute veröffentlichten Interview der "BILD-Zeitung", das ADN vorab zur Verfügung gestellt wurde. Es habe "allenfalls" Nachsorgemaßnahmen gegeben. Jetzt stehe die Uhr auf 5 vor 12. Besonders schlimm sei die Situation beim Wasser. "Ein Fünftel unserer Vorräte ist inzwischen so verdreckt, dass es nur mit hohem Aufwand als ungenießbares Wasser in der Industrie verwendet werden könnte."
(Berliner Zeitung, Mo. 26.02.1990)

Die DDR strebt derzeit den Beobachterstatus bei den Gremien des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) an. Erforderliche Konsultationen mit Mitgliedsstaaten des Vertragswerkes sind angelaufen. Darüber informierte in einem ADN-Gespräch der stellvertretende Minister für Außenwirtschaft der DDR Christian Meyer, der kürzlich in Genf mit GATT-Generalsekretär Arthur Dunkel zusammengetroffen war. Die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit dem internationalen Forum zur Gestaltung des Welthandels sollen Anfang Juni in der DDR auf einem Seminar mit führenden GATT-Vertretern erörtert werden.
(Berliner Zeitung, Di. 27.02.1990)

Eine Gruppe von Szczeciner Parlamentsabgeordneten der Solidarność hat eine Revision des 1989 zwischen der, DDR und Polen geschlossenen Vertrages über die Abgrenzung der Seegebiete in der Oderbucht gefordert.

In einer Erklärung der Abgeordneten heißt es, die frühere polnische Regierung habe während der Verhandlungen zu diesem Abkommen viele Fehler begangen und das Verhandlungsergebnis fälschlicherweise als "für Polen günstig" interpretiert. Dagegen stellten aber nach Ansicht von Experten die im Abkommen getroffenen Festlegungen eine "Einschränkung des freien Zugangs zu den Häfen an der Odermündung" dar. Dies beraube Szczecin und Swinoujscie ihrer Existenzgrundlage als Seehäfen und richte sich damit gegen die Entwicklung ihres natürlichen Hinterlandes sowie gegen die Wirtschaftsinteressen südlicher Nachbarn wie der ČSSR, Ungarns und Österreichs.
(Neue Zeit, Di. 27.02.1990)

Die SPD Lichtenberg lädt kommenden Montag um 18 Uhr im Kultur- und Sozialgebäude des VEB Autotrans, Siegfriedstraße 49-60, zu einer Informationsveranstaltung zum Thema "Chancen und Risiken einer Selbständigkeit" ein. Dabei wird der Bezirksstadtrat für Wirtschaft und Finanzen im Bezirk Tempelhof, Peter Tobisch, über Möglichkeiten zur Firmengründung informieren. Bei entsprechendem Bedarf sind künftig spezielle Lehrgänge geplant.
(Berliner Zeitung, Sa. 24.02.1990)

Willy Brandts Satz vom Zug der Vereinigung, unter dessen Räder niemand kommen dürfe, erfreut sich reger Nachnutzung. Aufgegriffen wurde er auch gestern im Westberliner DGB-Haus, als Gewerkschaftsfunktionäre West- und Ostberlins sowie der Randbezirke Frankfurt und Potsdam über die Bildung eines gewerkschaftlichen Regionalausschusses informierten. Schließlich befürchten sie einhellig, dass viele vor besagten National-Express geschubst werden könnten.

Da sprach der Berliner FDGB-Geschäftsführer Peter Strassenberger von den 17 000 Arbeitslosen seiner Stadt, da berichtete Westberlins DGB-Chef Michael Pagels von den Ängsten seiner Metaller, in der Branche ginge durch nun wegfallende Standortvorteile mittelfristig ein Drittel der Arbeitsplätze verloren.

Solches zu verhindern oder damit fertig zu werden, dazu ist der Regionalausschuss, dem sowohl Vertreter aller Einzelgewerkschaften als auch beider Dachverbände FDGB und DGB angehören, angetreten. Gemeinsam will man gegen Sozialabbau, Unternehmerwillkür, Schwarzarbeit, Spekulantentum vorgehen.

Das, obwohl aus DGB-Chefetagen vor Wochen noch der FDGB schlechte Wende-Noten erhielt. Doch mittlerweile, so Pagels, drohe der Ausverkauf sozialer Standards beiden deutschen Staaten massiv. Und "wir sind für große, starke Gewerkschaften, gegen Betriebsgewerkschaften und ähnliches".

Tatsächlich ist der FDGB im Kommen: erste Wiedereintritte, langsam steigende Mitgliederzahl. Auf Verhandlungen zu einer Legalisierung von Ost-West-Pendlerarbeit angesprochen, reagierten beide Seiten allergisch. DGB: "Verdrängungswettbewerb auf unserem Arbeitsmarkt, denn die Sache wäre eine Einbahnstraße." FDGB: "Wir brauchen jeden, und sei es nach einer Umschulung, bei uns im Lande!"

Die neue Gemeinsamkeit wird wohl am 1. Mai erstmals augenfällig, denn der Regionalausschuss will den Kampftag zu einem Gesamt-Berliner Ereignis machen. Ob auf dem Westberliner Platz der Republik oder im Lustgarten, das ist noch unklar.
(Berliner Zeitung, Di. 27.02.1990)

Die heutige DDR kann nach Auffassung von BRD-Außenminister Genscher im Rahmen der deutschen Einigung ohne Vertragsänderung in die Europäische Gemeinschaft aufgenommen werden. Mit dieser gestern vom Auswärtigen Amt in Bonn verbreiteten Erklärung bekräftigte er die Rechtsauffassung der Bundesregierung, mit der Vereinigung beider deutscher Staaten gehöre auch die heutige DDR zur EG. Das EG-Sekundärrecht, betonte Genscher, müsse natürlich in der DDR entsprechend angepasst werden. Er begrüßte die positive Haltung des Präsidenten der EG-Kommission, Jacques Delors, die dieser dazu von Anfang an eingenommen habe. Allein eine derartige Haltung werde dem EG-Vertrag und der Würde der Deutschen in der DDR gerecht, hob Genscher hervor.
(Berliner Zeitung, Di. 27.02.1990)

Die Osram GmbH (München) plant eine technische und kommerzielle Zusammenarbeit mit dem VEB NARVA, berichtet die Presseagentur dpa. In dem Kombinat sind nach dem zweiten Weltkrieg die ehemaligen Osram-Lampen-Produktionsgesellschaften in der DDR aufgegangen. Osram-Geschäftsführungsvorsitzender Helmut Plettner deutete kürzlich in München an, dass an den interessierenden NARVA-Lampenbereichen eine Mehrheitsbeteiligung angestrebt werde.

Das Kombinat NARVA umfasst rund 16 000 Mitarbeiter und erzielte drei Milliarden DDR-Mark Umsatz. In den ehemaligen Osram-Werken in der DDR sind 5 000 Mitarbeiter beschäftigt. Der zur Siemens AG (Berlin/München) gehörende Lampenhersteller Osram sei "Nummer eins in der Bundesrepublik, Nummer zwei in Europa und jetzt auf Platz Nummer drei in der Welt", sagte Plettner. Im Osten werde eine "vergleichbare Position wie im Westen" angestrebt. Für das Gemeinschaftsunternehmen mit NARVA sei eine Absichtserklärung unterzeichnet worden.

Weil die Produktion in den inländischen Osram-Betrieben trotz Dreischichtbetrieb teilweise nicht mit der stürmischen Nachfrage Schritt halten könne, sieht Osram in dem DDR-Engagement auch die Möglichkeit der Kapazitätsausweitung. Die Investitionen in Sachanlagen sollen - ohne die DDR-Pläne - nach 206 Millionen DM 1989/90 um 30 Prozent steigen.

Für das Geschäftsjahr 1989/90 erwartet Plettner einen Sprung beim Weltumsatz um 16 bis 17 Prozent auf rund drei Milliarden DM. Neben dem Wachstum auf dem Beleuchtungsmarkt trage dazu die zum 1. Januar 1990 vereinbarte volle Übernahme der ehemals mit GEC (London) gemeinsam betriebenen britischen Lampengesellschaft mit gut 200 Millionen DM Umsatz bei.

Der Umsatz der Osram GmbH stieg 1988/89 um neun Prozent auf 1,56 Milliarden DM. Der Weltumsatz erhöhte sich ebenfalls um neun Prozent auf 2,471 Milliarden DM. Durch ein Wachstum des Auslandsgeschäfts um elf Prozent stieg dessen Anteil auf 70 Prozent. Insbesondere die USA und Japan waren die Wachstumsregionen.
(Berliner Zeitung, Di. 27.02.1990)

Carbotex International als Hersteller von Farbbandkassetten für Büro- und Schreibtechnik wird voraussichtlich schon im März eine erste Produktionsstätte in Schwerin errichten. Der Ingenieur Hans-Jürgen Paul erhält dafür eine Gewerbegenehmigung. Der Wuppertaler Unternehmer und Firmeninhaber Klaus Turbon hatte bei einem Besuch Anfang Januar in Schwerin erste derartige Angebote unterbreitet. Begonnen werden soll mit 20 Arbeitskräften. Bis zum Jahresende wird sich die Zahl der Arbeitsplätze auf 50 erhöhen. Die Kapazitäten werden dann ausreichen um den DDR-Bedarf an diesem Artikel zu decken. Für Juni 1996 ist die Gründung einer GmbH vorgesehen.
(Berliner Zeitung, Di. 27.02.1990)

Die DDR-Regierung ist an der baldigen Aufnahme des regelmäßigen Luftverkehrs zwischen der DDR und Japan interessiert und wird die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Das ist das Fazit des gestrigen Gesprächs von Premier Hans Modrow mit dem Vizepräsidenten der Japan Airlines, Tomoya Iwasaki, und Interflug-Generaldirektor Klaus Henkes, in Berlin. Wie Tomoya Iwasaki informierte, solle vor allem der Austausch von Touristen und Gütern entwickelt werden. Seine Firma, die mit 9,6 Millionen Passagieren 1989 die zweite Stelle in der Welt einnahm, wolle aber auch technisches Wissen vermitteln.
(Berliner Zeitung, Di. 27.02.1990)

Seit Wochenbeginn gibt es "Greenpeace DDR", eine Sektion der globalen Organisation zum Schutz von Natur und Umwelt.

Ihre Mitarbeiter stellten sich gestern in Berlin auf einer internationalen Pressekonferenz vor. Hauptanliegen ist nach Meinung des Wissenschaftlers Dr. Christof Tannert, konkret dazu beizutragen, die in den vergangenen Jahrzehnten auf dem Territorium der DDR verursachten schweren Umweltschäden zu verringern.

Auf die Notwendigkeit umweltfreundlicher Recyclingverfahren und die Gefahr, dass sich der internationale Müllhandel gen Osten ausweitet, machte Mathias Voigt aufmerksam.

"Greenpeace DDR" stehe vor der Aufgabe, einen ganzen Eisberg von Umweltproblemen zu erforschen, nicht nur dessen sichtbare Spitze. "Wir müssen dafür sorgen, dass wir bald wieder in der Elbe baden können, dass auch im Harz wieder Bäume wachsen", erklärte er.

Pressesprecherin Heidrun Rottenbach informierte die Journalisten, dass sich in Rostock und Magdeburg schon regionale Aktionsgruppen gebildet hätten.
(Berliner Zeitung, Mi. 28.02.1990)

Der Deportation von mehr als 55 000 Berliner Juden gedenken die Jüdische Gemeinde Berlin und die Israelitische Synagogengemeinde (ADASS JISROEL) zu Berlin morgen um 16.00 Uhr in der Großen Hamburger Straße. An der Gedenkstätte im Stadtbezirk Mitte wird in einer religiösen Zeremonie an die "Fabrikaktion" vom 27. und 28. Februar 1943 erinnert. Tausende Berliner Juden waren damals von ihren Arbeitsplätzen weg in das Sammellager der Gestapo in der Großen Hamburger Straße verschleppt und von da deportiert worden. Herren werden gebeten, zu der Gedenkstunde mit Kopfbedeckung zu erscheinen.
(Berliner Zeitung, Mo. 26.02.1990)

"die tageszeitung - DDR" ist ab Montag überall in der DDR erhältlich. Das 16seitige Blatt zum Preis von 80 Pfennig wird sechsmal in der Woche von der "Anbau Verlag tageszeitungsgesellschaft mbH" herausgegeben. Gründer des Verlages sind die beiden DDR-Autoren Martin Stade und Klaus Schlesinger. Das im Druckzentrum Berlin hergestellte Journal mit einer Auflagenhöhe von 60 000 Exemplaren versteht sich als überregional und will zur demokratischen Umgestaltung der Presselandschaft in der DDR beitragen. Die neue Zeitung kooperiert eng mit der "taz" (West), mit der gegenseitiger Austausch von Informationen und Artikeln vereinbart ist.
(Berliner Zeitung, Sa. 24.02.1990)

Den Redakteuren der Tageszeitung für die DDR ist es erlaubt, Artikel aus der TAZ BRD, die in die DDR-Ausgabe Eingang finden redaktionell für die DDR zu bearbeiten.


"die tageszeitung - DDR. Berlins Überregionale" war die erste Neugründung einer überregionalen Tageszeitung in der DDR. Die Auflage in der ddr-taz war bald höher als die der taz in Westdeutschland.


Für die wachsende Zahl von Arbeitslose in der DDR werden zum Teil auch bundesdeutsche Formulare verwendet. Neben so einer Kuriosität wie Leistung in D-Mark kommt da ein in der DDR noch nicht vorhandenes Arbeitsbeschaffungsgesetz vor. Bei den Arbeitsämtern werden Mitarbeiter eingestellt.

Zusammen mit dem Konsum eröffnet Kaisers in Berlin-Prenzlauer Berg seine erste Filiale.

Unter der Registernummer 16/90 erfolgt die Eintragung des Neuen Forum in das Parteienregister gemäß §§ 1 und 2, Absatz 4, des Parteiengesetzes der DDR.

In Leipzig wird das erste Verbindungsbüro der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft in der DDR eröffnet.

Die DGB-Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) beschließt, vor der Volkskammerwahl am 18. März keine Kooperationsabkommen mit Gewerkschaften oder gewerkschaftlichen Initiativen in der DDR abzuschließen. Erst nach der Wahl soll entschieden werden, ob die Initiativen zur Gründung einer ÖTV in der DDR unterstützt werden soll.

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